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CDU fühlt sich „hinters Licht geführt“

Kämmerer verlässt das Rathaus CDU fühlt sich „hinters Licht geführt“

Einen Tag nach seiner Ernennung zum Stadtoberrat hat Kämmerer Andreas Jasper dem Bürgermeister mitgeteilt, dass er sich auf eine neue Stelle beworben habe, er würde das Obernkirchener Rathaus verlassen. Während die SPD die "gute Arbeit" des Kämmerers lobt, fühlt sich die CDU hinters Licht geführt.

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Er hat gern in Obernkirchen gearbeitet, sagt er, aber jetzt ist es Zeit für einen Wechsel: Kämmerer Andreas Jasper gestern in seinem Büro.

Quelle: rnk

Obernkirchen. Fünf Tage nach dem Bericht in unserer Zeitung beschäftigt die Personalie die Politik noch immer. Der scheidende Kämmerer sieht diesen Vorwurf naturgemäß ein bisschen anders.

Sassenberg wirft Jasper vor, dass er sich schon bei der Samtgemeinde Uchte beworben habe, als er in Obernkirchen bei den Fraktionen vorsprach, als es um die Frage ging, wer Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters werden soll. „Lustlos“ habe sich Jasper bei der CDU präsentiert, schlecht vorbereitet habe er gewirkt, erklärt Sassenberg. Das war am 26. April, am 17. Mai stand die Entscheidung im Stadtrat an, bei der Jasper siegen Gegenstimmen und drei Enthaltungen hinnehmen musste.

Sassenberg weist auf ein für ihn wichtiges Datum hin: Am 29. April endete die Bewerbungsfrist in der Samtgemeinde Uchte, wo Jasper jetzt neuer Allgemeiner Vertreter des Samtgemeindebürgermeisters werden wird und wo die Stelle schon zum 1. Juni besetzt werden sollte. Soll heißen: Als Jasper sich auf die Stelle des Allgemeinen Vertreters im Obernkirchener Rathaus beworben habe, da habe er schon in Uchte seine Bewerbungsunterlagen abgegeben.

Beweisen kann es Sassenberg nicht, aber eine starke Vermutung hat er dennoch, die sich auch aus einer jahrzehntelangen Erfahrung speist: Jasper habe wohl zu diesem Zeitpunkt schon eine verbindliche Zusage in der Tasche gehabt, nur so sei sein Verhalten erklärbar: Dabei habe Jasper nicht nur sie, sondern auch den Bürgermeister „hinters Licht geführt“, betont Sassenberg. Wobei der CDU-Fraktionsvorsitzende den Wechsel des Kämmerers durchaus verstehen könne. Von Jaspers Wohnort liege Uchte wohl näher, zudem sei die Stelle höher dotiert, weil die Stadt deutlich größer sei als Obernkirchen.

"Bauchgefühl hat uns nicht getrügt"

Man habe, so Sassenberg abschließend, schon bei der Vorstellung vor der CDU-Fraktion das Gefühl gehabt, dass der Kämmerer auf den Absprung sei: „Unser Bauchgefühl hat uns nicht getrügt“, aber viel mehr habe man auch nicht zur Verfügung gehabt: „Wir konnten ja nicht in jeder Stadt anrufen und nachfragen, ob dort die Stelle eines Kämmerers ausgeschrieben ist.“

Dass nicht alles in den vergangenen Woche optimal gelaufen ist, bestreitet auch Jasper nicht: Nach außen hin sei der Gesamteindruck nicht glücklich gewesen. Aber bei seiner Bewerbung in Uchte habe es sich um „ein ganz normales Bewerbungsverfahren“ gehandelt, und es sei keineswegs absehbar gewesen, „dass ich genommen würde“. Die Vorstellungsrunde in Uchte sei erst gelaufen, nachdem in Obernkirchen gewählt worden war.

Außerdem, so Jasper, habe er den Bürgermeister zu einem Zeitpunkt über die Bewerbung informiert, als noch nichts entschieden war. Aber so sei die Stadt in der Lage gewesen, sehr früh, nämlich in der ersten Juni-Woche, die Ausschreibungen für einen Nachfolger zu veröffentlichen. Soll heißen: Das hätte er keineswegs machen müssen, er hätte deutlich länger die Stadt über seine Pläne im Unklaren lassen können.

Nachtreten will er nicht, und wenn er auf die Wahl zurückblickt, dann, so sagt er, „habe ich schon mit Gegenstimmen gerechnet, aber nicht damit, dass es sieben Neinstimmen werden“. Dieses Wahlergebnis, so formuliert er es ein bisschen klausuliert, sei bei der Entscheidung, sich in Uchte zu bewerben, „nicht hinderlich“ gewesen. Er habe jedenfalls gerne für die Stadt Obernkirchen gearbeitet, „das tue ich auch jetzt noch.“

Konkurrenz um qualifizierte Kräfte

Die ab September vakante Stelle neu zu besetzen, das wäre eine nicht ganz einfache Aufgabe, erklärt Oliver Keller, denn man befinde sich ja im Wettbewerb mit größeren Städten, eine entsprechende Ausbildung und Qualifikation müsse der neue Kämmerer aufweisen, „das ist nicht so einfach“, sagt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD. Mit der Arbeit von Jasper sei die Mehrheitsgruppe von SPD und Bernd Kirsch (WIR) zufrieden gewesen, Jasper habe eine gute Leistung erbracht. Auf diese Feststellung, so Keller im Namen der Fraktion, lege man schon Wert.

Lapidar sehen die Grünen den Wechsel: Verwaltung und Rat müssten „alles daran setzen, eine fachkompetente und kreative Person zu finden, die die Wirtschaft der Bergstadt mit frischem Wind und kühlem Kopf weiter nach vorne bringt“, formuliert es Fraktionsvorsitzende Christina Steinmann. Man sei „auf einem guten Weg und die neue Person für die Kämmerei kann die Entwicklung sicher noch stärker fördern“. Innerhalb der Fraktion, so Steinmann, habe man kurz überlegt, dass so eine Bewerbungsphase und Zusage im Verwaltungsbereich eine ganze Zeit dauere. Daher habe man schon vermutet, dass sich Jasper schon vor der Wahl im Rat woanders beworben haben müsse. Trotzdem sei es schnell zu einer sachlichen Reaktion in der Fraktion gekommen, ganz im Sinne von: „Dann soll er ziehen, alles Gute für ihn, aber wir müssen jetzt gucken, wie wir wen Gutes bekommen.“

In der vergangenen Woche hat der Samtgemeinderat Uchte über die Personalie Jasper abgestimmt, die Wahl fiel einstimmig aus: Am 1. September wird er sein neues Amt als Allgemeiner Stellvertreter des Samtgemeindebürgermeisters antreten. Dass die Stelle zum 1. Juni ausgeschrieben war, hänge mit dem Ausscheiden des damaligen Kämmerers zusammen, heißt es aus der Verwaltung in Uchte: „Das wäre unser Wunsch gewesen.“ Aber in der Realität habe sich die Versetzung nicht schneller „abhandeln“ lassen.

Was Jasper in der Samtgemeinde Uchte erwartet, ist mit der Arbeit in Obernkirchen nur bedingt vergleichbar: Personalleiter für 150 Beschäftigte, Kämmerer mit Finanzverantwortung für ein Haushaltsvolumen von 30 Millionen Euro und eine Gesamtbilanzsumme von 100 Millionen, ein Beteiligungsmanagement der kommunalen Ausgliederungen und eine Fortentwicklung der Verwaltungsmodernisierung. rnk

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