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„Das Amt ist keine Entwicklungshilfe“

Obernkirchen / Interview „Das Amt ist keine Entwicklungshilfe“

Das Amt hat einen neuen Namen, aus der Frauenbeauftragten ist im Laufe der vergangenen Jahre die Gleichstellungsbeauftragte geworden. Was sich noch alles geändert hat, erfragt Redakteur Frank Westermann im Gespräch mit Dörte Worm-Kressin, die der Rat der Stadt Obernkirchen nun in das Ehrenamt berufen hat.

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Dörte Worm-Kressin

Quelle: pr.

Obernkirchen (rnk). Was ist eigentlich Gleichstellung?

 Damit ist sicherlich nicht gemeint, alle über den berühmten Kamm zu scheren. Wir müssen heute die unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedingungen von Frauen und Männern erkennen und bei der politischen Gestaltung berücksichtigen.

Das heißt konkret?

 Wir müssen heute anerkennen, dass Männer und Frauen keine homogene Gruppe sind. Heute existieren vielfältige Situationen, die ebenso vielfältige Bedürfnisse haben, die bei alleinerziehenden Männer anders ausfallen als etwa bei männlichen Führungskräften, die Teilzeitwünsche äußern. Wir müssen individuelle Modelle entwickeln, die auf die Arbeitszeitmodelle der Erziehenden zugeschnitten sind: Teilzeit, Jobsharing oder Begleitung in Elternzeiten.

Viele verstehen Gleichstellungspolitik als Frauenförderung.

 Das wäre zu wenig und heute nicht mehr zeitgemäß, mein Amt ist keine Entwicklungshilfe für Frauen als defizitäre Wesen. Es ist nicht eine fachlich oder vermeintliche Bevorzugung von Frauen, sondern das Streben nach einer grundsätzlichen Veränderung von Politik und Verwaltung. Das Ziel muss sein, allen Mitgliedern in unserer Gesellschaft eine Entwicklung und Entfaltung zu ermöglichen, die ihren Interessen und Voraussetzungen entspricht. Und daher ist es auch die Aufgabe der Gleichstellungsbeauftragten, Ansprechpartnerin zu sein – nicht nur für die Mitglieder der Verwaltung, sondern auch für alle Bürger.

Was möchten Sie bewirken?

 Neben der Zusammenarbeit mit den Einrichtungen der Stadt, der Fortführung der Sprechstunde und des Frauenfrühstücks und der Vernetzung der Frauengruppen in Obernkirchen möchte ich Projekte anbieten, etwa Selbstbehauptung und Selbstverteidigung für Mädchen und Mütter, aber auch für Jungen zum gleichen Thema: Weil es in der Erziehungsarbeit in den Betreuungseinrichtungen und Schulen nur einen ganz geringen Anteil an männlichen Erziehern gibt, kann ich mir gut vorstellen, mit dem Jugendring ein Projekt „Jungen – Väter – Männer“ zu initiieren. Auch das Anknüpfen an Projekte des Landkreises und der VHS im Bezug auf Familien und Frauen mit Migrationshintergrund ist mir wichtig.

Als Mutter von drei Kindern können Sie ja ein Lied von der Herausforderung singen, Beruf und Familie zu vereinbaren.

 Da zeigen sich vor allem der Wert der guten Vernetzung und die Kenntnisse der Möglichkeiten vor Ort. Und ich bin froh und dankbar, dass ich eine Familie habe, die mich unterstützt. Letztlich war die Vernetzung, die ich mit den Einrichtungen in Obernkirchen, aber auch im Landkreis aufgebaut habe, ein ausschlaggebender Punkt, um zu sagen, ja, ich kann mir die Aufgabe der Gleichstellungsbeauftragten gut vorstellen.

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