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„Das Leben ist jetzt“

Stefan Johansson im Trafo-Treff „Das Leben ist jetzt“

„Und jedem neuen Anfang wohnt ein Zauber inne“, heißt es im Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse. Sich einen großen Lebenstraum zu erfüllen, ist auch Angstbewältigung, sagt Stefan Johansson. Beides stimmt.

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Weit gereist und ein virtuoser Singer- und Songwriter: Stefan Johansson.

Quelle: wk

Obernkirchen. Denn beschreitet man im Leben neue Wege, was enorm positive Energien freisetzen kann, geht man damit stets auch ein die Zukunft betreffendes Risiko ein. Und ob eine Entscheidung richtig war, weiß man bekanntlich immer erst hinterher.

Von daher war es schon ein großer Schritt, als Johansson im Alter von gerade mal 19 Jahren seinen Heimatort im Norden Schwedens verlassen hatte, um die Welt kennenzulernen. Mit seiner Gitarre im Gepäck bereiste er Thailand, Japan, Neuseeland, die Vereinigten Staaten von Amerika und einige Länder mehr und verdiente sich das für seinen Lebensunterhalt benötigte Geld während jener Zeit als Straßenmusiker.

Nicht zuletzt die Verwirklichung dieses Lebenstraumes und die dabei gemachten, wertvollen Erfahrungen haben Johansson, der inzwischen ein viel beschäftigter Profimusiker ist, zu seinem aktuellen Album (und Titelsong) „The Door to the Unknown“ inspiriert. Einen Auszug daraus sowie Songs aus seinem vorausgegangenen Silberling „Finding Home“ hat der 1978 geborene Schwede nun beim „Trafo-Treff“ in Obernkirchen präsentiert. Und, das soll an dieser Stelle schon mal verraten werden: Sein Solo-Konzert, aus dem er von seinem Publikum erst nach mehreren Zugaben entlassen wurde, war ein absoluter Glanzpunkt der vom Verein Kulturfenster Obernkirchen ausgerichteten Veranstaltungsreihe.

Jedes Lied eine Erkenntnis

Denn Johansson ist nicht nur ein hervorragender Gitarrist und Sänger, sondern auch ein sehr sympathischer, unterhaltsamer Typ, der zu jedem seiner Lieder eine kleine Geschichte oder Erkenntnis parat hat. So sinnierte er etwa darüber, dass die Menschen in unserer Gesellschaft oftmals „viel Zeit mit Warten“ verbringen, indem sie die Umsetzung von Plänen, die sie für ihr Leben geschmiedet haben, immer wieder aufschieben – im Kleinen wie im Großen. Aber „das Leben ist jetzt“, appellierte der Singer- und Songwriter an seine Zuhörer, bevor er seinen dieses Thema behandelnden Titel „Waiting“ intonierte.

Musikalisch bot Johansson eine facettenreiche Auswahl an Folk- und Popsongs, deren stilistische Bandbreite von melancholisch bis treibend reichte. Getragen waren seine Stücke von seiner warm-temperierten Gesangstimme und seinem virtuosen Spiel auf der Akustikgitarre, das er – ebenso wie kurze Gesangpassagen – bei einigen Songs mittels einer sogenannten „Loop-Station“ zu komplexen Arrangements ausbaute.

Zur Erklärung: Bei einer Loop-Station handelt es sich um ein elektronisches Gerät, mit dem man live instrumentale und vokale Sequenzen eines Liedes aufnehmen und diese dann je nach Bedarf in einer Endlosschleife sofort wieder abspielen lassen kann. Als Solo-Künstler kann man so den Eindruck erzeugen, dass in einem Song mehrere Instrumente oder Sänger zu hören sind.

150 Konzerte im Jahr

Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählte Johansson, dass er in den vergangenen Jahren bis zu 150 Konzerte pro Jahr gegeben hatte, wofür er alljährlich immer gut sechs Monate lang auf Tournee gewesen war. Um mehr Zeit für seine vierköpfige Familie (insbesondere für seine beiden noch kleinen Kinder) zu haben, hat er dieses Pensum für die Zukunft allerdings deutlich reduziert; fast ein Jahr lang habe er sogar komplett pausiert („tourfrei“). Sein „Hunger nach Konzerten, Erlebnissen und Menschen“ ist jedoch nach wie vor groß, weshalb er jetzt wieder auf Tour ist.

Stefan Johansson lebt mit seiner Familie in Piteå in Nordschweden – in einem kleinen Dorf mit rund 300 Einwohnern. Von 2001 bis 2016 hatte er seinen Wohnsitz in Dresden. Und wer sich aufmacht, etwa von Deutschland nach Schweden, der findet die passenden Worte wieder in Hesses „Stufen“: „Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginne.“ wk

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