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Das Leben schreibt seine eigenen Geschichten

Obernkirchen Das Leben schreibt seine eigenen Geschichten

Gefreut hat sich die katholische Kirchengemeinde über den ehrenamtlichen Einsatz von zwei Männern: Udo Anke und Ludwig Ernst haben kräftig mit angepackt, damit ihr Gotteshaus einen neuen Fußboden bekommen konnte.

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Ludwig Ernst beim Entfernen der alten Tonplatten - eine staubige Angelegenheit.

Quelle: sig

Obernkirchen. Dadurch senkten sie die Kosten dieses Projektes um immerhin 5000 Euro. Aber es gab in diesem Zusammenhang noch weitere erfreuliche Botschaften.

 Davon etwas später mehr. Zunächst verdient der Einsatz der beiden Männer erwähnt zu werden. Sie räumten das bewegliche Mobiliar aus, stellten die Kirchenbänke zusammen und deckten sie ab. Danach stemmten sie den größten Teil des neun Zentimeter dicken alten Fußbodens heraus und entsorgten den Bauschutt.

 Insgesamt 30 Tonnen beförderten sie mit Schubkarren in bereitstehende Container. Das war schon ein besonderer Kraftakt.

 Nicht alles konnten Udo Anke und Ludwig Ernst allein bewältigen. So halfen Mitarbeiter der Firmen Anke Pumpen und Gebrüder Anke beim Wegsetzen des schweren Beichtstuhls und der Kirchenbänke. Zu dieser Zeit verlegte das Team eines Obernkirchener Steinmetzbetrieb es schon die ersten Sandsteinplatten in das Mörtelbett. Insgesamt wurden 26 Tonnen Sandstein benötigt. „Sie haben sehr professionell gearbeitet“, lobte Udo Anke das Werk der Steinmetzen.

 Der Fußboden der Kirche St. Josef hat seine besondere Geschichte, wie Kirchenvorsteher Udo Anke herausfand. Als vor 106 Jahren der damalige Bischof von Fulda zur Weihe das Gotteshaus besuchte, gab es hier noch keinen endgültigen Bodenbelag.

 Pastor Wilhelm Breitung schrieb 1908: „Der Betonboden in der Kirche ist bereits sehr geschädigt. Da er nur als Unterlage für Fliesen gedacht war, ist er nicht hart genug angefertigt worden.“ Wenn nicht endlich Fliesen aufgebracht würden, müsste der Boden später komplett erneuert werden, so Breitung weiter. Auch sei die Kirche nicht sauber zu halten. Je mehr gekehrt würde, desto mächtiger stiegen die Wolken von Staub und Dreck zum Gewölbe empor.

 Es gab dann Streitigkeiten zwischen dem Generalvikariat in Fulda, das den Obernkirchener Sandstein bevorzugte, und dem Pastor Breitung sowie einem heimischen Bauunternehmen, die Tonfliesen als die bessere Wahl ansahen. 1909 entschied man sich dann für diese weißen und schwarzen Tonplatten.

 Der Fußboden ist dann 1968 teilweise entfernt worden, um große Heizungskanäle anzulegen. Im Anschluss daran erhielt die Kirche einen neuen anthrazitfarbenen Fußboden aus Kunststeinplatten.

 Zur Finanzierung des nunmehr über vier Jahrzehnte danach anstehenden Projektes haben nicht nur die Obernkirchener Sandsteinbrüche beigetragen, sondern da gab es auch noch einen Mann, der aus Schlesien stammte und 1952 aus der französischen Gefangenschaft zu Verwandten in die Bergstadt kam. Er hieß Erwin Urban und war gelernter Steinmetz. Mit Hilfe eines Darlehens der katholischen Kirche wanderte er 1956 per Schiff nach Kanada aus. Weil er in Ottawa keine Anstellung fand, zog er quer durch das Land bis nach Vancouver an der Westküste. Als Holzfäller arbeitete Erwin Urban schließlich in den kanadischen Wäldern.

 In den 70er Jahren kehrte er schließlich als vermögender Mann nach Obernkirchen zurück. Er kaufte sich an der oberen Piepenbreite ein Haus, heiratete und arbeitete bei Ackemann&Sohn als Maurer und Steinsetzer. Weil er keine eigenen Kinder hatte, machte er ein Testament zu Gunsten der katholischen Kirche, die ihm einst geholfen hatte.

 Der Kirchenvorstand von St. Josef nahm im Juni 2006 hocherfreut die Erbschaft an. Das Bistum Hildesheim erhob aber Anspruch darauf, weil im Testament der Zusatz „Obernkirchen“ oder „St. Josef“ fehlte. Deshalb wurde das Erbe schließlich geteilt. 65000 Euro flossen 2011 auf das Konto von St. Marien in Bückeburg, weil die katholischen Gemeinden von Bückeburg, Obernkirchen und Rehren A.O. inzwischen fusioniert hatten.

 So konnte in diesem Jahr endlich auch der Auftrag zum Verlegen der Sandsteinplatten erteilt werden. sig

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