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Das Positive sehen, nicht das Negative

450 Jahre Fleckenrechte für Obernkirchen Das Positive sehen, nicht das Negative

Mit einem Festakt, dem rund 200 interessierte Besucher – darunter viele geladene Gäste aus der lokalen Politik, der Geschäftswelt und dem Vereinsleben – beigewohnt haben, hat die Stadt Obernkirchen die sich in diesem Jahr zum 450. Mal jährende Verleihung der „Fleckenrechte“ gefeiert.

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Interessiert lauschen die rund 200 Besucher den Wortbeiträgen der Festredner. 

Quelle: wk

Obernkirchen. Im Mittelpunkt der in der Liethhalle begangenen Veranstaltung stand dabei ein Vortrag des renommierten Historikers Professor Karl Schneider (Leibniz Universität, Hannover), in dem dieser die Veränderungen, die damals mit dem neuen Status verbunden waren, aufzeigte.

 Bevor der Experte jedoch ins Detail ging, gab Bürgermeister Oliver Schäfer hierzu schon mal eine grobe Orientierung. So berichtet er, dass heutzutage viele Menschen gar nicht einordnen könnten, was der Erhalt der Fleckenrechte für den noch kleinen Ort bedeutet habe. Seinerzeit sei der vom Grafen Otto zu Holstein-Schaumburg verfügte neue Status aber „ein gewaltiger Umbruch“ für die weitere Entwicklung Obernkirchens gewesen.

 Zwar wisse man nicht, ob die Obernkirchener angesichts der mit der Verleihung der Fleckenrechte einhergehenden Freiheiten „erstarrt“ gewesen waren oder ob – im übertragenden Sinne – bei ihnen „die Sektkorken geknallt“ haben, stieg Schneider in das Thema ein, „aber wir können vermuten, dass dies wirklich ein einschneidendes Ereignis war“. Denn bis zum Jahr 1565 seien die rund 1000 in diesem Ort lebenden Bürger insofern unfreie Menschen gewesen, als dass sie beispielsweise ihr zu Lebzeiten erarbeitetes Eigentum nicht an ihre leiblichen Nachkommen vererben konnten. Statt dessen seien die Vermögenswerte nach dem Tod bis dato noch dem Stift zugefallen. Allein schon in dieser Hinsicht sei der Erhalt der Fleckenrechte, der übrigens „auch das Ergebnis eines gewonnenen Machtkampfs des Landesherrn über die kirchliche Gewalt“ war, also „ein unheimlicher Fortschritt“ gewesen.

 Demgegenüber war der neue Status laut Schneider aber auch mit gewissen Verpflichtungen verbunden. So galt es etwa, die von dem Landesherrn verfügte Auflage zu erfüllen, die Straßen instand zu setzen, die Strohdächer der Gebäude mit festen Materialien einzudecken, die Mistgruben vor den Häusern zu beseitigen und nicht zuletzt insgesamt ein „politisches und sittliches Wohlverhalten“ an den Tag zu legen.

 Hinsichtlich des Rates von Obernkirchen wurde zudem verlangt, dass diesem Gremium „nur fromme, ehrliche und aufrichtige Leute“ angehören dürfen, die „kein Aufrührertum betreiben“.

 Auch wenn sich der nach der Verleihung der Fleckenrechte zeitweise eingestellte Aufschwung Obernkirchens nicht beständig fortgesetzt hat und die Bergstadt heute mit erheblichen wirtschaftlichen Problemen kämpfen muss, empfahl der Referent, das Jubiläum zum Anlass zu nehmen daran zu denken, welche „spannende, vielschichtige und bunte Geschichte“ diese Stadt bislang erlebt hat. „Es lohnt sich, daraus Mut, Kraft und Zuversicht zu schöpfen.“ Vor diesem historischen Hintergrund und den Chancen, die das in der Vehlener Feldmark entstehende neue Klinikum Schaumburg für die Zukunft Obernkirchens bietet, appellierte Schäfer, nicht – wie man es sonst oftmals in der Bergstadt höre – „das Kritische“ zuerst zu sehen, sondern statt dessen „die positiven Entwicklungen in den Vordergrund zu stellen“.

 Wilhelm Mevert (SPD), stellvertretender Bürgermeister der Stadt, merkte hierzu in einer kurzen Ansprache an, die Verleihung der Fleckenrechte im Jahr 1565 habe „eine Riesenaufbruchstimmung“ innerhalb des Ortes zur Folge gehabt. Und wie es sicherlich schon der damalige Rat getan habe, arbeite auch der heutige Stadtrat daran, Obernkirchen voranzubringen. In diesem Kontext stufte Mevert den bereits erwähnten Neubau des Großklinikums „nach manch positiven und negativen Entwicklungen“, die die Bergstadt in der Vergangenheit genommen habe, als ein „positives Zeichen“ ein. wk

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