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Dauerausstellung des Reifensteiner Verbandes

Perfektes Rüstzeug für die „Maiden“ Dauerausstellung des Reifensteiner Verbandes

 „Dieses liebe kleine Tier, ist der Musterwirtschaft Zier…“: Mit einem Festakt und zahlreichen Grußadressen ist im Festsaal des Stiftes Obernkirchen die Dauerausstellung „Wirtschaftliche Frauenschule“ des Reifensteiner Verbandes eröffnet worden.

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Besucher schauen sich die alten Trachten der Maiden an.

Quelle: mig

Obernkirchen. Bisher war die Ausstellung – ein Querschnitt durch 70 Jahre Schulgeschichte – in den Räumen des Museums für Bergbau und Stadtgeschichte beherbergt worden.

 Wenn Bilder mehr als 1000 Worte sagen, dann ist es wohl das Foto mit dem Schwein, das die Frauenschule Obernkirchen am besten charakterisiert. Geknipst wurde es Anfang des 20. Jahrhunderts, zu einer Zeit also, als Frauen immer noch um ihre gesellschaftliche Anerkennung ringen mussten. Das Bild zeigt zehn Mädchen in Maidentracht, daneben einige Männer. Im Zentrum des Fotos steht aber etwas anderes: ein gerade geschlachtetes Schwein, das langsam ausblutet. Was den in die Kamera lächelnden Mädchen jedoch nicht viel auszumachen scheint.

 Die Schlachtung eines Schweins im Unterricht? In der „Wirtschaftlichen Frauenschule Obernkirchen“ war das etwas ganz Alltägliches. Im heutigen La-Flèche-Park hielt die Schule Hühner und Gänse, der Lehrplan reichte von Kochen, Backen oder Kleintierhaltung bis hin zur Vermittlung von wirtschaftlichen, naturwissenschaftlichen oder politischen Zusammenhängen reichte. Die „Maiden“ sollten dazu befähigt werden, die Wirtschaftsführung mittlerer und größerer Betriebe zu übernehmen können. Dafür gab es in Obernkirchen das nötige Rüstzeug.

 Dass Praxis in der Frauenschule großgeschrieben wurde, zeigt auch ein anderes Foto ganz deutlich. Ein großer Karren ist dort zu sehen, der von einer jungen Frau angehoben wird. Andere Frauen schaufeln Mist auf die Transportfläche. Die Arbeit scheint ihnen Spaß zu machen. Sie lächeln, sind fröhlich. Als „Lern- und Lebensort für Generationen von Mädchen“ hat Museumsleiterin Sybille Schlusche die Frauenschule bezeichnet. Dort haben sie gearbeitet und gelernt, dort haben sie Freunde gefunden, gesungen und getanzt. Von „Freundschaften, die ein Leben hielten“, berichteten die „Ehemaligen“, die am Festakt teilnahmen. Und, dass die Schule ein „sehr wichtiger Bestandteil in ihrem Leben“ gewesen sei. „Wir haben hier viel für unser späteres Leben gelernt“, erzählt Frau Wehmeyer bei ihrem Rundgang durch die Ausstellung. Dann erspäht die in Bremen lebende Seniorin etwas nur zu Bekanntes: das alte Butterfass. „Damit habe ich selbst noch gebuttert“, sagt sie lachend. Und ergänzt: „Das hat zwar viel Arbeit gemacht, aber diese Butter hat besser geschmeckt als alles, was ich später an Butter gegessen habe.“

 Der Festakt selbst begann dann mit Musik von Musik von Nico Benadie (Klavier) und Hannes Dietrich (Bassposaune). Äbtissin Susanne Wöbbeking dankte dem mittlerweile verstorbenen Rolf-Bernd de Groot für den Aufbau der Ausstellung, und Schlusche, die die weitere Ausgestaltung übernommen und „mit großem Einsatz“ weitergeführt habe. „Ich hoffe, dass Sie später so viel Freude an den Exponaten haben, wir sie schon gehabt haben“, gab Wöbbeking zu verstehen. „Überrascht“ vom „Facettenreichtum“ der Ausstellung zeigte sich Vorsitzende der Schaumburger Landschaft, Klaus-Henning Lemme. Die Ausbildung sei sehr umfassend gewesen, sagte Lemme mit Verweis auf ein Foto (auf dem Schülerinnen zu sehen sind, die Hühner schlachten). Laut Lemme hat die Schaumburger Landschaft die Ausstellung auch deshalb gefördert, „weil wir der Meinung sind das die Frauenschule ein wichtiger Teil unserer Geschichte und der von Obernkirchen ist“.

 Schlusche, die Leiterin des Museums für Bergbau und Stadtgeschichte, charakterisierte die Ausstellung dann als „Darstellung der Emanzipation von Frauen durch Ausbildung“. Die Frauenschule habe Obernkirchen weithin bekannt gemacht, „die Schule war eine Traditionsschule“. Ein „großer Schatz von Fotos“ und sogar Filme würden verdeutlichten, „warum die Zeit für die Schülerinnen so prägend war“. Nach weiteren Grußworten von Hans-Christian Biallas, dem Präsidenten der Klosterkammer, und Ina Farwick, der Vorsitzenden des Reifensteiner Verbandes, folgte ein Festvortrag von Ortrud Wörner-Heil. Ihr Thema: „Ein Damenstift und eine Frauenschule – kann das gut gehen?“

 Ein spannender Vortrag mit einer eindeutigen Antwort: Es kann nicht nur gut gehen, es ging gut. Schon einige Jahre nach der Gründung im Jahr 1901 habe eine intensive Verzahnung zwischen Stift und Schule begonnen, der anfängliche Widerstand (einige Stiftsdamen monierten, dass die „wohltuende Ruhe“ gestört werde) wurde abgelöst durch „Dialog, Austausch, Freundschaften“. Ziel der Frauenschule sei gewesen, Frauen durch Bildung für eine Erwerbsarbeit zu qualifizieren. „Sie sollten unabhängig und selbstständig werden“, so Wörner-Heil. Das könne man durchaus als emanzipiert bezeichnen. Dem Stift dankte Wörner-Heil für die „großzügige Gastfreundschaft“, dem für die Ausstellung zuständigen Team um Schlusche für „den Willen, den Idealismus und die Ausdauer Geschichte zu bewahren.“  mig

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