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Den Tagen mehr Leben geben

Vortrag über Hospiz-Arbeit in Obernkirchen Den Tagen mehr Leben geben

Der Tod macht uns Angst. Das weiß auch Angela Stiepermann, die in der „Roten Schule“ einen Vortrag über „Hospiz-Arbeit“ gehalten hat. „Vor dem Gedanken ans Sterben drücken wir uns gerne“, sagt die ehrenamtliche Helferin der Hospizgruppe Obernkirchen-Auetal. Und: „Hospiz-Arbeit ist nicht nur schwarz und grau, sondern hat viele Schattierungen.“

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Angela Stiepermann:„Vor dem Gedanken ans Sterben drücken wir uns gerne.“

Quelle: mig

Obernkirchen. Mutig seien die Obernkirchener Landfrauen, findet Stiepermann. Ein Referat zu diesem Thema anzubieten – „angesichts der Berührungsängste“ –, das verdiene Hochachtung. Ihre Arbeit habe viele Schattierungen und falle je nach Persönlichkeit des Sterbenden anders aus. „Es gibt schöne Momente, wo man gemeinsam fröhlich ist, und andere Momente“, sagt Stiepermann. Es gehe darum, den Tagen mehr Leben zu geben. Auch im Sterben, davon zeigte sich die Referentin überzeugt, könne das Leben lebenswert sein. Nicht die Erkrankung stehe im Zentrum, sondern der erkrankte Mensch, fasst Stiepermann den Hospizgedanken zusammen. „Nach der schlimmen Diagnose ,austherapiert‘ muss es mehr geben als die medizinische Versorgung.“

 Was das Sterben im Hospiz von dem im Krankenhaus unterscheidet? Auch davon vermittelt die Referentin eine Vorstellung. Die Sterbenden würden als Gäste betrachtet, die Mitarbeiter versuchten, jeden „auch noch so verrückten“ Wunsch zu erfüllen. Stiepermann gibt wieder, was ihr eine Mitarbeiterin erzählt hat: „Ein Gast hat einmal eine Ballonfahrt gemacht, ein anderer wollte Spiegeleier um Mitternacht.“ Ein Aufwand, der nur möglich ist, weil Hospize einen anderen Personalschlüssel haben als Kliniken. Wohltuend, so Stiepermann, sei der Schritt ins Hospiz aber nicht nur für den Sterbenden. Auch die Familie werde entlastet, sie könne sich auf den Abschied konzentrieren, müsse keine Pflege mehr übernehmen.

 Warum sie sich zur Hospizhelferin ausbilden ließ? Stiepermann: „Mein Vater ist allein im Krankenhaus gestorben, das hat mich sehr unglücklich gemacht.“ Und: „Erfahrungen im kirchlichen Besuchsdienst: Manchmal, wenn ich auf ein Zimmer kam, war das Bett leer, das hat mich oft umgehauen – da ist mir klar geworden, dass es hilft, mehr über den Sterbeprozess zu wissen.“ Darüber hinaus will Stieperman einen Beitrag dazu leisten, das Sterben aus der Tabuzone zu holen. Jeder Mensch habe bis zu seinem Ende einen würdevollen Umgang verdient.

 An ihre erste Begleitung kann sie sich sehr gut erinnern. Obwohl sie zunächst „richtig Angst“ gehabt habe, sei die Begleitung einfach gewesen. Die alte Dame (weit über 90) habe mit dem Leben abgeschlossen, „wir hatten schöne Gespräche, haben über ihre Reisen gesprochen“. Als die alte Seniorin ihr gesagt habe, sie sei jetzt lebensmüde, habe sie geantwortet: „Nein, Sie sind lebenssatt. ‚Lebenssatt, das ist ein schönes Wort‘, sagte die alte Dame und strahlte mich dann an.“ Dieses Lächeln habe sie nie vergessen. „Das war eine Begleitung, die mich geprägt hat.“ Sieben Jahre ist das her, viele weitere Begleitungen sind dazugekommen.

 Daraus mitgenommen hat Stiepermann, wie wichtig es ist, „sich auf das Gegenüber einzustellen und zu schauen, was der Andere nötig hat“. Ihren Tatendrang müsse sie oft bremsen. „Ich habe gelernt, mich zurückzunehmen und genauer hinzuhören, und ich habe gelernt, dass das Sterben zum Leben gehört.“ Das Leben sei ein Geschenk, sagt sie. „Es lohnt sich nicht, sich über Kleinigkeiten aufzuregen.“ mig

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