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„Der Bedarf an ambulanter Pflege – das ist die Zukunft“

CDU / DRK-Gespräch „Der Bedarf an ambulanter Pflege – das ist die Zukunft“

Mit einer von anderen Vorsitzenden zuweilen sorgsam gepflegten Legende räumt Wolfgang Foerstner gleich zu Beginn auf: Die Mitgliederbeiträge spielen im Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes keine Rolle. Sicher, über 80 000 Euro von 6452 Mitgliedern sind auf den ersten Blick viel Geld, aber bei genauerem Hinsehen sind es nur etwas über ein Prozent: Das DRK Schaumburg setzt im Jahr über sieben Millionen Euro um, erklärt der Kreisvorsitzende.

Obernkirchen (rnk). Eine Summe, zu der der Landkreis sein Scherflein beiträgt, insofern sind die Besucher hier am richtigen Platz: Die Kreistagsfraktion der CDU möchte sich das neue Heim des DRK am Bornemann-Platz ansehen, Foerstner schlägt zunächst einen kleinen Überblick vor: Fast zwei Stunden wird man anschließend zuhören und diskutieren. Denn, so meint Gunter Feuerbach als Fraktionsvorsitzender, in einer immer älter werdenden Gesellschaft mit Menschen, die eine immer höhere Lebenserwartung hätten und individuell vor Ort betreut werden und einen lebenswerten Lebensabend genießen möchten, sei das DRK ein Baustein.

Das sah Foerstner naturgemäß ähnlich, aber da draußen, auf dem freien Markt, da ist das DRK vor allem erst einmal dies: Ein Mitbewerber, der gegen harte Konkurrenz bestehen muss – sei es bei den Angeboten, sei es bei den Ehrenamtlichen, sei es bei den Angestellten.

Der Vorsitzende sieht das DRK grundsätzlich gut aufgestellt: 39 Ortsvereine, von denen der Stadthäger 1190 Mitglieder hat und der in Hattendorf genau sieben, im Durchschnitt gehören jedem Ortsverein 160 Menschen an, aber die Tendenz ist sinkend: „Es ist sehr schwer, den Mitgliederschwund aufzuhalten“, erklärt Foerstner, der bei der Ursachsenforschung schnell fündig wird: Die älteren Menschen, die vor allem nach dem Krieg eingetreten sind, als der Suchdienst des DRK einsetzte: Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen hatten unzählige Menschen in Mitleidenschaft gezogen: Viele verschwanden spurlos und nach wie vor sind allein 1,3 Millionen deutsche Schicksale ungeklärt.

Es ist eine einfache Rechnung: weniger Mitglieder bedeuten weniger Beiträge, aber der entscheidende Faktor ist es wie erwähnt nicht: Von den Beiträgen könne man vielleicht den Geschäftsführer bezahlen.

Die Seele des DRK aber, daran lässt Foerstner keinen Zweifel, das sind die Ehrenamtlichen, die Menschen, die in den Ortsvereinen arbeiten oder im Jugendrotkreuz: Es sind die freiwilligen Blutspender, denen freiwillige Helfer den roten Saft abnehmen – und dabei, so Foerstner, „kommt etwas bei heraus, was woanders Leben rettet - besser gehe es nicht.“ Aber das Geld werde dann vom Blutspendedienst in Springe verdient, der das Blut verkaufe. Das, was die Ehrenamtlichen vor Ort vom DRK erhielten, reiche vielleicht für eine schöne gemeinsame Busfahrt. Und einfach ist die Arbeit mit den Ehrenamtlichen auch nicht, die sind empfindlich wie, wie, ja wie eigentlich? Foerstner sucht nach dem richtigen Wort, Horst Sassenberg findet es: „Wie Mimosen?“ Ja, genau, sagt Foerstner, das ist es, aber das dürfen sie auch sein, schließlich ist es ihre Zeit und Arbeit, die sie ehrenamtlich zur Verfügung stellen – und das für einen Herrgottslohn: „Durchregieren geht also nicht.“

Wie das Finanzielle im DRK einzuordnen ist, erklärt Foerstner am Beispiel der Kreisbereitschaft für Katastrophen: Drei, vier Jahre passiere nichts, dann komme die Katastrophe – und dann müsse das DRK Autos und ausgebildete Leute stellen, und zwar sofort. Dann könne man nicht sagen, man rücke nicht aus, weil kein Benzin im Tank ist: „Wir müssen relativ viel Geld für eine Situation ausgeben, von der wir hoffen, dass sie nicht kommt. Aber wenn sie dann kommt, dann muss es klappen.“ Bei großen Katastrophen werde auch gern gespendet, hier nimm hin, es kommt auf einen Hunderter nicht an, aber das helfe ihm nicht, sagt Foerstner: „Ich brauche das Geld vorher, um Sprit für das Auto zu kaufen.“ Feuerbach insistiert: Vielleicht habe sich der Bund doch zu weit aus dem Katastrophenschutz zurückgezogen, der einst in seiner Verantwortung lag, vielleicht ändere sich dies mal. Foerstner: „Sie kennen die Schuldenlage des Bundes?“ Feuerbach: „Ich kenne die Schuldenlage des Bundes, der europäischen Anrainerstaaten, jedes einzelnen Landes, von Niedersachsen und von Schaumburg.“

Das Grundproblem, so Foerstner, ist eine Trennung seit der Kreisreform: Der DRK Kreisverband auf der einen Seite und der DRK Rettungsdienst und Krankentransport Schaumburg auf der anderen Seite – und zwar als eingetragener Verein. Denn die Leistungen des Rettungsdienstes und des Krankentransportes werden auch bezahlt, der Verein wird nicht mit einem Zuschuss abgefunden: „Sie schwimmen nicht in Geld, aber sie haben sehr viel“, formuliert es Foerstner. Ginge es nach ihm, würde dieses in ganz Niedersachsen einmalige Modell wieder abgeschafft. Grundsätzliche Voraussetzung ist allerdings der politische Wille, aber man muss so etwas nicht über das Knie brechen, sagt er.

Man habe aus der Not eine Tugend gemacht, das Psychiatrische Pflegeheim und das Psychiatrische Wohnheim, beide in Steinbergen, würden Geld verdienen, sie sind ein starkes Stück Fundament für die Finanzierung der ehrenamtlichen Arbeit, aber es sind keine Milchkühe. Und: Es läuft nicht mehr so gut, das Geld wird heute im betreuten Wohnen und der ambulanten Pflege verdient. Aber auch dort sei die Konkurrenz stark: „Es hat zwei Jahre gebraucht, bis wir die Kurve zu den schwarzen Zahlen gekriegt haben.“ Geschäftsführer Kirk Johnson sah hier noch viele Chancen: Der Bedarf an der ambulanten Pflege werden sich vervielfachen: „Das ist die Zukunft.“ Wenn man nichts macht, geht man ein, sagt Foerstner, aber das DRK könne keine Kapitaldecke bilden: Und wenn man 1,2 Millionen für acht neue Plätze im Heim benötige und die Sparkasse 20 Prozent Eigenkapital sehen möchte, dann habe man ein Problem – „wie soll das gehen?“

Foerstner erklärt abschließend noch, dass bei den rund 180 Arbeitsverhältnissen nicht mehr mit befristeten Verträgen gearbeitet wird: Das sei die falsche Strategie, die Leute würde mit unbefristeten Verträgen deutlich lieber arbeiten, und auch Feuerbach räumt mit einer weiteren Legende auf: In Schaumburg gebe es nur mehrere Grundzentren. Und wenn das Schaumburger DRK umziehe, etwa von Stadthagen nach Obernkirchen, dann blicke man nicht neidisch, „dann ist das völlig in Ordnung.“

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