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Der Garten? Nur eine Bildergalerie

Obernkirchen Der Garten? Nur eine Bildergalerie

Vor- und Leitbild waren die idealistischen Landschaftsmaler, als die frühen Landschaftsgärtner des 18. Jahrhunderts aufbrachen, Natur zu einem ihrer eigenen Ordnung entsprechenden Ausdruck zu verliehen: Als Inbegriff einer Kunst, die der Natur Gewalt antat und sie ihrem eigenen Wesen entfremdete, entsprach dabei im England der damaligen Zeit der Garten des Königs von Versailles: regelmäßig, schnurgerade, symmetrisch – man nahm die Naturelemente und unterwarf diese einem mathematisch-architektonischen Schönheitskanon.

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Ulrich Müller

Obernkirchen. Als Privatdozent Ulrich Müller von der Universität Jena im Stiftssaal im Rahmen der Vortragsreihe „Treff im Stift“ diese Eingangsthese aufbaut, hört ihm die wohl größte Zuhörerzahl der vergangenen Jahre zu. Müller führte seine Zuhörer zurück in eine Zeit, in der in England die französischen Formvorstellungen gegeißelt wurden; auch weil dort das Sonnenkönigstum und dessen Legitimität vor dem Hintergrund der konstitutionellen Bindung der englischen Monarchie aufs Heftigste bestritten wurden.

 Philosoph Alexander Pope war es, der der naturnachahmenden Gartenkunst, deren Hauptziel darin bestand, die Natur in ihrer freien Formgebung darzustellen, den Weg wies: Alles Gärtnerische sei Landschaftsmalerei – ein Ansinnen, das als Topos noch die Schriftsteller des 18. Jahrhunderts beeinflussen würde. Müller zitierte Pückler: „Ein Garten im großen Stil ist eben nur eine Bildergalerie.“ Diese griffige Formel habe, von wenigen Ausnahmen abgesehen, bei den Autoritäten des Landschaftsgartens weit über ein Jahrhundert in Gültigkeit gestanden, die ihrerseits der Kunstgeschichte bis in die heutige Zeit die Feder geführt hätten.

 Müller widmete sich der Frage, ob die frankorömische barocke Landschaftsmalerei der englischen Gartenkunst des 18. Jahrhunderts als Vor- und Leitbild diente: naturhafte Wasserflächen, gewundene Wege sowie frei wachsendes Gehölz, das kompositionelle Gegengewichte zur Architektur setzt.

 Die Landschaftsmalerei konnte dem Landschaftsgarten nicht als Vorbild dienen; die Entwicklung des Landschaftsgartens sei das Ergebnis eines längeren historischen Prozesses, in dem der Landschaftsmalerei die Bedeutung eines Leitbildes zugekommen sei: „Sie konnte das vornehmlich in der Dichtung entworfene und neue Naturideal veranschaulichen.“

 Welche Mittel musste die Gartenkunst entwickeln, damit das Raumkunstwerk Garten als Bild wahrgenommen wurde? Müller sah es so: Während im Barockgarten Seh- und Gehachsen, Optisches und Taktisches zusammenfallen, treten sie im Landschaftsgarten auseinander. Formal erfordere dies die Ausbildung zweier korrespondierender Systeme: eines Blickgeflechtes und eines Wegenetzes. „Erst in der räumlichen Distanzierung eines Objektes und seiner Integration ins Bildhafte gewinnt der Betrachter eine ästhetische Distanz, die für die Wahrnehmung und die Form des Gartens gleichermaßen bestimmend und kennzeichnen wurde.“

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