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Obernkirchen Stadt Der Star ist der Stein
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Der Star ist der Stein
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21:30 09.08.2018
Quelle: tol
Obernkirchen

Allein die historische Dimension des Obernkirchener Sandsteins ist beeindruckend: 140 Millionen Jahre ist er alt, seit 2000 Jahren verbauen ihn Menschen oder verarbeiten ihn zu Kunst; mittelalterliche Baumeister ließen ihn nach Köln verschiffen, um den Dom zu bauen. Ende der Woche, bei der Abschlusspräsentation des Symposiums, wird man endgültig erkennen können, was den Bildhauern zum Obernkirchener Sandstein eingefallen ist.

Blenden wir 140 Millionen Jahre zurück: Tropische Temperaturen lähmen das, was wir heute „Norddeutschland“ nennen – und zwar nicht nur für ein paar schweißtreibende Sommerwochen, sondern jahrein, jahraus. Der Bückeberg liegt an der Küste eines Kreidemeeres. Mächtige Flüsse schleppen Sand in das Meer. Die gröberen Körner bleiben wegen ihres Gewichts in den Flüssen liegen, die feinen Körner setzen sich am Grund des Meeres ab. Millionen Jahre später werden Fachleute die Feinkörnigkeit des Obernkirchener Sandstein preisen, den keine Schichten stören. Derart kompakt machen ihm weder Frost noch Tauwetter etwas aus. „Verwitterungsbeständig“ heißt das im Fachjargon.

Zurück in die Kreidezeit: Sturmfluten bedecken Mulden und Spuren, die in der Kreidezeit entstanden sind, mit immer neuen Schichten von Sand. Diese Sedimente verfestigen sich im Laufe von Jahrmillionen; so entsteht Stein. Pflanzliche und tierische „Einschlüsse“ wie Gräser und Muscheln, wie man sie heute noch findet, sind steinerne Zeugen dieser Prozesse.

Springen wir in die Zeit vor 1000 Jahren: Jetzt beginnt die professionelle Gewinnung und wirtschaftliche Verwertung des feinen Steins in den Steinbrüchen, die auf dem Plateau des Bückebergs entstehen. Heute zählt das Werk zu den ältesten Steinbrüchen der Welt. Die Geschichte dieses Steinbruchs ist auch eine Technik-Geschichte: Erst müssen Menschen die rohen Blöcke dem Berg mit der Kraft ihrer Muskeln und der Hilfe einfacher Werkzeuge abtrotzen. Dann geht man dazu über, Löcher in den Stein zu treiben. Keile oder Brechstangen „lockern“ den Block, bevor ihn Kräne an Ketten aus dem Berg zerren; wenn’s richtig klemmt, greifen die Malocher zum Schwarzpulver. Seit etwa 40 Jahren übernehmen Radlader den Job. Sie treiben einen Dorn zwischen die Gesteinsschichten, sodass man die Sandstein-Schollen Stück für Stück aus dem Berg hieven kann.

Seit dem 16. Februar 2016 betreibt die Wesling Obernkirchener Sandstein GmbH & Co. KG den Steinbruch auf dem Bückeberg; Verarbeitung und Verwaltung sitzen am Obernkirchener Steinhauerplatz. Vom Wesling-Hauptsitz in Rehburg-Loccum aus führt Horst Heumann das Unternehmen. Als Prokurist vor Ort in Obernkirchen fungiert Tim Wesling, der in der Wesling-Gruppe zuvor mit Marketing, Vertrieb und Rohstoffeinkauf beim Rehburger Beton- und Marmorwerk betraut war.

„Hier am Firmensitz am Steinhauerplatz und oben auf dem Bückeberg wird einem die historische Dimension des Steins bewusst, den wir verarbeiten“, sagt Tim Wesling. „Der Obernkirchener Sandstein ist ein Stück europäischer Baugeschichte.“ Den Fachmann begeistert vor allem die Kombination aus Haltbarkeit und Verarbeitungsfähigkeit.

Nach dem Einstieg hat Wesling vor allem die Zahl der Produkte erhöht. „Wir erzielen schöne Erfolge mit unserer Serie von Blumenkübeln“, nennt Wesling ein Beispiel aus der Gartengestaltung und ergänzt: „Außerdem haben wir die Palette der Mauer- und Landschaftssteine erweitert. Auch bei den Bodenbelägen bieten wir jetzt neue Formate und Kantensteine an.“ Was sich über die Jahre auch verändert hat: Unternehmen wie Wesling gewinnen den Stein immer umweltschonender und immer weniger energiehungrig. „Es ist erstaunlich, wie groß die Fortschritte in diesen Bereichen mit jedem neuen Radlader-Modell sind“, sagt Wesling.

Unabhängig von Radlader-Entwicklung und Sandstein-Qualität: Die „historische Dimension“, von der Wesling schwärmt, lässt sich am besten oberhalb des Steinbruchs erkennen. Dort hat der Landkreis Schaumburg eine Fährtenplatte konservieren lassen, auf der die Fußabdrücke von Dinosauriern zu sehen sind, die vor 140 Millionen Jahren durch die Region stapften.