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Der Tod ist einfach lächerlich

Die Schaumburger Bühne probt ihr neues Stück Der Tod ist einfach lächerlich

Die Vorstellung hat etwas Gespenstisches: Ein sehr kranker Mann, der einst mit Königen auf vertrautem Fuß stand, ist tief gefallen. Derzeit probt die Schaumburger Bühne ihr neues Stück mit dem Titel „Der eingebildete Kranke“. Die Premiere  ist am Sonnabend, 26. November, ab 19.30 Uhr in der Schule am Ochsenbruch.

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Weil Erich Kästner so wenig Theaterstücke geschrieben hat, probt die Schaumburger Bühne nun Molière. Unser Bild zeigt Anna Schönbeck und Titelheld Peter Reinhold.

Quelle: rnk

OBERNKIRCHEN. Mit seiner Gesundheit steht es nicht zum Besten, und wie er seine große Theatergruppe bezahlen soll, das wissen allein die Götter. Einerseits. Andererseits schreibt der schwer kranke Autor in dieser Situation ein Stück über einen Hypochonder, den er selbst spielen wird; ein Stück, das ihn und die Jahrhunderte überleben wird. „Und“, sagt Regisseur Jürgen Morche, „das Stück hat Molière auch finanziell wieder nach vorn gebracht.“ Allerdings blieb es sein letztes Stück: In vier Vorstellungen kann der Autor noch die Titelrolle spielen, dann bricht er zusammen und stirbt 1673, noch im Theaterkostüm.

Molière gilt heute als einer der größten Dramatiker der französischen Klassik. Mit bürgerlichem Namen als Jean-Baptiste Poquelin 1622 geboren, erhält er eine vortreffliche Schulbildung und gründet nach seinem ungeliebten Jurastudium das „Illustre Théâtre“. Aus Jean-Baptiste Poquelin wird 1644 Sieur de Molière.

1645 geht sein Theater pleite. Das Ensemble schließt sich einer Wandertruppe an, in der Molière Direktor wird. Nach 13 Jahren erhält die Wanderbühne eine Einladung vom königlichen Hof, um König Louis XIV. vorzuspielen – mit Erfolg. Er kann weitere Erfolge feiern, der König ist begeistert und wird sogar Taufpate von Molières Kind. Das Ensemble avanciert zur königlichen Truppe. Doch berufliche Belastung, Intrigen, wirtschaftlichen Probleme und privaten Rückschläge setzen seinem Gesundheitszustand zu.

„Aber leider hat Kästner so wenig Theaterstücke geschrieben“

Regisseur Morche gibt es gerne zu: Man habe sich schwergetan bei der Schaumburger Bühne, ein neues Stück zu finden, schließlich muss es für eine Menge Mitspieler passende Rollen anbieten. Das kann Molières Bühnenstück eigentlich nicht: Es hat eine große Hauptrolle anzubieten und mehrere Nebenrollen, und das war es. Man hätte gerne wieder ein Stück von Erich Kästner genommen, so Morche: „Aber leider hat Kästner so wenig Theaterstücke geschrieben.“

Aber Morche ist schon seit Jahren Regisseur. Und er ist findig: Also wurde ein bisschen gestreckt, die Rolle des Arztes etwa, der den eingebildeten Kranken berät und so ganz nebenbei mit hübschen Rechnungen sein Vermögen mehren kann, verkörpern nun drei Schauspieler: „Sie treten als ärztliches Trio auf, und das geht problemlos“, sagt Morche, weil der Arzt einen langen Text hat und dieser nicht nur aufgeteilt werden kann, nein, jetzt geben sich die drei Ärzte auch noch die passenden Stichwörter, sie ergänzen sich. Problem gelöst.

Das Stück handelt von dem Hypochonder Argan, der sich nur einbildet, krank zu sein. So zieht er diverse Ärzte zurate, die die Einzigen sind, die ihm seine eingebildete Krankheit abnehmen. Argan möchte, dass seine Tochter Angélique Thomas Diafoirus heiratet, einen frischgebackenen Doktor der Medizin. Angélique ist jedoch in Cléante verliebt. Gemeinsam mit Argans Hausmädchen Toinette unternimmt Béralde, der Bruder des vermeintlich Kranken, mehrere Versuche, Argan von seiner Arzt-Besessenheit zu heilen. Schließlich überreden die beiden ihn, sich tot zu stellen, um dann herauszufinden, ob seine Frau und seine Töchter ihn denn nun wirklich lieben. Argan erkennt die wahre Liebe seiner Tochter und die Geldgier seiner zweiten Frau. Angélique steht es am Ende frei, zu heiraten, wen sie möchte. Béralde überredet den Hypochonder Argan, doch selbst Arzt zu werden, aber nur an sich selbst zu praktizieren. Dazu wird sogleich eine Scheinzeremonie mit Schauspielern abgehalten, in der Argan, der das gespielte Aufnahmeritual in die Ärzteschaft für ernst hält, auf Latein schwört, dem Tragen seiner Ärztemütze würdig zu sein.

Der Tod und das Leben

Ein wichtiges Thema in „Der eingebildete Kranke“ ist das Spiel mit dem Tod. Immer wieder taucht er auf: Argan fürchtet zu sterben, die Verliebten Angélique und Cléante wollen nicht mehr leben, wenn sie nicht vereint sein können, Argans jüngste Tochter benutzt das Spiel mit dem Tod als eine List, und seine zweite Frau Béline wartet nur darauf, dass er endlich stirbt, um das Erbe einzustreichen. Trotz dieser eigentlich ernsten Thematik bleibt das Stück eine echte Komödie.

Weil Molière kein Dichter war, der aus seiner Denkerklause heraus für ferne Theaterbühnen schrieb, sondern auch ein Schauspieler und Regisseur, der genau wusste, wie Theater funktioniert, wie ein Gag aufgebaut werden muss, schreibt er auf Wirkungen.

„Das Schwere vom Tod nehmen“, sagt Morche, das wollte Molière mit diesem Stück, mit den Mitteln seines Berufes Zugang zu einem ungeliebten Thema finden. Naturgemäß berge ein Stück wie „Der eingebildete Kranke“ auch ein Risiko: „Es wird viel gespielt, es ist schnell abgenudelt.“ Also hat er sich die Übersetzung von Johanna und Martin Walser besorgt. Sie sei frischer als alle anderen, meint Morche. „Wir müssen den Mief rauskriegen.“ Und er schiebt hinterher: „Wir müssen so gut sein, dass die Zuschauer Lust haben, im nächsten Jahr wiederzukommen.“

Das größte Gewicht dürfte dabei der Hauptdarsteller auf seinen Schultern spüren, denn in diesem Stück ist Argan die Sonne, um die alle anderen herumkreisen. Und da muss man sich keine großen Sorgen machen, wie das letzte Probenwochenende zeigt: Peter Reinhold ist eine im positiven Sinne echte Rampensau, der zeigen wird, was er kann – und das ist viel.

„Es ist ein Stück“, sagt Morche, „das das Leben feiert.“

Letzte Frage: In Molières Stücken spielte sogar König Ludwig XIV. mit. Das wäre doch was: Eine Premiere, in der Obernkirchens Bürgermeister Oliver Schäfer auftritt. Morche lacht: Einen Kurzauftritt bekäme er sofort, er könnte eine Ode an die Sonne verfassen oder als Sonnenblume die Bühne betreten.

 Premiere ist am Sonnabend, 26. November, ab 19.30 Uhr in der Schule am Ochsenbruch. Karten kosten zehn Euro. rnk

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