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Obernkirchen Stadt Die Abgehängten vom Bückeberg
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Die Abgehängten vom Bückeberg
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19:05 02.11.2018
Quelle: leo
OBERNKIRCHEN

Aus dem Loch ragt ein orangefarbenes Rohr. Durch das soll einmal ein Glasfaserkabel „geblasen“ werden, wie es in der Fachsprache heißt. Der Landkreis will mit dem Breitbandausbau Obernkirchen optimal mit schnellem Internet versorgen.

Das Leer-Rohr wurde bereits 3,5 Kilometer von der Liethhalle hoch zum jbf-Centrum verlegt (wir berichteten). Damals erklärte der Landkreis auf Anfrage, dass nach Abschluss der Arbeiten der Bückeberg komplett mit schnellem Internet versorgt sein wird.

Doch nun stellt sich heraus, dass von dem Ausbau nur ein kleiner Teil der Anwohner profitieren und nach Abschluss der Arbeiten schnelles Internet haben wird. „Lediglich das jbf-Centrum und der ehemalige Gasthof daneben bekommen eine DSL-Leitung bis vor das Grundstück gelegt. Clausing, Pächter des Jahnturms, und Hans-Ludwig Deppmeyer, Anwohner auf dem Bückeberg, gehen leer aus. „Wir wurden bei der Planung übersehen“, meint Deppmeyer. Dass sie vergessen wurden, ist ihnen erst beim Lesen der Zeitung klar geworden. „Mit uns hat ja nie jemand gesprochen. Es hieß immer, dass wir hier oben nicht mit schnellem Internet versorgt werden“, erzählt Clausing. Dieter Brenneke, Breitbandbeauftragter des Landkreises, bestätigt das Problem. „Das Wohnhaus, der Jahnturm, der NDR-Sendemast und auch der Steinbruch bekommen die Leitung nicht bis an die Grundstücksgrenze gelegt.“

"Wir sind der Beweis dafür"

Vor wenigen Wochen hatte der Experte im Gespräch mit dieser Zeitung noch gesagt, dass ganz Obernkirchen mit schnellem Internet versorgt werden soll. Auf der Internetseite wirbt der Landkreis Schaumburg sogar damit, dass „jede Gemeinde, jeder exponierte Ortsteil und sogar abgelegene Gehöfte und Wohnhäuser mit mindestens 30 Megabits versorgt“ werden. „Das ist doch ein echter Flop – und stimmt so nicht. Wir sind der beste Beweis dafür“, ärgert sich Clausing.

Er und Deppmeyer wollen das nicht so hinnehmen. „Da wurde auf einer Länge von 3,5 Kilometern quer durch den Wald gebuddelt, um das Rohr zu verlegen, und jetzt sollen die letzten 300 Meter bis zu meinem Wohnhaus nicht versorgt werden. Das ist doch lächerlich“, schimpft Deppmeyer. Stellt sich die Frage: Wie konnte es passieren, dass manche Anwohner auf dem Bückeberg mit DSL versorgt werden und andere nicht?

„Wir haben vor einigen Jahren eine Befragung der Bevölkerung im Internet gestartet. An der hat sich aber nur ein Prozent der Schaumburger beteiligt“, sagt Brenneke. Man sei gezwungen gewesen, nach Karten vorzugehen. „Ich habe mir vor Ort die Gebäude angeschaut und entschieden, wer DSL braucht – und wer nicht. Dass das Wohnhaus und der Turm daneben bewohnt sind, war mir nicht klar. Daher sind sie auch nicht im Förderprogramm des Landes und des Bundes berücksichtigt worden“, sagt Brenneke. Deppmeyer hält das für eine „blöde Ausrede“. „Es erkennt doch jeder, dass mein Haus bewohnt ist. Außerdem habe ich mich an der Online-Umfrage beteiligt.“ Derzeit bekommen Clausing und Deppmeyer Internet über ein Telefonkabel. Doch Kupfer ist offenbar alles andere als ein Garant für Schnelligkeit. „Internet hat man hier oben fast gar nicht. Surfen ist praktisch nicht möglich“, sagt Clausing. leo

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Warten auf neues Förderprogramm

Jochen Clausing und Hans-Ludwig Deppmeyer möchten gern sofort mit DSL versorgt sein, wie auch das jbf-Centrum und das ehemalige Gasthaus. Doch so einfach ist es nicht. „Das Förderprogramm kann nicht einfach erweitert werden“, sagt Dieter Brenneke, Breitbandbeauftragter des Landkreises. Folge: Die Anwohner, die vergessen wurden, müssten jetzt warten, bis ein neues Förderprogramm aufgestellt wird. Und das soll Jahre dauern. „Wenn man sofort einen Anschluss haben will, muss man die Kosten für die Baggerarbeiten selbst tragen“, sagt der Experte.

Clausing und Deppmeyer ärgert das. „Ich zahle doch nicht Tausende, um dann an meinem Grundstück eine Leitung zu haben. Das muss der Landkreis schon selber machen“, sagt er. Deppmeyer sieht das genauso. „Wenn man einen Fehler macht und uns vergisst, dann muss man hinterher auch dazu stehen und nach einer Lösung suchen.“ Die beiden fordern vom Landkreis einen Alternativvorschlag.leo