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Die Älteren sind weg – und die Jungen noch nicht da

Obernkirchen / Konzert Die Älteren sind weg – und die Jungen noch nicht da

Der Moderator hat mal eine Frage: Wie heißt denn wohl das Instrument, mit dem der Dirigent sein Orchester leitet? „Zeigestock“, antwortet ein Schüler, und Leo Krenz lacht kurz auf: Knapp daneben ist auch vorbei, aber immerhin: Diese Antwort hat er bislang noch nie gehört, wenn er nach dem Taktstock fragte. Und das ist nicht gerade selten, aber dazu später.

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Kleine Orchesterkunde für den fünften Jahrgang der IGS: Erst stellt sich das Orchester vor, anschließend gibt es Klang- und Musikproben. Das Repertoire reicht dabei von Schwanensee bis zu Charlie Parker.

Quelle: rnk

Obernkirchen. Obernkirchen (rnk). Krenz stellt in der Aula der Schule den Schülern des fünften Jahrgangs der IGS das komplette Orchester vor, vom kleinsten Instrument bis hin zu größten, von der Piccolo-Flöte bis zum mächtigen Schlagzeug, erklärt den Unterschied zwischen Holz- und Blechblasinstrumenten. „Wir wollen in diesem Workshop zeigen, was alles geht“, formuliert es Krenz später. Und Spaß bereiten, denn die 30 Kollegen des Polizeimusikkorps Niedersachsen werden später das spielen, was Jugendliche heute gerne hören: von Robbie Williams über Indiana Jones bis hin zum Pink-Panther-Thema.

 Es ist der 311. Workshop des Musikkorps’, und es ist ein Auftritt in eigener Sache, wie Krenz erklärt. Denn die Marschmusik, die mit dem Orchester gern assoziiert wird, hat nicht den allerbesten Ruf: Sie wird gern mit dem Großvater verbunden. „Das ist immer noch in den Köpfen der Jugendlichen verankert“, sagt Krenz. „Und wir arbeiten daran, dass dieses Vorurteil wieder rausgeht.“ Denn ein Orchester wie das Polizeimusikkorps kämpft heute mit einem zweischneidigen Schwert, wie es der Moderator bildlich formuliert: Zum einen fehlen die älteren Besucher, weil sie eben zu betagt sind, und die Jungen sind noch nicht da, weil sie (noch) nicht wissen, dass auch ein Polizeimusikkorps heute Musik spielt, die sie ansprechen könnte.

 Darum geht das Musikkorps in die Schulen und bietet Workshops an. „Wir zeigen, was wir können.“ Die Termine sind mehr als begehrt, sagt Krenz, anderthalb Jahre Vorlauf sind die Regel. „Wir können uns vor Anfragen nicht retten, heute ist das ein Selbstläufer.“ Krenz ist durchaus selbstbewusst, wenn er sein Workshop-Projekt der Presse vorstellt: Etwa 25-mal geht er mit seinem Orchester pro Jahr in die Schulen, die Reaktion nach den Workshops seien fast immer gleich: „Wir werden mit stehenden Ovationen verabschiedet.“

 Es ist, neben der Musik, noch eine zweite Botschaft, die Krenz gerne in den Schulen vermittelt: Mit der Musik und mit der Arbeit in einem Orchester, da kann man durchaus Spaß haben. Es ist eine Feststellung, die sich im Workshop bestätigt: Es gibt viel, viel Applaus – und das nicht erst im zweiten Teil, als das Musikkorps die Aula cool rockt, sondern schon deutlich früher, als nur die Instrumente vorgestellt werden und die Musiker ein Stück anspielen: Egal, ob Schwanensee oder Bolero – die Schüler sind hörbar begeistert. Gleichsam als Nebenprodukt werden durch die Schulbesuche und die Workshops in ihrer lockeren Atmosphäre Berührungsängste der Schüler gegenüber der Polizei abgebaut.

 Eine Frage noch: Warum spielt in einem Orchester mit 30 Musikern nur eine Frau mit? „Weil es um die Qualität geht“, sagt Krenz. Wenn eine freie Stelle in einem Musikfachmagazin ausgeschrieben werde, dann würden sich sieben oder acht Bewerber melden. Nach dem ersten Vorspielen seien es noch drei, die übrig blieben. Dann entscheide die Qualität, nicht die Quote: „Wenn wir uns nicht für die Frau entscheiden, dann gab es jemanden, der besser war.“

 Krenz, so zeigt sich schnell, hat seine eigene Vision: Mehr als 100 Jahre existiert das Polizeimusikkorps, und er arbeitet daran, dass es auch einer möglichst langen Zukunft entgegensieht – mit möglichst vielen Zuhörern.

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