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Die Stadt gibt sich die Ehre

Eintragung ins Goldene Buch der Stadt Obernkirchen Die Stadt gibt sich die Ehre

Israel, USA, Spanien, Schweiz – aus vier Ländern sind Nachfahren der Familien Lion/Alford und Adler angereist, um am Verlegen der 18 Stolpersteine teilzunehmen (wir berichteten).

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Angehörige der Familien Lion/Alford und Adler tragen sich ins Goldene Buch ein (rechts im Hintergrund: Bürgermeister Oliver Schäfer).

Quelle: mig

Obernkirchen. „Wir sind zutiefst dankbar, dass Sie sich auf diesen weiten Weg begeben haben“, sagte Christoph von Abendroth, Mitglied der „Initiative Stolpersteine Obernkirchen“, den Ehrengästen. Bürgermeister Oliver Schäfer wollte das „heutige Handeln als Bekenntnis zur geschichtlichen Verantwortung unserer Stadt“ verstanden wissen.

 Es war ein besonderer Moment, als sich die Nachfahren der Familien Lion/Alford und Adler ins Goldene Buch eintrugen. Michael und John Alford mit ihren Frauen Maricela und Lani sowie der Sohn von Michael und Maricela, David, ferner Mark Adler mit Frau Joan und Vivian Adler mit Sohn Jeremy. Michael und John sind die Söhne und David ein Enkel von Ulla Lion, verheiratete Alford. Geboren sind sie in Neuseeland, wohin ihre Großeltern, ihre Mutter, ihr Onkel und ihre Urgroßmutter mütterlicherseits, Betty Adler, vor dem Naziterror geflohen waren.

 Noch schlechter erging es Anna Lion und ihren beiden Töchter. Sie wurden Ende Juni 1942 von Hannover aus zusammen mit zirka 400 anderen jüdischen Menschen des Bezirks Hannover in das KZ Theresienstadt deportiert. Anna verstarb im Mai 1943 aufgrund katastrophaler hygienischer Verhältnisse an den Folgen einer Typhus-Epidemie, Ruth und Edith Lion starben im Lager Bergen-Belsen an einer gefährlichen Fleckfieber- und Typhus-Epidemie – wenige Wochen bevor das Lager von einem britischen Vorauskommando befreit wurde.

 Mark und Vivian Adler sind Sohn und Tochter und Jeremy der Enkelsohn von Erich Adler. Sie wohnen nach wie vor in den USA, wo ihre Familie Anfang 1940 Zuflucht fand. Ihre Urgroßmutter mütterlicherseits, Fanny Philippsohn, war vor ihrer Flucht in Obernkirchen in der Schluke beheimatet. Ebenfalls anwesend war Johanna Schönfeld, die verwitwete Ehefrau von Manfred Schönfeld. Schönfeld war 1937 mit seinen Eltern nach Argentinien emigriert.

 Schäfer dankte zunächst der „Initiative Stolpersteine Obernkirchen“, deren Engagement in Obernkirchen auf fruchtbaren Boden gefallen und schnell umgesetzt worden sei. Schon bei der ersten öffentlichen Vorstellung sei die Idee, Stolpersteine als Erinnerung für Mitmenschen und Nachbarn zu verlegen, die „in unserer Stadt brutal aus ihrem Leben gerissen wurden und eine Lücke hinterlassen haben“, auf enormes Interesse gestoßen. Auf diese Weise habe sich in der Stadt ein Bewusstsein für die jüdische Geschichte in Obernkirchen entwickelt, und es sei somit selbstverständlich gewesen, dass sich der Stadtrat einstimmig und ohne Diskussionen das Anliegen der Initiative befürwortet. Schäfer weiter: „An vielen Entscheidungen haben Vertreter der Stadt Obernkirchen mitgewirkt.“ Rat und Verwaltung, sagte er nachdenklich, hätten sich damals schuldig gemacht.

 Im Anschluss beschrieb von Abendroth die „dunkle Nacht 1938“, in der Tausende jüdischer Männer aus dem Alltag heraus verhaftet worden seien. Wie gut sei in diesem Zusammenhang, „dass wir in Deutschland aufzuwachen beginnen und seit 30 Jahren diese dunklen Jahre deutscher Geschichte nicht mehr leugnen, sondern ihrer zu gedenken versuchen“. Für von Abendroth heißt das: „Wir können zwar nichts wiedergutmachen, aber ein Zeichen setzen: dass wir umzudenken gelernt haben, dass wir von Scham und Schmerz erfüllt sind.“ Und: dass heute auch jene willkommen seien, die in ihren Heimatländern keine Zukunft mehr fänden.

 Still war es, als Michael Alford und Mark Adler das Wort ergriffen. Alford sprach von einem „bewegenden Ereignis für uns alle“, dass sich „durch ihre Initiative unsere Familien in der Heimat begegnen konnten“. Obernkirchen sei ein wichtiger Teil ihrer Erinnerung. Der Papst habe vor Kurzem beklagt, dass es in der Welt so viel Hass und Gewalt gebe: „Der Papst sollte nach Obernkirchen kommen.“ Hier würde er wunderbare Menschen finden und ein Klima, in dem Vertrauen, Toleranz und Frieden lebendig seien. Einen Einblick in das Unrecht, das den Familien zugefügt worden ist, gab Adler. Er berichtete von seinem Vater Erich, den die Nazis festgenommen und im KZ Buchenwald inhaftiert hatten. Das habe ihm „lebenslange Wunden“ zugefügt. mig

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