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„Die Welt soll bunt sein und nicht grau“

Konzert in Obernkirchen „Die Welt soll bunt sein und nicht grau“

Wetter gut, Musik noch besser: Auf diese Formel könnte man das Konzert bringen, mit dem die Reihe „Offenes Trafohaus“ aus der Sommerpause gestartet ist.

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„Mich auf Händen getragen, doch zu welchem Preis“: Kirsten Schaper vor dem Trafohaus.

Quelle: mig

Obernkirchen. Eingeladen war die Chanteuse Kirsten Schaper, die das Publikum mit melancholisch-lebenslustigen Texten in den Bann zog.

Viele hatten bis kurz vor Beginn der Veranstaltung ängstlich gen Himmel geblickt. Wird das Wetter halten? Oder muss das Konzert nach drinnen verlagert werden? Diese Frage dürften sich wohl auch die Gäste gestellt haben, die teils aus Stadthagen und Minden nach Obernkirchen gekommen waren. „Wir haben schon einiges vom Trafohaus gehört und wollten jetzt mal eine der Veranstaltungen besuchen“, berichteten Uwe und Silke Niemann aus Stadthagen. Da an diesem Tag in der Kreisstadt „nicht viel los ist“, habe man den Versuch gewagt und sei mit dem Fahrrad nach Obernkirchen angereist. „Wir haben aber auch einen Regenschirm dabei, falls der nötig sein sollte“, meinte Uwe Niemann. Viel Platz sei im Trafohaus ja offenbar nicht.

Das Wetter hält

Als schließlich um Punkt 19 Uhr das Konzert begann, war klar: Das Wetter würde halten. Kein Regen in Sicht, nur ein paar dunkle Wolken und Wind, der Schaper immer wieder zu schaffen machte. Doch die Chanteuse ließ sich nichts anmerken: Sie schimpfte leicht französelnd über „die Wind“ – und klaubte die Noten einfach wieder auf. Überhaupt hatte das Obernkirchener „Eigengewächs“ sichtbar Freude am Konzert vor dem „Trafohaus“. „Schön, dass Sie alle hier sind“, begrüßte sie die 80 bis 100 Zuhörer, die es sich rund um den Musiker-„Pavillon“ gemütlich gemacht hatten. Es mache ihr immer viel Spaß in Obernkirchen zu singen. Einen ganz besonderen Dank richtete die Chanteuse an das Team vom „Trafohaus“, dass die Veranstaltung exzellent organisiert habe. „Es ist wirklich großartig, wie das hier läuft und was alles möglich gemacht wird.“

Denn eine Organisation wie im „Trafohaus“ ist keineswegs selbstverständlich, so Schaper. Ein Lied der Chanteuse bringt das gut zum Ausdruck, darin ist unter anderem von „brotloser Kunst“ und einem namenlosen Veranstalter die Rede.

Leicht melancholische Texte

Stichwort „brotlose Kunst“: „Das stimmt so ja nicht. Oft gibt es nach den Konzerten ein Brötchen oder ein Heißgetränk“, meint Schaper mit viel Humor. Ob man davon leben kann? In dem Song fragt ein Veranstalter die Protagonistin, warum sie denn „nichts Ordentliches“ gelernt habe? Schaper antwortet mit ihrer Musik und ihren Texten: Sie will ausbrechen aus dem „Käfig der Verlogenheit“, „frei sein von Ketten“ und Musik nicht nur in einem Verwertungszusammenhang sehen. Musik ist für Schaper mehr als „nur“ ein „Brot“-Beruf – es ist eine Berufung. Niemand lässt sich zum Musiker ausbilden, um das große Geld zu verdienen – aber ganz ohne geht es eben auch nicht.

Das Konzert selbst lieferte dann einen kleinen Eindruck von Schapers beindruckendem „Schaffen“. Ihre leicht melancholischen Texte, der Klang des roten „Korg“-Pianos“, all das gibt ihren Songs eine ganz besondere Note. Das klingt nach Chansons, geht aber weit darüber hinaus. „Chansonoirs“ hat Schaper eine Zusammenarbeit mit den Kollegen Sascha Conrad und Kim Struckmeier getauft ein Pleonasmus, der ihren Stil ganz gut bezeichnet. „Chansons Noir“: also melancholische, nächtliche Chansons: manchmal ein bisschen mondsüchtig, dann wieder voller Lebenslust und Frohsinn. Es sind die treffenden Texte, gepaart mit einer samtenen, leicht rauchigen Altstimme, die ihre Musik zu einer besonderen macht.

Schaper hat etwas zu sagen, über das Leben der Reichen und Schönen („Luxus“: „Brüste prall mit Plastik aufgepumpt“) oder über „respektlose Beziehungen“ („Mann ohne Gesicht“: „Mich auf Händen getragen, doch zu welchem Preis“). Man kann es so formulieren: Sie hat eine Stimme, der man zuhören sollte. mig

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