Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Die erste Woche

Waldkindergarten eröffnet Die erste Woche

Der Baumstamm ist dick und lang, aber er ist auch hoch. Er stellt damit für ein Kleinkind doch ein großes Hindernis dar. Nur gut, dass es hier ein Geländer gibt: Es ist der Arm von Sandra Zapke, der Leiterin.

Voriger Artikel
Aus den USA in die Bergstadt
Nächster Artikel
Deutschlands fitteste Stadt

Das Uhlenbruchtal ist fest in Kinderhand. Seit einer Woche gibt es dort einen Waldkindergarten.

Quelle: rnk

Obernkirchen. Der erste Tag im Waldkindergarten Obernkirchen. Seit letztem Dienstag ist das Uhlenbruchtal jeden Werktag fest in Kinderhand. Dort hat der Waldkindergarten Uhlenbruchtal eröffnet. Als Basis steht der Gruppe eine beheizbare Hütte aus massivem Sandstein im Wald zur Verfügung, als Außenraum wartet eine ganze Welt. Und diese will erkundet werden.

 Drei Kinder werden zurzeit betreut, und sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Die vierjährige Stella ist aufgeweckt, eine echte Anführerin. Leni ist gerade drei geworden, sie ist wissensdurstig, geht auch mal eigene Wege, verfügt über einen großen Wortschatz und hat Krippenerfahrung – ein echtes Draußenkind. Laurenz ist ebenfalls drei Jahre jung, ein eher stiller Junge, aber auch sehr aufmerksam.

Tag zwei beginnt mit einem echten Hingucker. Erst wird ein Eichhörnchen gesichtet, und dann – ein Reh. Ein echtes Reh. Kurz schaut man sich in die Augen, dann nimmt das Tier die Hufe in die Hand.

 Schon nach zwei Besuchen im Waldkindergarten ist eines offensichtlich: Die Natur ist der ideale Bewegungsraum für Kinder, denn Bewegung ist ein Ausdruck von kindlicher Lebensfreude.

 Und die Natur ist im Waldkindergarten die Basis der Gesamtentwicklung. Durch die Bewegungserfahrung in der Natur lernen die Kinder nicht nur ihre Umgebung, sondern auch sich selbst intensiv wahrzunehmen; die motorische und die geistige Entwicklung gehen Hand in Hand. „Sie lernen sich selbst kennen, sie lernen: Ich bin ich. Aber sie lernen auch, dass sie Teil einer Gruppe, einer Gemeinschaft sind“, formuliert es Leiterin Zapke.

  Tag drei, Donnerstag, die Temperaturen sind stark gefallen, das Thermometer pendelt sich bei sieben Grad ein, leichter Nieselregen legt sich auf das satte Grün des Uhlenbruchtals. Der Kindergarten hat einen Unterschlupf gefunden, unter einem mächtigen Nadelbaum wird gespielt. Drei unterschiedlich große Tannenzapfen stellen eine Kleinfamilie dar, die zusammen einkaufen geht. Es ist eine Binsenwahrheit, aber es stimmt eben auch: Im Wald erfahren die Kinder die Natur mit allen Sinnen.

 Und sie erleben, wie in der vergangenen Woche, den Wechsel der Jahreszeiten im wahrsten Wortsinn „hautnah“. Aber das ist ein Vorteil, denn durch die Kälte- und Wärmereize, denen sie im Laufe eines Jahres ausgesetzt sind, wird das Immunsystem gestärkt. Waldkindergarten-Kinder, das haben Untersuchungen bestätigt, sind gesundheitlich stabiler und haben weniger Unfälle. Und wenn sie fallen, dann tun sie das meist geschickter als ihre Altersgenossen aus dem Regelkindergarten.

 Was beim Besuch sofort auffällt im Waldkindergarten Uhlenbruchtal, das ist diese Ruhe. Diese unfassbare Stille.

 Sicher, auch dort wird gelaufen, gerufen, gespielt, gesungen und sich unterhalten, aber selbst der Laie bemerkt, dass die Lärmbelastung und der damit verbundene Stressfaktor im Wald sowohl für die Kinder als auch für die Erzieher deutlich geringer als in gewöhnlichen Kindergärten ist.

 Das liegt natürlich auch daran, dass es bislang nur drei Kinder sind, die das Angebot nutzen, und dass sich mit Sabine Zapke eine Fachkraft sowie mit Sabine Lührs und Marina Tecklenburg zwei Erzieherinnen um das Trio kümmern können. „Die Natur“, sagt Lührs, „ist ein unfassbarer Wert für die Entwicklung des Kindes.“

Der vierte Tag: Die Kinder lernen, der Natur gegenüber achtsam zu sein und das wertzuschätzen, was sie ihnen bietet. Gespielt wird mit allem, was der Erlebnisraum Wald hergibt: Matsch und Moos, am Boden liegende Baumstämme, Stöcke und Blätter. Und ein Baumstamm eignet sich bestens als Kutsche, vor der die Pferde gespannt werden. Dann nimmt Stella die imaginären Leinen an die Hand – und es geht los: Lauf, Pferdchen!

 Auch auf die Sprachentwicklung wird sich die Waldpädagogik positiv auswirken. Weil im Uhlenbruchtal auf konventionelles Spielzeug (weitgehend) verzichtet wird, müssen die Kinder sich häufiger über die Bedeutung und Funktion von Gegenständen sowie über das Spielgeschehen austauschen und untereinander verständigen: Sie müssen miteinander sprechen. Sie werden lernen, sich ständig auf neue Situationen einzustellen und Lösungen zu finden – alleine oder in der Gruppe. Im Grunde machen die Kinder in der Natur das, was Kinder auch im normalen Kindergarten machen – aber alles ein bisschen anders, ein bisschen freier, ein bisschen natürlicher eben.

 Aus pädagogischer Sicht geht es vor allem darum, den Kindern etwas zuzutrauen, erklärt Zapke am Freitag: Sie dürfen auf Bäume klettern, sie dürfen „gefährliche“ Dinge ausprobieren, sie dürfen auf schmalen Steinen einen Bach überqueren (und wollen die nächste halbe Stunde nichts anderes mehr machen, immer nur rüber über den Bach und wieder zurück). Sie werden eigene Grenzen kennenlernen, aber auch eigene Stärken – und gleichzeitig ihr Selbstbewusstsein stärken.

 Eine Frage noch: Wie sieht es mit dem Schwimmen aus, schließlich ist das Freibad nur Schritte entfernt? Leiterin Zapke sagt, dass man mit dem Betreiber über eine Kooperation sprechen werde, aber es müsse sich auch jemand finden, der den Kindern das Schwimmen beibringt. Aber wie auch immer: „Die Kinder werden Wassererfahrungen sammeln“, verspricht Zapke und lächelt.

 Mit Blick auf die Anmeldungen bleibt sie gelassen – und optimistisch. Man habe noch freie Plätze: „Warum warten?“ rnk

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg