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Obernkirchen Stadt Dino-Fährten: Nach 100 Jahren wird man weitersehen
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Dino-Fährten: Nach 100 Jahren wird man weitersehen
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19:51 29.07.2010
Uwe Stratmann hält seine Hand über die bislang tiefste Trittspur, die er entdeckt hat. Sie liegt im östlichen Bereich der oberen Sohle. Foto: rnk
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Von Frank Westermann
Damit sie nicht mit leeren Händen abziehen mussten, wurden dann einfach die internationalen Fachleute vor laufender Kamera befragt. Und wie es sich manchmal so ergibt, kam das Gespräch über Dinosaurier und Federn auf Obernkirchen und von dort wieder zurück nach China, wo es ein auch den Experten unbekanntes Museum geben soll, in dem 100 Skelette der gefiederten Saurier zu sehen sein sollen. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Ein paar Wochen später saß die Paläontologin im Flugzeug und besuchte mit dem Filmteam das Museum, das von einem Privatmagnaten betrieben wurde.
Was das mit Obernkirchen zu tun hat? Einiges, denn auch hier wurde gedreht. Insgesamt wird es einen Film über 52 Minuten geben, der vorwiegend vom Leben der Iguanodons handelt, einer Gattung der Dinosaurier aus der frühen Kreidezeit, rund 140 Millionen Jahre vor unserer Zeit. Gegen Jahresende, so kündigt Annette Richter an, soll der Film um 20.15 Uhr auf Arte gezeigt werden.
Hier, im Steinbruch Obernkirchen, hat die Dino-Expertin zum ersten Mal Zeit. Seit sie 2004 in Münchehagen mit dem Ausgrabungen begonnen hat, war es stets der gleiche Ablauf: Immer gab es Interessenkonflikte, immer musste die Diplomatie her, immer musste verhandelt werden, immer mussten Abstriche hingenommen werden, immer wieder gab es Frust – und immer drängte die Zeit, denn die Paläontologen stören mit ihren Untersuchungen in einem Rohstoffbetrieb. Immer.
Nicht in Obernkirchen, jedenfalls nicht auf der oberen Sohle, wo der bereits erforschte Bereich in den letzten Monaten noch einmal um ein paar Hundert Quadratmeter erweitert wurde. Und auch dort wurden die Experten fündig. Uwe Stratmann, der auch die ersten Spuren entdeckte, hatte auf eine genauere Betrachtung der Steinspuren gedrängt, „und das war richtig so“, erklärt Richter, denn dort habe man nicht nur den bislang tiefsten Fußtritt eines Dinos entdeckt, sondern weitere Spuren, die belegen, dass die Dinosaurier nicht einfach nur durchgerannt sind, sondern sich hier längere Zeit getummelt haben. „Das ist richtig schön“ freuen sich Richter und Stratmann und sprechen von einem „beliebten Bewegungsraum in Niedersachsen“ für die Dinos.
Hier oben haben Experten und Hobbypaläontologen nun viel Zeit, um wissenschaftlich zu forschen. Der obere Bereich wird vom Steinbruchbetrieb abgetrennt, in den nächsten Monaten und auch im nächsten Jahr wird hier untersucht, dokumentiert, ausgewertet und beschrieben. Von einer „Paläontologenwerkstatt“ und vom Forscherdrang spricht die Mitarbeiterin des Niedersächsisches Landesmuseums aus der Naturkunde-Abteilung.
Natürlich wird es wissenschaftliche Arbeiten über die Funde geben, geplant sind bislang drei. Die erste wird sich mit dem sogenannten Hühnerhof befassen, die zweite ebenfalls, die dritte Arbeit wird eine Doktorandin der Universität Göttingen über die obere Sohle verfassen. Das sei heute so üblich, erklärt die Chef-Paläontologin, das jeder Aspekt für sich betrachtet werde: „Die Zeit der Monografien ist in der Wissenschaft vorbei.“ Didaktisch soll auf der oberen Sohle vorgegangen werden. Dort sind, laienhaft ausgedrückt, mehrere Schichten zu entfernen, um zu den Abdrücken zu gelangen: eine dünne, eine dickere und eine weitere dünne. Angedacht ist, auch eine, zwei oder drei Stufen stehen zu lassen, damit sichtbar ist, dass die Tiere hier längere Zeit verbracht haben.
Es ist ein Premiumprodukt, das der Landkreis hier den Besuchern anbieten möchte, erklärt Dezernent Fritz Klebe. Dazu beitragen werden auch zehn ausgebildete Dino-Scouts, die die Besucher fachkundig führen sollen. Einen Internet-Auftritt gibt es noch nicht, er wird allerdings nicht sehr groß ausfallen: Termine und Adressen, viel mehr soll es dort nicht zu lesen geben. Und natürlich auch die Kosten aufzeigen: Die Preise für die Führungen werden nicht allzu hoch liegen, sagt Klebe, „das ist ein Non-Profit-Unternehmen“, aber ein paar Euros sollen die Scouts für ihre Mühen dann doch bekommen. Auch Klebe denkt an diesem Morgen über die Zeit nach, denn die Witterung wird die Funde verändern: „Aber die nächsten hundert Jahre wird es keine Probleme geben.“ Danach wird man weitersehen.
Apropos sehen: Wer den Experten bei der Arbeit zusehen möchte, kann dies in den nächsten Wochen tun. Jeden Sonntag – passendes Wetter vorausgesetzt –, wird auf der oberen Sohle gearbeitet. Annette Richter würde sich freuen, wenn sie am Sonntag einen (oder mehrere) Scout dort antreffen würde, denn in aller Regel kommt ja doch jede halbe Stunde eine neue Familie und fragt nach, was man dort so mache. Aber wenn kein Scout kommt, wird Annette Richter auch das x-te Mal alle Fragen beantworten. Denn im Steinbruch Obernkirchen, da hat sie ja Zeit.

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