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Dinos finden viele Fans

100 Begeisterte entdecken Spuren in den Obernkirchener Sandsteinbrüche Dinos finden viele Fans

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Mit 20 bis 25 Teilnehmern hatten die Veranstalter des „Doppel-Dino-Days“ gerechnet.

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Oberkustodin Annette Richter beschreibt das Aussehen der Landschaft vor 140 Millionen Jahren.

Quelle: jp

Obernkirchen. Bei schlechtem Wetter auch deutlich weniger. An zwei Tagen sollten sich alle Saurierinteressierten der Umgebung auf Einladung auf die Spuren der Vorzeitgiganten begeben: zum einen mit einem Besuch im Landesmuseum Hannover und zum anderen mit einem Ausflug zu den Saurierfährten auf dem Bückeberg, die 2007 auf dem Betriebsgelände der Obernkirchener Sandsteinbrüche entdeckt wurden und seitdem von der Wissenschaft weltweit als Sensation gefeiert werden.

 Bei der Exkursion in die Landeshauptstadt zwecks Museumsbesuches war die Teilnahme auch im Rahmen dessen ausgefallen, was die Veranstalter um „Strull & Schluke“-Mitmacher Arne Boecker ungefähr kalkuliert hatten. Dass sich dann jedoch am zweiten Tag statt zehn oder 20 Interessierten 100 Dinosaurierbegeisterte auf dem Bückeberg einfinden würden, um sich von Oberkustodin Annette Richter die Trittsiegel von Iguanodons, Allosauriern und Raptoren zeigen und erläutern zu lassen, dürfte die kühnsten Erwartungen übertroffen haben. Natürlich war der Zeit gut gewählt: Nicht nur das sommerliche Wetter passte, auch sind die Dinosaurier aufgrund des Erfolgs des derzeit weltweit in den Kinos laufenden vierten Jurassic-Park-Films „Jurassic World“ in aller Munde.

 Angesichts einer so großen Gruppe war einiges an Organisationstalent gefordert, um zunächst alle Teilnehmer heil und trockenen Fußes vom Treffpunkt am ehemaligen Gasthaus Walter bis zu den Fährten zu bringen. Kein leichtes Unterfangen in einer steinigen und waldigen Umgebung mit nicht immer einfach zu begehenden Wegen, die jedoch Gastgeber Klaus Köster, seines Zeichens Geschäftsführer der Obernkirchener Sandsteinbrüche und profunder Kenner jedes Steins, jedes Strauches und jedes noch so abgelegenen Trampelpfades, ganz souverän meisterte. Der Betriebschef erwies sich auf dem knapp einstündigen Weg zudem als vorzüglicher Fremdenführer, indem er zahlreiche historische Details zur Geschichte und Entwicklung der Obernkirchener Sandsteinbrüche zum Besten gab und an manchen Stellen die Spuren und Reste lange zurückliegender Bergbautätigkeit erläuterte.

 Ein plastisches Bild, wie die Landschaft des heutigen Bückebergs vor 140 Millionen Jahren ausgesehen haben dürfte, ließ Oberkustodin Richter, die am Ort des Geschehens die Leitung übernahm, bei der Beschreibung dessen, was sich seinerzeit dort abspielte, vor dem inneren Auge der Zuhörer entstehen. Durch ein tropisches Flussdelta bewegten sich diese Iguanodons, als sie die heute versteinerten Trittspuren hinterließen. In gerader Nord-Süd-Richtung verliefen diese prähistorischen Marschwege der neun Meter langen und fünf Tonnen schweren Tiere. „Sehr wahrscheinlich zyklische Wanderrouten ähnlich denen von heutigen Gnus in Afrika“, vermutet Richter. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Tiere auf dem Weg zu dem Delta vorgelagerten bewaldeten Inseln waren. Diese könnten sich in der Gegend des heutigen Münchehagens befunden haben, wo auch große Mengen an Fährten gefunden wurden.

 Die absolute Besonderheit der Saurierfährten-Exkursion bildete der Besuch des Hühnerhofes. Bei diesem südlich der ersten großen Fährtenplatte gelegenen, 400 Quadratmeter großen Plateau muss es sich einstmals um einen Tummelplatz von Sauriern gehandelt haben. Da sich das Areal inmitten des Betriebsgeländes des Steinbruchs befindet, ist es für Besucher normalerweise nicht zugänglich.

 Weit mehr als 1500 Einzelfährten haben die Wissenschaftler auf dieser Fundstätte bereits kartografiert. Daher auch der Name: Betrachtet man den Platz aus der Luft, sieht der Bereich aufgrund der Vielzahl von dreizehigen Spuren so aus, als sei eine Horde Hühner umhergelaufen. Tatsächlich stammen die Spuren mit den drei schmalen Zehen von Allosauriern, einer der bekanntesten Gattung fleischfressender Dinosaurier der Kreidezeit. Noch größeren Sensationswert bergen die Spuren mit den zwei Zehen und einem „Knubbel“: Sie stammen von kleineren Raubsauriern mit einer großen Sichelkralle an jedem Hinterlauf, einer Untergattung der Raptoren, die 1993 durch Spielbergs „Jurassic Park“ berühmt wurden. Allerdings: Das Aussehen der Fleischfresser aus dem Kinofilm ist wissenschaftlich überholt. Durch Ausgrabungen aus China weiß man: Raptoren waren gefiedert.

 Gleich zwei Eigenschaften zeichnen die Spuren des Hühnerhofes aus und machen ihn seit 2008 für Paläontologen aus aller Welt zur Sensation: Zum einen finden sich dort deutlich mehr Trittsiegel von Raubsauriern als von ihrer Beute, ein bis heute rätselhaftes und unerklärliches Verhältnis, was sich sonst bei keinem prähistorischen Fährtenfund in der Welt wiederfindet. Und zum Zweiten sind sich die Wissenschafter sicher, von der Raptoren-Gattung, die auf dem Bückeberg ihre Spuren hinterließ, bislang nirgends auf der Welt ein Skelett gefunden zu haben. „Das ist für Obernkirchen ein Alleinstellungsmerkmal“, so Richter. jp

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