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Obernkirchen Stadt Ehegatte kann auch als Diamant fortleben
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Ehegatte kann auch als Diamant fortleben
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20:37 26.11.2012
VolkerRethmeier Quelle: Picasa
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Obernkirchen (sig)

Das ist die Zeit der stilleren Tage, der Rückbesinnung und der Gedenkfeiern. Genau dazu passte die Lesung von Volker Rethmeier bei den Landfrauen.

 „Der letzte Wagen ist immer ein Kombi“ lautet der Titel seines Buches, das im Verlag Wagner erschienen ist. „Nichts in dieser Welt ist sicher außer dem Tod und den Steuern.“ So zitiert der Autor den amerikanischen Schriftsteller Benjamin Franklin.

 Auf den weiteren Seiten geht der Fachmann auf viele Fragen ein, mit denen sich jeder Mensch in seinem endlichen Dasein wohl oder übel befassen sollte. Rethmeier ist in Obernkirchen Friedhofswärter und weiß, was da alles zu bedenken ist, wenn der eigene Wille nur noch auf dem Papier stehen kann und das letzte Hemd keine Taschen mehr hat.

 Sein Buch gibt die vielen Möglichkeiten wieder, sich schon im Vorfeld über die letzte Ruhestätte Gedanken zu machen. Da ist in den vergangenen Jahrzehnten einiges in Bewegung gekommen. Immer mehr bevorzugt wird, sich einäschern zu lassen. Das sorgt zunehmend für Platz auf den heimischen Friedhöfen.

 In den Friedwäldern finden immer mehr Urnen Platz. Da erinnert man sich an Goethes Wanderers Nachtlied: „Über allen Gipfeln ist Ruh. In allen Wipfeln spürest du kaum einen Hauch. Die Vögel schweigen im Walde. Warte nur, balde ruhest du auch.“

 Rethmeier schreibt darüber, dass man sich schon heute einen Familienbaum auf dem Friedhof der Bergstadt aussuchen könne. Dort finden die Urnen mehrerer Generationen Platz. Es gibt noch einen zusätzlichen Vorteil: Die Friedhofswärter kümmern sich nicht nur um das Herbstlaub, sondern auch um den Baum, schneiden und pflegen ihn. Das entlastet die Angehörigen.

 Die Urnen der Eltern auf den Wohnzimmerschrank zu stellen oder im eigenen Garten einzugraben, das ist in Deutschland nicht gestattet. Dafür gibt es eine reiche Auswahl von Behältnissen. Ökofans werden im Vorfeld dafür sorgen, dass die Hülle nach kurzer Zeit zerfällt. Der Mensch ist eben aus Erde und wird wieder dazu.

 Rethmeier geht in seinem Buch auch auf andere Bestattungsformen ein wie das Seegrab oder den letzten Flug in den Weltraum. Einmal pro Jahr soll es möglich sein, seine Urne zusammen mit anderen mit einer Rakete ins Als zu befördern.

 Eine Schweizer Firma presst für aus der Asche sogar einen sogenannten Trauerdiamanten. So könnte der Ehegatte funkelnd und kostbar seiner Liebsten nahe bleiben, mit einem „Vorteil“: Er gibt keine Widerworte mehr.

 Öko-Aktivisten hatten eine noch ungewöhnlichere Idee. Die Asche könnte mit pH-neutralem Beton vermengt und als Kugeln im Meer versenkt werden. Auf diesen könnten sich Korallen und Muscheln ansiedeln.

 Rethmeier kommt das Verdienst zu, den Landfrauen ein Thema, das alle angeht, auf alles andere als schwermütig machende Weise nahe gebracht zu haben.

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