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Eigene Fußnoten für die Dino-Fährten-Forschung

Obernkirchen / Symposium Eigene Fußnoten für die Dino-Fährten-Forschung

Für die Dinosaurier-Experten, die sich beim Dinosaurier-Fährten-Symposium in Obernkirchen getroffen haben, Vorträge hielten und ihre Funde verglichen, war die Bergstadt vier Tage lang gewissermaßen die Welthauptstadt der ausgestorbenen Saurier.

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„Großes Kino“: Die Fundstelle wird wirkungsmächtig ausgeleuchtet. © tol

Obernkirchen (rnk). Sigmund Graf Adelmann, Geschäftsführer der veranstaltenden Schaumburger Landschaft, kann anschließend ein überzeugendes Fazit ziehen: Die Organisation war bestens, mehr als einmal wurde ihm versichert, dass die Teilnehmer aus dem Jemen, China oder Südamerika noch nie ein so gut aufgestelltes Symposium erlebt haben; vier Tage wurden sie gleichsam auf dem Kissen der Gastfreundschaft von einem Vortrag zum nächsten Event getragen.

Dafür hat Adelmann zuvor viele Gespräche geführt: Weit, sehr weit hinein in den fünfstelligen Bereich gingen die Gelder der Sponsoren, die er auftrieb. Stiftung Niedersachsen, Klosterkammer und die Stiftung Sparkasse Schaumburg haben großzügig gespendet, um mit dem Symposium die Grundlage dafür zu legen, dass die Obernkirchener Dino-Fährten auf eine sichere wissenschaftliche Basis gestellt werden können.

Kein einziger der großen Namen der Dinosaurier-Forschung fehlte in Obernkirchen, und der Nestor der Branche hatte es schon lange geahnt: Es bedürfe lediglich aktiven wissenschaftlichen und organisatorischen Einsatzes in der Region, um das bemerkenswerte Potenzial wirksam zu erschließen, hatte Prof. Dr. Hartmut Haubold in seinem Vortrag in der Stiftskirche erklärt. Haubold ist ein lebender Zeitzeuge, der fünf Jahrzehnte Dino-Forschung aktiv begleitete und in dieser Zeit deutliche Akzente setzte.

Zu Beginn der letzten 50 Jahre, also 1961, hatte die Verschärfung des Kalten Krieges negative Auswirkungen auf Entdeckungen und Forschungen von Dinosauriern und deren Fährten. Der Fall des Eisernen Vorhangs 1989 und die Globalisierung begünstigen in nie gekannter Weise eine auf Frieden und internationale Kommunikation angewiesene Wissenschaft wie die Dinosaurologie.

Und heute genießen auch Dino-Fährten in diesem Rahmen eine nie gekannte wissenschaftliche Akzeptanz, hatte Haubold in der Stiftskirche dargelegt: „Der zuvor angedeutete Kenntniszuwachs kommt seit dem Jahr 2000 in etwa 350 Primär-Publikationen von 300 Forschern aus vielen Teilen der Erde zum Ausdruck. Dass sich ein Teil dieser aktiven und spezialisierten Forschergemeinde im April 2011 in Obernkirchen zu einem Symposium trifft, ist Ausdruck der Wertschätzung für die neuen Fährtenfunde in den Horizonten der Obernkirchener Sandsteine.“

Das hört sich wie ein nettes Kompliment an, es ist auch so gemeint, aber von einem neuen, eigenen Kapitel, das mit dem Symposium in der Dinosaurier-Forschung aufgeschlagen wurde, will Torsten van der Lubbe nichts wissen: Das wäre zu hoch gegriffen, aber ein paar Fußnoten habe man der Forschung durchaus anheften können. Man habe zudem, wie erhofft, auch ein paar Antworten erhalten, auch wenn sie nicht immer aus der Richtung kamen, aus der man sie eigentlich vermutet habe.

Der Mitarbeiter des Landesmuseums Hannover nennt ein Beispiel. Auf dem Hühnerhof habe man sich immer gefragt, was diese tiefen Löcher mit den kleinen konzentrischen Kreisen eigentlich zu bedeuten hätten. Was haben die Dinos hier gemacht?

Gar nichts, habe Professor Phillip Manning von der Universität Manchester nun erklärt: Das seien tief verwurzelte Blumen gewesen, die sich bei starkem Wind auf die Seite gelegt und mit ihren Blättern jene konzentrischen Kreise erzeugt hätten.

Oder die Bildung von Algenmattten auf den Fährten: Auf den ersten Blick seien sie nicht besonders wichtig, so von der Lubbe, aber im Kontext der Entstehung könne jetzt doch das eine oder andere kleine Detail dem großen Puzzle hinzugefügt werden. Von einem „Teppich angesammelter Mosaikstücke“, die, richtig zusammengesetzt, ein Bild ergeben, spricht der Museumsmitarbeiter.

Immer größere Rechner, die immer stärkere Datenmengen verarbeiten können, immer bessere Modelle, die immer mehr darstellen können, erleichtern dabei den Schritt in die objektive Forschungsmethode. Von der Lubbe schweigt einen Moment, dann: „Wir haben das Glück, diesen Schritt mitzuerleben.“

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