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Ein Fall für die Psychiatrie?

Obernkirchen Ein Fall für die Psychiatrie?

Wann der Angeklagte geboren ist, will Richter Norbert Kütemeyer wissen. „Weiß ich nicht mehr“, erwidert der 55-Jährige. Auf die Frage, wo er zurzeit wohne, antwortet der Mann gar nicht. Kütemeyer nennt schließlich den Namen einer Klinik und fragt: „Kann das sein?“ Antwort: „Keine Ahnung.“ Es stimmt: Seit Mai ist der psychisch Kranke in jener Klinik vorläufig untergebracht. Im Prozess vor der 1. Großen Strafkammer am Bückeburger Landgericht geht es um eine Tat, die dazu geführt hat.

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Obernkirchen/Bückeburg. In einem Obernkirchener Heim, wo er im geschlossenen Bereich lebte, soll der Bewohner am Abend des 14. März eine Küchengardine angezündet haben. Feuerwehr und Polizei mussten anrücken. Die Sache ging glimpflich aus: Das Feuer erlosch von selbst. Die Gardine aus Polyester, ein Teil des Fußbodens und eine Leiste blieben angeschmolzen zurück.

Oberstaatsanwalt Frank Hirt wirft dem Angeklagten versuchte schwere Brandstiftung vor, ein Verbrechen. Hirt geht aber davon aus, dass der 55-Jährige aufgrund seiner seelischen Erkrankung nicht voll zurechnungsfähig war. Zugleich sieht er in ihm eine Gefahr für die Allgemeinheit. Folgt das Gericht der Einschätzung Hirts, könnte es am Ende auf eine unbefristete Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie hinauslaufen. Der Kranke soll an einer Form von Schizophrenie leiden. Er behauptet, eine Stimme habe ihm befohlen, die Gardine anzuzünden.

Vernommen hat das Gericht zum Prozessauftakt die stellvertretende Heimleiterin. Sie beschreibt den 55-Jährigen als Bewohner, der viel Aufmerksamkeit gebraucht habe und teilweise „sehr fordernd“ aufgetreten sei. Aggressiv sei er aber nicht gewesen, eher in sich gekehrt. „Ausbrüche“ habe es jedoch gegeben. Einmal soll der Kranke mit Geschirr geworfen haben. In einem anderen musste ein Fernseher dran glauben. Das berichtet ein Pfleger, der die Brandschäden in der Küche bei einem Rundgang während seiner Nachtschicht entdeckt hatte. Als der Alarm losgegangen sei, habe er gleich an den 55-Jährigen gedacht: „Das kann nur er gewesen sein.“ Warum er das getan habe, hat der Pfleger den Bewohner nach eigener Erinnerung gefragt. Antwort: „Weiß ich nicht.“ Die stellvertretende Heimleiterin erinnert sich, dass der Patient nach der Tat in seinem Zimmer gelegen habe, die Decke über den Kopf gezogen. „Ich wollte das nicht“, soll er gesagt haben.

Nach Obernkirchen war der Bewohner damals aus dem Maßregelvollzug in Herne gekommen sein. Dem Vernehmen nach soll er eine Tankstelle überfallen haben, um an Alkohol zu kommen. Mit dem Trinken soll er nach dem Tod seiner Mutter begonnen haben, bei der er lebte.

Der Prozess wird fortgesetzt. Der Richter hat drei Verhandlungstage geplant, sechs Zeugen und einen Gutachter geladen. ly

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