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Ein Gedicht

Obernkirchen / Musik Ein Gedicht

Ein exzellenter Gitarrist bringt sein erstes Soloalbum heraus. Die Ergebnisse solcher Fleißarbeit sollte man für gewöhnlich eher mit spitzen Fingern anfassen. Was lässt die Nachricht schon erwarten? Flinke Finger, die auf dem Griffbrett Salto schlagen? Hornige Fingerkuppen, die tiefe Riefen in die Bünde fräsen? Schneller? Höher? Weiter?

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Als „Liedgitarrist“ beweist Olli Schröder seine Qualitäten als Songwriter.

Quelle: pr.

Obernkirchen (thm). Doch nun Olli Schröder: Der in Obernkirchen wohnende Tausendsassa der heimischen E-Gitarristen-Szene zeigt, wie es sich verhält mit dem, was man Erwartungshaltung nennt. Vergiss es! „Liedgitarrist“ heißt sein Debüt-Album. Olli Schröder versteht sich auf dem soeben erschienenen Silberling nicht als hochgelenkiger Trapezturner zwischen sechs Saiten. Stattdessen schreibt er Lieder. In deutscher Sprache zu Gehör bringt er seine Gedanken. Und diese begleitet er auf seinem Instrument.
„Ich schreib hier nur meine Gedichte.“ Schon diese Zeile erklärt das Programm, unter dem das Album steht. Auf ihm versammelt sind elf Lieder, übrigens längere Lieder, liegt deren Spieldauer doch jeweils jenseits der Dreiminutendreißighit-Industrienorm. Es gibt zwei Instrumentalnummern.
Um Gedanken und Kompositionen hörbar werden zu lassen, hat sich Schröder (Gitarre, Gesang, Bass) kompetente Verstärkung an die Seite gestellt: Zacky Tsoukas spielt das Schlagzeug, Bernd Hohmann Stahl – den viele wohl eher als „White Man Molle“ kennen – bläst Querflöte und Bluesharp, Martin „Wunz“ Hohmeier leistet Bassarbeit und Miko streicht die Violine. Zum Album gehört ein achtseitiges Booklet, das einige Fotos der Akteure zeigt, den größten Raum jedoch dem Abdrucken der Liedtexte reserviert.
„Liedgitarrist“ heißt das Album, und „Liedgitarrist“ ist das erste Lied. Der Einstieg gelingt hymnisch im Rockformat, also ohne Text, dafür mit einer mehrstimmig ausgearbeiteten, eingängigen Melodielinie und treffend gesetzten Fills. Nach dem Auftakt stellt sich „Eine Frage der Ehre“. Knapp fünf Minuten lang ist diese flott marschierende Rocknummer, in der Karriereleitern, Schnäppchenmentalitäten und andere Widersprüchlichkeiten besungen werden.

Ein Album ohne Liebeslieder: Ist das unvermeidlich? In der Ballade „Kein Lied über Liebe“ erklärt Olli uns, weshalb er Liebeslieder so gar nicht mag – zu viel Gefühl, zu wenig Hirn – und wie er gegen das schwülstige Hochpumpen falscher Emotion anschreibt. Mit schwebenden Flageoletttönen beginnt „Souvenir“, eine weitere Ballade und ein zweites Nicht-Liebeslied auf dem Album. In bisweilen mehrstimmiger Gitarrenarbeit und einfühlsamen Soli beschrieben und ausgeleuchtet werden Lebenslagen, wenn bislang zweisames Miteinander in getrennte Wege aufspleißt. Erkenntnis: „Kein Leid. Keine Wut.“

„Genug“ heißt der fünfte Titel. Olli Schröder besingt in dieser getragenen Rockballade die Geschichte eines großen Mädchens, bei dem der Rat „Lass dich einfach treiben“ ins Leere läuft. Ins Nichts. Schwere Kost? Vielleicht. Jedenfalls werden aufkommende Stimmungen aufgefangen von „Ausspannplatz“, der zweiten der beiden Instrumentalnummern. Olli lässt seine Gitarre sprechen? Nein: Singen. Singen. Singen!

Höchste Zeit für eine „Winterreise“. Diese Ballade will sagen: Nichts wie raus, nichts wie weg. Wem „fünf Stunden Grau doch zu flau“ sind, der packt jetzt seine sieben Sachen, setzt sich in den nächsten Fernwehflieger und wird „der Mensch, der mit den Vögeln zieht“. Ausgecheckt für eine Entdeckungsreise im Shuffle-Feeling. Wenn die mal nicht in der „Schweinebucht“ endet. Jedenfalls gedanklich dorthin begibt sich Olli Schröder mit diesem Wut-Titel. Zwar steht der Name der Bucht an der Südküste Kubas als Synonym für die CIA-gestützte, fehlgeschlagene Invasion der Karibikinsel, doch scheint es – viel aktueller – um Aufklärungsarbeit nach der Art von WikiLeaks zu gehen. Womit Olli die Frage in den Raum stellt: Wann kommt der Tag, an dem die Masse schreit?

Ist all das unausweichlich? In „Fatalist“ – übrigens mit 3 Minuten 57 Sekunden die kürzeste Nummer des Tonträgers – gibt Olli Schröder seine Antwort in Gestalt einer Aufforderung: „Komm, lass uns mit den Geistern tanzen!“ Manchmal hilft auch das nicht. Die Ballade „Restfett“ erzählt die Geschichte einer großen Freundschaft. Die Textzeile „Wenn du jetzt diese Welt verlässt“ macht klar, wie abrupt Freundschaften enden können. Einer bleibt dann zurück, und der weiß: „Es gibt keinen, der dich ersetzt.“

Und für denjenigen, der bis hierher noch nicht begriffen hat, worum es bei diesem Plattenprojekt geht, für den gibt es zum Schluss „Quast“. Im gefällig groovenden Reggae-Stil erklärt Olli Schröder in diesem Lied noch einmal sein Anliegen: Ein Leben ohne Musik jedenfalls ist für ihn unvorstellbar, und die Anzahl der Balladen reicht gerade auf dieser CD.

Fazit: Bei seinem Solo-Debüt ist Olli Schröder in bestens aufgelegter Spiellaune zu erleben. Dabei stellt er seine ausgereifte Technik in den Dienst des Gesamtprojektes. Er drängt als Gitarrist in wohltuender Art und Weise eben nicht in den Vordergrund, sondern dient mit seinem Gitarristentalent seinen Songs. Schließlich stammen die Lieder ja auch aus seiner Feder.

Fakten

„Liedgitarrist“ von Olli Schröder. Erhältlich ist das Album im Internet – als MP3 oder als CD – etwa bei Amazon oder iTunes. Für Fußgänger gibt’s die Platte im Känguruh (Bückeburg), im Musicshop Lampe (Bückeburg) und bei MOM-Musik Oevermann (Minden). Oder man bestellt sie per E-Mail an liedgitarrist@t-online.de.

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