Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Ein Scherbengericht

Förderverein Sonnenbrinkbad Ein Scherbengericht

 Die Hauptversammlung des Fördervereins Sonnenbrinkbad in Obernkirchen ist ein Scherbengericht. Und dass sie nicht eskaliert, hat mehrere Gründe: Die neue Badesaison steht unmittelbar bevor, ein Nachfolger für Robert Rammelsberg ist gefunden, und der scheidende Vorsitzende selbst äußerst sich in seinem Bericht über die vergangenen beiden Jahre oft abstrakt.

Voriger Artikel
Quietschbunte Wundertüte
Nächster Artikel
Wer kommt für den Schaden auf?

Obernkirchen. Als der scheidende Vorsitzende einen Wahlleiter sucht, um seinen Nachfolger zu finden, da erntet Rammelsberg für diese formale Selbstverständlichkeit nur Absagen. Oliver Schäfer? Steht für das Amt nicht zur Verfügung. WIR-Ratsherr Bernd Kirsch? Ist nicht Mitglied im Förderverein. CDU-Ratsherr Horst Sassenberg? Möchte nicht. Nach zwei weiteren Körben hat Schäfer einen Vorschlag: Warum übernimmt Rammelsberg nicht selbst die Wahlleitung? Schließlich kandidiert er ja nicht.

 Rammelsberg findet den Vorschlag in Ordnung und verweist kurz darauf, dass sich keine potenziellen Nachfolger bei ihm gemeldet hätten. Ob es denn aus der Versammlung Vorschläge gebe? Da hebt Thomas Stübke den Arm und nennt einen Namen: Oliver Schäfer.

 Es ist das zweite Mal an diesem Abend, dass Stübke seinen Arm hebt, das erste Mal hat er gegen die Entlastung des Vorstandes gestimmt; eine Gegenstimme, sechs Enthaltungen – bei 37 stimmberechtigten Mitgliedern sieht ein glorreicher Abschied wahrlich anders aus.

Vorgänge sind zu komplex

Die Vorgänge in der Arbeit des Fördervereins können von den meisten Besuchern nicht nachvollzogen werden, zu verästelt ist das Konstrukt rund um die Betreibergesellschaft aus Förderverein, Genossenschaft und Stadt.

 Die Arbeit, beginnt Rammelsberg seinen Bericht, die alle Beteiligten in den zurückliegenden 18 Jahren geleistet hätten, um das Bad gemeinsam nachhaltig erhalten zu können, sei „ungewöhnlich und außergewöhnlich“. Inhaltlich streift er anschließend die Eintragungen von Vorstand und Satzung, die Verfahren vor den Sozialgerichten und vor allem die Ab- und erneute Zuerkennung der Gemeinnützigkeit durch das Finanzamt. Denn die Behörde hat den Zuschuss der Stadt für den Förderverein rückwirkend seit 2013 mit einer Umsatzsteuer von 19 Prozent belegt, weil sie den Satzungszweck – die Förderung des Schwimmsportes – so nicht sah und eher die Genossenschaft als treibende Kraft erkannte. Doch ein Wirtschaftsunternehmen kann nicht gemeinnützig sein. Insgesamt summiert sich die Umsatzsteuer auf 34.000 Euro, die dem Verein aber gestundet wurden; die nicht gezahlten Steuerbescheide wurden wieder aufgehoben.

 Eine neue Satzung hatte Rammelsberg mit dem Vorstand ausgearbeitet und mit dem Finanzamt abgestimmt, damit die Gemeinnützigkeit wiedererlangt werden kann. Bei der Hauptversammlung wird der Tagesordnungspunkt ersatzlos gestrichen. Um diesen Punkt soll sich der neue Vorstand kümmern. Aber, so Rammelsberg sinngemäß, der Streit mit dem Finanzamt sei praktisch vom Tisch, die Gemeinnützigkeit werde man zum 1. Januar 2018 zurückerhalten. Und in der neuen Satzung werde genau stehen, wer bei der Entwicklung des Bades federführend sein werde: Es ist der Förderverein.

 Sieben größere Blöcke hat Rammelsberg in seinem Bericht als Vorsitzender zusammengetragen. Bei der Wirtschaftlichkeit des Vereins verweist er auf ein grundsätzliches Problem: Nicht nur die Diskussion mit dem Finanzamt habe gezeigt, dass in der Öffentlichkeit nicht zwischen Genossenschaft und Verein unterschieden werde, es bedürfe einer klareren Differenzierung“. Dass die Kosten der verbrauchten Wärme im Bad nicht bekannt seien, gefällt Rammelsberg nicht. Später verweist Wolfgang Hein als Vorstandssprecher der Genossenschaft auf die Hauptversammlung im April. Mit den bekannten Zahlen, so Rammelsberg, „kann man annehmen, dass das Bad als solches kaum gefährdet sein kann, wenn endlich ein klares Bild des Geschäftsberichtes vorliegen würde“.

 Punkt vier des Berichtes umfasst die Zusammenarbeit mit der Genossenschaft. Grundlage sei der gemeinsam erstellte Geschäftsplan. Wichtig dabei: „Alle Seiten müssen sich an die gemeinsam beschriebenen Regeln halten“, sagt Rammelsberg.

 Heftiger wird der Tonfall, als er auf die neue Lounge im Bad zu sprechen kam, „ein besonderes Beispiel von misslungener Kooperation“, wie er ausführt: Der Vorstand des Fördervereins habe die Idee gut gefunden, aber einer kurzfristigen Finanzierung nicht zugestimmt, weil zur gleichen Zeit ein neuer Kassenautomat angeschafft werden musste, für den per Spendenaufruf gesammelt wurde. Man habe sich „heftigen Anfeindungen“ ausgesetzt gesehen, meint Rammelsberg: auf der einen Seite ein Spendenaufruf, auf der anderen ein Bauvorhaben. Alles zusammen habe rund 50000 Euro gekostet. Das will Hein so nicht im Raum stehen lassen: Man müsse schon unterscheiden zwischen den reinen Kosten und einer Wertsteigerung. Der Wert der Maßnahme betrage zwischen 50000 und 80000 Euro, die Kosten selbst hätten bei 12.000 Euro gelegen. Hein zieht ein bitteres Fazit: Eine „wunderbare Sache“ werde hier kaputt geredet.

Arbeitsfähigkeit auf Augenhöhe herstellen

Als Punkte fünf, sechs und sieben hat Rammelsberg das künftige Aufgabenspektrum des Vorstandes, die Zusammenarbeit mit der Stadt, eine Zukunftsbetrachtung und eine Strategie vorgesehen, doch er wird von Schäfer ausgebremst: Bericht, Aussprache, Entlastung Neuwahlen – das seien die Vorgaben für den Vorsitzenden. Ein Ausblick, wie sich der neue Vorstand den Aufgaben zu stellen habe, gehöre auf keinen Fall dazu. Nach einer kurzen Aussprache wird darüber abgestimmt, ob Rammelsberg fortfahren darf. Der Vorschlag findet keine Mehrheit.

 Es folgt der Vorschlag für den neuen Vorsitzenden, die Begründung liefert Stübke mit: Es gelte, die Arbeitsfähigkeit auf Augenhöhe aller Organisationen herzustellen, man müsse die „Sprachfähigkeit untereinander“ wiedererlangen.

 Einen Interessenkonflikt mit seinem Amt als Bürgermeister sieht Schäfer nicht, aber er sehe sich in der Pflicht: „Hier bestimmt das Geld die Welt.“ Man müsse das „Gesamtkonstrukt stabilisieren“, das werde er zur „Chefsache“ machen.

 Rammelsberg begnügt sich nach der Schäfer-Wahl (drei Gegenstimmen) mit zwei Worten: „Herzlichen Glückwunsch.“ Stellvertreterin wird Sabine Schmeding, Beisitzerinnen sind Kathrin Stübke und Anja Struckmeier, Jürgen Weißbrich bleibt Schatzmeister.

 Der Abend endet versöhnlich. Hein dankt Rammelsberg für dessen Arbeit. Das Bad sei ein „bundesweit bemerkenswertes Modell“, man wolle weiterhin als gutes Beispiel dienen. Das habe man Robert Rammelsberg mit zu verdanken.  rnk

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Schaumburg