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Ein „kolossaler Durchbruch“mit geschönter Autobiografie

Hans Christian Andersen zwischen Tradition und Modernität Ein „kolossaler Durchbruch“mit geschönter Autobiografie

Zu einem mit „Hans Christian Andersen (1805 bis 1875) – zwischen Tradition und Modernität“ überschriebenen Vortrag hat der Verein Treff im Stift im Rahmen seiner Dänemark-Veranstaltungsreihe eingeladen.

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Prof. Dr. Ivy York Möller-Christensen spricht über Andersen.

Quelle: wk

Obernkirchen. Dabei erfuhren die Besucher Referentin Ivy York Möller-Christensen (Bild, Institut für Sprache und Literatur/Dänisches Seminar der Universität Flensburg), dass der Märchenschreiber seinen „kolossalen Durchbruch“ zuerst in Deutschland erlebt habe, was in hohem Maße mit einer von ihm selbst initiierten Mythenbildung bezüglich seiner eigenen Person verbunden gewesen sei.

 So habe sich Andersen etwa in seinem autobiografisch angelegten Frühwerk „Das Märchen meines Lebens“ selbst als eine Art Held dargestellt, um – als Ergebnis seiner langfristigen Erfolgsplanung, bei der er nichts dem Zufall überlassen habe – zur Marke zu werden.

 „Schlüsselworte in der deutschen Rezeption“, die damals im Zusammenhang mit der anerkennenden Bewertung seiner literarischen Werke genannt wurden, waren laut Möller-Christensen eine in Andersen Schreibkunst ausgemachte „Kindlichkeit“ und „Unschuld“ sowie – damals durchaus positiv gemeint – eine gewisse „Naivität“. Gerade die Mythenbildung sei für den dänischen Erfolgsautor, der im Laufe seines Lebens immerhin knapp 160 Märchen publiziert hat, im Laufe der Zeit jedoch auch zu einer „Zwangsjacke“ geworden, indem er beispielsweise große Angst gehabt habe, jene von seinen Kritikern geschätzte Kindlichkeit zu verlieren.

 Was das Gesamtwerk des Dänen betrifft, sagte die Referentin, dass nur wenige seiner Geschichten für Kinder geeignet sind. Darunter etwa Titel wie „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“, „Der standhafte Zinnsoldat“ und „Däumelinchen“.

 Bei den anderen Märchen handele es sich dagegen um „Kunstmärchen“ für Erwachsene, da Andersen in ihnen mit dem Schema der „Volksmärchen“-Erzählung gebrochen oder in diese unerwartete Konfrontationen eingebaut habe. Im Fachjargon spreche man von einer „Zweiten Logik“, die im Gegensatz zu der – in den Geschichten auch enthaltenen – „Ersten Logik“ stehe.

 Termin: Am Mittwoch, 3. Dezember, spricht die Kunsthistorikerin Anne Hemkendreis von der Universität Lüneburg in der Reihe „Treff im Stift“ ab 20 Uhr über „Vilhelm Hammershoi – Eine dänischer Vermeer des 19. Jahrhunderts?“ wk/wk

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