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Einst Zirkus- und Hoteldirektor

Obernkirchen / Sonnenhof Einst Zirkus- und Hoteldirektor

„Vor 30 Jahren“, sagt Werner Hobein, „war man mit 65 ein alter Knochen. Heute ist das anders.“ Der Noch-Leiter des Sonnenhofes muss es wissen: Vor fast 30 Jahren (exakt: 28) hat er die Leitung der Einrichtung von Gründer Kurt Nieschalke übernommen; heute ist Hobein selbst 65 – und legt die Leitung des Sonnenhofes am kommenden Dienstag, 1. Oktober, in jüngere Hände.

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Der „alte“ und der neue Leiter des Sonnenhofes: Werner Hobein (links) und Tobias Schramme.

Quelle: tw

Obernkirchen. Dann, wenn der 32-jährige Bückeburger Diplomkaufmann Tobias Schramme das Staffelholz übernimmt, wird das Vorzeigehaus der Bergstadt zugleich 40 Jahre alt. Hobein, 1948 in Georgsmarienhütte geboren, hat das Gros davon selbst gestaltet.

 Wenngleich: „Alt“ ist an dem Gebäude, in dem heute 95 Mitarbeiter 118 Senioren betreuen, nur noch der Name; alles andere wurde wieder und wieder umgebaut, um den vom Obernkirchener Altersheimverein getragenen Sonnenhof auf den jeweils modernsten Stand zu bringen. Hobein drückt das so aus: „Hier ist eigentlich kaum ein Stein auf dem anderen geblieben.“ Nicht weniger verändert haben sich in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten die Menschen, die dort einziehen, und ihre Bedürfnisse. Früher gingen sie am Stock, heute benutzen sie den Rollator – und der ist bei vielen Senioren, der 65-Jährige hat’s selbst beobachtet, fast eine Art Statussymbol. Er muss immer und überall greifbar sein.

 „In den Anfangsjahren“, sagt Hobein, „war ich noch eine Mischung aus Zirkus- und Hoteldirektor“. Soll heißen: Weil die Menschen, die in den Sonnenhof übersiedelten, deutlich jünger waren als heute, waren vom Heimleiter vor allem Entertainer-Qualitäten gefragt.

 „Heute dagegen ist das Aufnahmealter erheblich gestiegen, vielfach auf über 80“, so der Noch-Leiter und Kaufmann. Denn die Menschen können und sollen länger zu Hause bleiben. „Das ist politisch so gewollt, auch wenn es nicht immer sinnvoll ist“, sagt Hobein. Die Folge: Multimorbide werden zu einer neuen Herausforderung für Pflege und Pfleger; Demenzerkrankte ebenso.

 Es sind nicht die Einzigen: Denn mehr und mehr muss, wer Menschen betreut, jeden seiner Arbeitsschritte dokumentieren und so mit Bergen von Papier kämpfen. „Früher“, sagt Hobein, „bestand ein Heimvertrag aus etwa einer Seite Papier; heute dagegen ist er fast ein kleines Buch.“ Ein Pfleger oder eine Pflegerin muss heute eben nicht nur ein Pfleger oder eine Pflegerin sein, sondern nebenbei auch noch Papierkrieger und Kommunikationstalent. Doch gerade Pfleger – männlich – sind schwer zu bekommen. Dabei werden gerade sie dringend gebraucht, „denn es gibt heute viel mehr männliche Bewohner als früher“, so Hobein. Doch nicht jeder Mann lässt es sich gefallen, wenn ihm eine Frau im Wortsinn an die Wäsche geht.

 Diese Probleme haben alle Pflegeeinrichtungen. Was viele nicht haben, ist der stete Stachel, Gutes noch besser zu machen und up to date zu bleiben. Beispiel: Man muss nicht die Erkenntnis bemühen, dass Essen die Erotik des Alters ist, um zu wissen, dass es für Senioren nicht nur Nahrungsaufnahme bedeutet. „Es strukturiert den Tag“, so Hobeins Nachfolger Schramme. Daher gibt es im Sonnenhof zwischen Montag und Freitag nicht nur zwei stets frisch gekochte Tagesgerichte zur Auswahl. „Sie passen auch ebenso wie die Tischdekoration zur jeweiligen Jahreszeit – und bieten den Bewohnern so Orientierung“, berichtet Schramme.

 Das gilt auch für das neue Lichtsystem, das noch in diesem Jahr im gesamten Gebäude installiert werden soll. „Im Haus wird es hell, wenn die Bewohner morgens Helligkeit brauchen; das ändert sich, wenn sich der Tag neigt“, erzählt Schramme. Schatteninseln, welche die schlecht sehenden Senioren irritieren, wird es auf den Fluren der Einrichtung dann keine mehr geben.

 Hinzu kommt eine neue Bestuhlung im Speisesaal und in den Wohnbereichen; das WC im Foyer ist soeben umbaut worden. „Ab jetzt können sich dort auch Bewohner mit Rollstuhl oder Rollator dort bewegen“, freut sich der künftige Leiter.

 Was – auch – nicht selbstverständlich ist: In Kürze wird die erste Pflegedienstleiterin des Sonnenhofes als Bewohnerin einziehen. „Außerdem gibt es in der Einrichtung Mitarbeiter, die haben schon den ersten Heimleiter miterlebt – und arbeiten heute immer noch hier“, berichtet Hobein.

 Beides würde man wohl kaum tun, wenn der Betrieb wie das Betriebsklima an Stiftsmauer und Bergamtstraße nicht stimmen würden …

Termine:

  • Sonntag, 29. September, 10 Uhr, Tag der offenen Tür mit Gottesdienst, Frühschoppen (Meierhöfer Bier), Livemusik von Little Jazz und Spanferkelessen.
  • Dienstag: 1. Oktober, 17.30 Uhr, Festakt und Festessen im Stift für geladene Gäste. Dabei Übergabe der Leitung des Sonnenhofes von Werner Hobein an Tobias Schramme. tw
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