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21:36 10.08.2018
Obernkirchen

Zu diesem Wochenende passt das Werk, das die 47-Jährige geschaffen hat; „Aufbruch“ heißt es.

Der Anfang des „Aufbruchs“ liegt im November des vergangenen Jahres, als bei Meyer-Alber die Ausschreibung für das 11. Internationale Obernkirchener Bildhauer-Symposium (IOBS) eintrudelte. Sie fotografierte ein damals noch namenloses Tonmodell, schickte das Foto mit den üblichen Bewerbungsunterlagen nach Obernkirchen und wurde als eine von acht Künstlerinnen angenommen. Jetzt konnte es mit dem „Aufbruch“ so richtig losgehen.

Was Meyer-Alber in den vergangenen zwei Wochen auf dem Kirchplatz, unter der sengenden Sonne, umhüllt von Staub, bestaunt von Besuchern, geschaffen hat, ist eine organische Form. Sie erinnert an eine Pflanze, vielleicht eine Frucht. „Eine konkrete Vorlage aus der Natur gibt es dafür aber nicht“, sagt sie. Am oberen Ende prägen Rundungen das Werk, nach unten verschlankt es sich, bis zu dem „Lager“, auf dem die Einzelteile ruhen.

„Natürlich basiert die Arbeit auf dem Modell“, erklärt Meyer-Alber. „Wenn man anfangs vor dem rohen Steinblock steht, kann man erkennen, dass das Werk drinsteckt, das man im Kopf hat.“ Allerdings sieht man auch „die tausend anderen Möglichkeiten und Formen“, die in dem unbehauenen Stück Stein stecken, man dürfe sich davon nicht kirre machen lassen.

Eines der Gedichte, die Bertolt Brecht geschrieben hat, passt zu der Situation der Bildhauerin, wie sie am Montag der vergangenen Woche vor ihrem Kubikmeter Stein stand: „Ja, mach nur einen Plan! Sei ein großes Licht! Mach dann noch ’nen zweiten Plan! Gehn tun sie beide nicht.“

Hella Meyer-Alber musste ihren Plan zwar im Brecht’schen Sinne nicht komplett verwerfen, aber sie musste ihn ändern. Der Grund dafür ist für eine Bildhauerin banal: Sie muss mit dem Stein arbeiten, den man ihr hingestellt hat, sie kann nicht gegen ihn arbeiten. „Ein auf den ersten Blick starrer Felsblock kann durchaus ein überraschendes Innenleben haben“, sagt Meyer-Alber. „Meiner hat mich zum Beispiel mit ein paar weichen Stellen überrascht, vor allem dort, wo Muscheln eingeschlossen waren. Wenn man diese Stellen zu heftig bearbeitet, können sich hässliche Löcher auftun, die man kaschieren muss, indem man drumherum nacharbeitet.“ Die Göttinger Bildhauerin hat in den zwei Obernkirchen-Wochen hauptsächlich mit Knüpfel und Schlag-Eisen gearbeitet, Winkelschleifer kamen selten zum Einsatz. Meyer-Albers „Aufbruch“ spielt mit dem Gegensatz von Frucht und Schale, Kern und Hülle, letztlich geht es also um das Innen und das Außen.

Die Zeit in Obernkirchen hat Meyer-Alber genossen. „Vor allem der Austausch mit den Kollegen über Steine, Werkzeuge und Maschinen war interessant“, sagt sie. Der Symposiums-Verein hatte die Künstler erstmals nicht in Familien untergebracht, sondern zentral in der Tagungsstätte, die das jbf-Centrum seit einem Jahr im Westflügel des Stiftes unterhält. „Das hat uns sehr gefallen“, sagt die Bildhauerin, vor allem die Terrasse mit dem weiten Blick wurde abends rege genutzt.

Wie für ihre sieben Mitstreiter heißt es für Meyer-Alber jetzt: Alltag statt Obernkirchen. Seit 1990, als sie eine Lehre abschloss, hängt sie der Bildhauerei an. In ihrer Werkstatt in Bovenden fertigt sie kleinere Skulpturen, auch im Kunsthandwerk ist sie tätig, bietet auch Kurse an. Aus ihrer Obernkirchen-Zeit bleibt eine Frage offen: Was wird aus ihrem „Aufbruch“? Wer sich für Meyer-Albers Arbeit (und die ihrer Kollegen) interessiert, kann sie sich in Ruhe anschauen: Der Kirchplatz ist rund um die Uhr geöffnet. Boeker