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Obernkirchen Stadt "Erinnern, immer wieder"
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt "Erinnern, immer wieder"
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19:25 09.11.2018
An der Strullstraße stand einst die Synagoge. Auch in Obernkirchen gab es in der Nacht zum 10. November 1938 Ausschreitungen gegen jüdische Mitbürger. Auf der Gedenkveranstaltung gestern Abend begrüßte Pastor Herbert Schwiegk die Zuhörer.   Quelle: rnk
Obenrkirchen

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, vor 80 Jahren, werden im gesamten Gebiet des Deutschen Reiches jüdische Geschäfte, Wohnungen, Betstuben, Versammlungsräume und Synagogen demoliert, ausgeraubt und in Brand gesteckt. Klirrendes Glas, Feuer, Entsetzen und Angst bestimmen diese Nacht – auch in Obernkirchen.

Hunderte von Juden werden innerhalb weniger Tage ermordet oder verschleppt: Die von den Nazis gelenkten Gewaltmaßnahmen markieren den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung, die knapp drei Jahre später in den Holocaust mündete, führte Andreas Hofmann gestern Abend als Hauptredner auf der Gedenkveranstaltung aus; dort, wo einst an der Strullstraße die Synagoge stand.

Man müsse an „diese erschreckende Zeit“ erinnern, meinte Hofmann: „Ja und immer wieder ja.“ Als Mensch, als Teil einer Gesellschaft, müsse das Unfassbare stets wieder vor Augen geführt werden. „Uns muss immer wieder bewusst gemacht werden, dass die Menschheit aus der Vergangenheit nicht genügend lernt.“

Politischer und wirtschaftlicher Egoismus hätten mehrfach sogar zu einer Bekämpfung demokratischer Gesinnung geführt, so Hofmann. „Wenn Länder einen deutlichen Rechtsruck erfahren, wenn sie eine totalitäre oder sogar diktatorische Staatsführung haben, dann leiden die Menschenrechte meist unmittelbar und massiv“, erklärte Hofmann und verwies auf die entsprechende UN-Konvention. Alle Menschen seien allein aufgrund ihres Menschseins mit gleichen Rechten ausgestattet, diese Rechte seien „universell, unveräußerlich und unteilbar“.

Mit den Flüchtlingsströmen, so Hofmann, sei die Welt nicht einfacher, sondern sehr komplex geworden. Als eine Ursache benannte er das langjährige Verhalten der Industrienationen gegenüber den Agrarstaaten. „Also müssen wir die Not der Völkerbewegungen, der betroffenen Menschen verstehen und für sie eine lebenswürdige Perspektive gestalten.“

Man dürfe nicht wieder dazu kommen, hohe Mauern oder tödliche Zäune bauen zu wollen, erklärte der Gelldorfer Ortsbürgermeister. „Wir dürfen nicht nur unsere eigenen Interessen schützen.“

"Verstehen, was Ausgrenzung bedeutet"

Wolle die Menschheit langfristig Bestand haben, „dann müssen wir verstehen, was Ausgrenzung und was Abgrenzung bedeutet – und worin der hohe Wert der Demokratie und der Integration besteht.“ Man müsse sich daher die Konsequenzen des eigenen Handelns immer wieder bewusst machen, betonte Hofmann: „Deshalb müssen wir die Geschichte unseres Volkes und die Kulturen anderer Völker kennen und verstehen.“

Der Rückblick auf den 9. November 1938 und die nationalsozialistische Zeit solle stets eine Mahnung sein, insbesondere aber auch ein Baustein für die Generationen, die die Zukunft Deutschland sowie die Zukunft der Menschheit gestalten und gestalten werden, schloss Hofmann. „Und daher mahnen und erinnern auch wir Obernkirchener sowohl hier und heute als auch hoffentlich an vielen weiteren Jahrestagen dieser Pogromnacht, um zu verstehen, was geschah und welche Verpflichtung uns – jedem Einzelnen – daraus erwächst.“

rnk