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Erst kommt die Unke, dann die anderen Tiere

Obernkirchen / Großprojekt Erst kommt die Unke, dann die anderen Tiere

Rund 30 Gelbbauchunken hat Bruno Scheel vor gut 15 Jahren in den Steinbrüchen Liekwegen, der zu 90 Prozent auf Obernkirchener Gebiet liegt, und im Sandsteinbruch auf dem Bückeberg vorgefunden. Scheel hat sie fotografiert und katalogisiert. Und hätte man ihm damals prophezeit, dass es einmal Mittel vom Bundesamt für Naturschutz für die Gelbbauchunke geben wird, dann hätte Schaumburgs coolster Naturschützer, wie er einmal von Nabu-Chefin Petra Sittig bezeichnet wurde, dies sicherlich nicht geglaubt.

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Nur an zwei Standorten in Deutschland wächst die Zahl der Gelbbauchunken, beide liegen im Landkreis Schaumburg.

Quelle: pr.

Obernkirchen (rnk).  Und doch fährt der Naturschutzbund Niedersachsen die Ernte für eine Saat ein, die auf dem Bückeberg und im Steinbruch Liekwegen gelegt wurde, wo sich Bruno Scheel und Holger Buschmann vor Jahren erstmals für die Gelbbauchunke und ihren Lebensraum interessierten. Als erster Schritt wurde der Steinbruch nach der Stilllegung eben nicht einer Kultivierung zugeführt, danach folgten Sofortmaßnahmen zur Rettung der Unken, anschließend kaufte der Landkreis den Steinbruch auf und wies ihn als Naturschutzgebiet aus.

 Jetzt erhält der Nabu Niedersachsen 3,2 Millionen Euro als Projektträger, um den Bestand der Gelbbauchunke in den Bundesländern zu steigern. Insgesamt werden in acht Projektregionen, verteilt über fünf Bundesländer, rund 112 Projektgebiete bis 2018 in den Größen von einem bis 140 Hektar mit konkreten Maßnahmen bedacht – vom nördlichen Weserbergland über das Bergische Land, die Voreifel, das nördliche Rheinland, Vogelsberg bis zur nördlichen Lahn zur Bergstraße, zum Odenwald und Oberrhein.

 Denn die Gelbbauchunke, so ordnet der heutige Landesvorsitzende des Nabu Niedersachsen Buschmann das Tier ein, ziehe viele Arten auf sich. Soll heißen: Dort, wo die Gelbbauchunke ist, dort folgen andere Tiere. Was an den vielfältigen Ansprüchen liege, die die Unke an ihren Lebensraum stelle: In Waldnähe müsse er sein, mit kleinen Pfützen und großen Teichen, ein offener Bereich müsse dabei sein – und diese Komplexität der Natur, so sagt es Buschmann, die gibt es heute vielfach nicht mehr, darunter leiden Gelbbauchunken und andere Arten gleichermaßen: „Es fehlen die dynamischen Lebensräume.“

 Das soll das sechsjährige Projekt ändern, „ein Erfolg der hartnäckigen Lobbyarbeit“, wie Buschmann erklärt. Der Nabu als Projektträger werde dabei mit biologischen Stationen, Rohstoffabbaufirmen, dem Militär oder den Fachbehörden zusammenarbeiten, erklärt Buschmann. Geplant seien Maßnahmen wie die Anlage von Rohboden, die Renaturierung von Auen, genetische Untersuchungen und die Einrichtung eines Fonds für künftige Pflegemaßnahmen, Wiederansiedlungen und genetische Untersuchungen; bei dem Projekt arbeite der Nabu gleich mit mehreren deutschen Universitäten zusammen. Denn die Population der Gelbbauchunke sinkt in ganz Deutschland, es gibt nur zwei Ausnahmen: Liekwegen und auf dem Bückeberg. Dort ist die Population von rund 30 Tieren auf über 1000 Unken gestiegen. Das hat seinen Grund, denn dort werden und wurden von Scheel und Buschmann nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum Rohbodengewässer und temporäre Gewässer angelegt, die den Gelbbauchunken ideale Bedingungen boten: erstens ein vegetationsfreier Bereich, zweitens ein Gewässer, das auch mal austrocknet. Heute, so erklärt Bruno Scheel, würden ganz konsequent Gewässer zugeschüttet, in denen man der Vegetation nicht mehr Herr werde – mit dem Aushub für ein anderes Gewässer.

 Zwar ist die Gelbbauchunke im mittleren und südlichen Deutschland noch weit verbreitet, aber sie wird nach Norden seltener, die Populationen im Landkreis sind die weltweit nördlichsten. Dass der Nabu Niedersachsen Projektträger wurde, ist für Buschmann nachvollziehbar: „Wir wissen gut Bescheid, wenn es darum geht, die Populationen zu vernetzen.“ Und die Ansprüche dieser Vernetzung sind durchaus anspruchsvoll: Innerhalb der Projektregionen liegt die weiteste Strecke, die vernetzt werden soll, bei 17 Kilometern.

 Aktuell wurde in Zusammenarbeit mit Andreas Brandt von der Klosterrevierförsterei Auhagen eine Rohbodenfläche mit rund 15 Kleingewässern erstellt. Die entsprechenden Vorarbeiten wurden von der Klosterforst erbracht. Neben der Kreisforst ist die Klosterforst ein wichtiger Partner, wenn es darum geht, die Gelbbauchunken-Population auf dem Bückeberg zu stärken, so Bruno Scheel, der vor einiger Zeit schon mit Buschmann gemeinsam die Rahmenbedingungen festlegte: Für eine rasche Besiedlung durch Gelbbauchunken sollte die Entfernung zu einem bestehenden Gelbbauchunkenvorkommen nicht mehr als etwa 150 Meter betragen. Betriebsareale, Deponien oder Lagerflächen haben oft ein hohes Entwicklungspotenzial für temporäre Gewässer. In vielen Fällen lassen sich hier Kleingewässer ohne erheblichen Aufwand im Rahmen des normalen Betriebsablaufs schaffen, denn Gelbbauchunken nutzen häufig Radspurtümpel auf Forst- und Feldwegen oder randliche Entwässerungsmulden. In wichtigen Habitaten ist daher auf die Befestigung von Wegen zu verzichten. Auch im Rahmen von Wegsanierungen sollten Radspurtümpel gezielt belassen werden. Erkenntnisse, die mittlerweile Naturschützer in ganz Europa nutzen.

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