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Es fehlt Fachpersonal

Obernkirchen / Inklusion Es fehlt Fachpersonal

Die Grundschule hat die Herausforderung, im Zuge der Inklusion Kinder mit dem Förderbedarf „Körperliche und motorische Entwicklung“ am Kammweg aufzunehmen, gut im Griff – zumindest baulich.

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Rektor Arnulf Buch, „Hirte“ der Grundschule am Kammweg, hat für seine Schäfchen alles getan. Dass im Zuge der Inklusion Fachkräfte für die Betreuung Behinderter fehlen – dafür kann auch er nichts.

Quelle: tw

Obernkirchen. Soll heißen: so weit es in ihrer Macht steht. Doch das bauliche ist das vergleichsweise kleinere von zwei Problemen. Das andere – größere – ist das auch am Kammweg in Obernkirchen fehlende Fachpersonal. Folge: Wenn Kinder mit dem obigen Handicap an der Grundschule unterrichtet werden sollen, droht Schlimmes.

 Das ist jetzt bei der jüngsten Zusammenkunft der Bildungs- und Kulturpolitiker deutlich geworden, die sich unter Regie von Beate Krantz im Rathaus getroffen und zunächst einen Sachstandsbericht von Rektor Arnulf Buch gehört haben.

Die gute Nachricht: Da die Grundschule am Kammweg erst 1980 errichtet und beim Bau schon behindertengerecht konzipiert wurde, stellt Buchs Inklusions-Schwerpunkt die zweigeschossige Einrichtung nicht vor unlösbare Probleme. „Räume, die oben sind, befinden sich im gleichen Zuschnitt auch unten“, sagt der Rektor. Behinderten-Toiletten sind ebenso da, es geht nur darum, diese auf den neuesten Stand zu bringen. Dazu kommt, dass der Neigungswinkel der Rampe zur Sporthalle an die Bedürfnisse von Kindern mit Handicap angepasst werden muss.

 „Beides“, so der Schulleiter, „ist bereits im Gang.“ Ergänzt werden kann das Maßnahmenpaket noch um eine Lösung, die einen behindertengerechten Zugang zur Bühne im Forum ermöglicht – „etwa in Gestalt eines Treppenlifters“, wie der Rektor sagt. Er soll aber nur bei Bedarf nachgerüstet werden: „Das geht dann schnell.“ Der teure Bau von einem die Geschosse verbindenden Aufzug oder gar von Aufzügen steht dagegen nicht auf der Agenda.

 Die Klientel dafür gibt es bislang am Kammweg nämlich noch nicht. „Mir ist derzeit auch nicht bekannt, ob wir kommendes Schuljahr ein Kind mit dem Förderbedarf ,Körperliche und motorische Entwicklung‘ haben werden“, so Buch.

 Was die Grundschule Heeßen in der Samtgemeinde Eilsen betrifft, mit der die Bergstadt bei der Inklusion zusammenarbeitet, so ist dort auch erst „im überschaubaren Rahmen investiert worden“, wie Bürgermeister Oliver Schäfer berichtet. Anders an der Grundschule im Petzer Feld (Bückeburg), die ebenfalls mit Eilsen kooperiert; dort ist der Obernkirchener Interimschef. „Dort“, berichtet Buch, „hat die Stadt aufwendig investiert.“ So gibt es Bewegungsmelder für das automatische Öffnen der Türen im Eingangsbereich und zum Verwaltungstrakt sowie einen Aufzug. Da die Zugänge als Ganzes (Beispiel: Parkplatz) aber noch nicht behindertengerecht seien, seien diese Maßnahmen „nicht zielführend“.

 Zurück zur Grundschule am Kammweg: Die habe zwar noch keine Kinder mit dem Förderbedarf „Körperliche und motorische Entwicklung“, wohl aber vier Schüler, die Schwierigkeiten in der emotionalen/sozialen Entwicklung haben und von einer Handvoll Schulbegleitern umsorgt werden. Das sei „ein Problem für sich.“

 Wie offenbar überhaupt die Personalfrage mit Blick auf die Inklusion an den Schulen das eigentliche Problem ist. Das sagt außer Buch auch Waltraut Denocke. „Für die Kinder mit einer Behinderung, die jetzt in die Schulen kommen, ist nichts organisiert“, klagt die Leiterin des benachbarten Kindergartens am Kammweg, der selbst über zwei Integrationsgruppen verfügt. Besagte Kinder nämlich kämen aus einer kleinen, behüteten Gruppe mit nur 16 Steppkes, drei Betreuern sowie Hilfen im Bereich Ergo-, Sprachtherapie und Heilpädagogik in größere Klassen, in denen weder der Schulbegleiter noch die Lehrerin mit ihrem Krankheitsbild vertraut seien.

 Kurz: „Sie bekommen nicht die Unterstützung, die sie brauchen“, so Denocke. Am Ende sei der Erfolg von drei Jahren Kindergartenarbeit dahin – und das nur, weil die Landespolitiker die Inklusion nicht zu Ende gedacht hätten. „Das“, sagt die Leiterin, „ist unglaublich bitter: Da helfen dann weder eine Rampe noch ein Lärmschutzraum.“

 Zur Erinnerung: Anfang Mai 2013 hatten Bergstadt-Bürgermeister Oliver Schäfer und sein Eilser Kollege Bernd Schönemann im Rathaus der Samtgemeinde den Kooperationsvertrag zur „Inklusion“ unterschrieben. Ziel des Kontraktes: Die Stadt mit Weitblick verpflichtet sich, Kinder mit dem Förderbedarf „Körperliche und motorische Entwicklung“ aus der Samtgemeinde ab Beginn des Schuljahres 2013/2014 in der Grundschule Obernkirchen zu beschulen. Im Gegenzug verpflichtet sich Eilsen, ebenfalls ab dem Schuljahr 2013/2014 Kinder mit dem Förderbedarf „Hören“ aus Obernkirchen in der Grundschule Heeßen zu beschulen.

 Damit bilden die beiden Schaumburger Kommunen ab dem 7. August inklusive Schwerpunktschulen, die allen Schülern einen barrierefreien und gleichberechtigten Zugang möglich machen sollen.

„Inklusion ist richtig und wichtig“ – an dieser Aussage ließen weder Schäfer noch Schönemann damals einen Zweifel, und auch die sie begleitenden Schulleiter Arnulf Buch und Joachim Preuß standen und stehen ohne Wenn und Aber dahinter. Doch die Rathauschefs machten keinen Hehl daraus, dass sie sich in der Praxis vom Land Niedersachsen überfahren und allein gelassen sehen. „Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen“, kommentierte Schönemann. Doch auf den Kosten für die Einrichtung als Schwerpunktschule „Hören“ bleibe seine Samtgemeinde ebenso sitzen wie die Bergstadt auf den ihren für die Einrichtung als Schwerpunktschule „Körperliche und motorische Entwicklung“. Die Landesregierung müsse deshalb dringend nachbessern.

 Eine Meinung, mit der die Bürgermeister nicht alleine sind. „Die da oben denken – und die da unten haben zu tun“ hatte Krantz weiland im Fachausschuss ihr Missfallen an der Realisierung ausgedrückt.  tw

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