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Film im Kopf

Obernkirchen Film im Kopf

Mitten in der Nacht sind die Sandsteinbrüche ein stiller Ort. Kaum mal ein Mucks, nur selten ein Geräusch, zu abgelegen ist die Straße, die am jbf-Centrum vorbeiführt, abzweigt und dann noch einmal Hunderte Meter ins Nichts zu führen scheint.

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Obernkirchen, Klappe, die erste: Die Dreharbeiten starten, rechts ist Carly Schrader zu sehen.mig

Obernkirchen. Der Wald steht schwarz und schweiget – die großen Steinblöcke liegen, als hätte dort ein Riese gespielt. Dann endlich, ein Licht, Stimmengewirr. Im hinteren Bereich des weitläufigen Geländes tut sich was. Ein Mann mit einer Kamera auf der Schulter hetzt zu einem silbernen Wohnwagen, ein Generator des THW Bückeburg schnurrt leise vor sich hin. Die ehrenamtlichen Helfer liefern Strom, von dem hier draußen alles abhängt. „Ohne das THW könnten wir gleich wieder einpacken“, meint ein Student, der Kabel entwirrt. Mittendrin im Gewusel: Carly Schrader, die von sich sagt: „Ich habe in meinen Leben nichts anderes vor, als irgendwann zu sterben und davor möglichst viele Filme zu machen.“ Oder: „Ein erfolgreich abgeschlossener Film stachelt mich sofort an, den nächsten zu starten.“

 „Let’s make for the Hills“ heißt der Film, den die junge Regisseurin in Obernkirchen abgedreht hat (Produzent ist: Christopher Ramm). Finanziert wurde ihr „Erster“ unter anderem durch eine Kampagne auf der Internet-Plattform „Startnext“. „Crowdfunding“ nennt sich das Konzept, das auf einer Schwarmfinanzierung gründet. „Da haben wir viel Resonanz bekommen. Die große Unterstützung hat uns alle sehr motiviert“, meint Schrader. Crowdfunding werde immer wichtiger, „gerade für junge Regisseure, die kaum jemand kennt“. Und was haben die Geber davon? Zum einen haben sie einen innovativen Film unterstützt, zum anderen gab’s kleine Vergünstigungen (für 75 Euro eine Erwähnung im Abspann, ein Filmplakat und eine DVD, für 350 Euro ein Abendessen mit der Regisseurin und der Hauptdarstellerin). Und für 1,70? Bekam der Beleuchter eine Frikadelle. „Ihr rettet ihm die nächsten sieben Stunden“, heißt es dazu im Netz. Ohne das Geld wäre der Dreh vermutlich schwierig geworden. „Da unser Team aus vier Städten anreisen muss, sind allein schon die Kosten für die Anreise ziemlich hoch“, so Schrader. „Wir haben ohnehin schon sehr knapp kalkuliert, das Crowdfunding hat uns da mehr Möglichkeiten gegeben“, fasst Schrader ihre Erfahrungen zusammen. Ohne „Startnext“ hätte der Film möglicherweise nicht fertiggestellt werden.

 Die Handlung selbst ist schnell erzählt, da sie mit der Realität vor Ort in vielen Punkten übereinstimmt. Es gibt eine Filmcrew, die in einem entlegenen Steinbruch lagert. Ein Generator brummt, die Scheinwerfer stehen bereit, eigentlich kann es losgehen. Aber nichts passiert. Keine erste Klappe, kein Anfang. Denn Regisseurin Jada hat ein Problem. Ständig wird sie von Visionen unterbrochen, die sie sofort niederschreiben muss. Ihr Wohnwagen ist voll mit Zeichnungen und Drehbuchentwürfen, überall liegen Papierstapel und unfertige Storyboards.

 Jada hat immer neue Ideen, sie ringt mit Film und Wirklichkeit, mit dem Chaos und dem Wahn, alles perfekt machen zu müssen. „Sie hat so viele Ideen, dass sie einfach nicht weiterkommt“, sagt Schrader am Rande des Sets. „Sie hat Angst, anzufangen und so etwas zu zerstören.“ Das kann nicht lange gut gehen. Jada zerstört den Dreh und letztlich auch sich selbst. Der Steinbruch zu einer Metapher für dieses Ideen-Chaos. Eigentlich aber reicht der Film noch tiefer, ist ein Spiel mit diversen Realitäten. „Wir drehen in einem Steinbruch, das ist wahr, aber ist das auch die Wirklichkeit?“, führt Schrader aus.

 Was ist Film, was Wirklichkeit und überschneiden sich beide? Und inwieweit kann Film die Realität einfangen. Oder anders gesagt: „Spielt der Oberbeleuchter den Oberbeleuchter? Ist das Drehbuch im Film das echte Drehbuch? Haben wir zwei Drehbücher?“

 Der Film „Let’s make for the Hills“ ist unter dem Dach der Universität Hildesheim entstanden und führt vier Städte, sieben Unis und rund 30 Studenten aus ganz Deutschland zusammen. „So eine Art der Zusammenarbeit ist noch viel zu selten. Das wollen wir mit unserem Projekt ändern“, sagt Schrader Gerade im Bereich Film seien Kooperation sehr wichtig, „einer kann das, der andere das, außerdem ist der Aufwand für einen Film riesig.“

 Carly Schrader selbst hat übrigens keine Angst vor ihrem ersten Film gehabt. „Im Gegenteil, ich hatte unglaublich viel Lust, endlich anzufangen. Und auch die Hürden und Probleme, die sich bei der Umsetzung zeigen werden, möchten ich nicht missen.“ Kino- und filmbegeistert sei sie schon immer gewesen, sagt Schrader. „Es gibt für mich keinen schöneren Ort, als einen rot eingerichteten Kinosaal, mit einem guten Film und warmem Popcorn. Ich möchte mit meinen Filmen Menschen ein aufregendes Erlebnis bescheren.“

 Den Film selbst bezeichnet Schrader als eine Suche. „Wwir möchten herausfinden, was für einem Film wir am Ende begegnen werden.“ Für die Zukunft, verspricht Schrader, sei noch einiges zu erwarten. „Ich habe schon wieder den nächsten Film im Kopf.“ Und wie ist Schrader auf die Sandsteinbrüche in Obernkirchen als Drehort gekommen? „Durch eine Recherche im Internet. Wir haben Fotos gesehen und waren sofort davon überzeugt, dass wir den Film hier drehen müssen.“

 Das Licht sei toll, „dazu die riesigen Blöcke, das ist einmalig“. Aufregend und absolut sehenswert ist der Kurzfilm allemal, beispielsweise wenn der Steinbruch (als Metapher für das Ringen zwischen Struktur und Chaos) in roten und schwach violetten Farben illuminiert wird. Die Steine leuchten wie glühende Lava und es erscheint ein dämonenhafter Mann – Jadas Visionen nehmen in Carlys Film-Film Gestalt an.

 Einen herzlichen Dank richtete die Regisseurin an den THW-Ortsverband Bückeburg, der im Steinbruch unter anderem für die nötige Beleuchtung sorgte. Vier Nächte lang schlugen sich die THWler um die Ohren, unentgeltlich wohlgemerkt (bis auf die Kosten fürs Benzin). „Ohne das THW hätten wir den Film so nicht machen können. Wir haben hier viel Hilfe erfahren.“

 Der Film wird ab sofort gezeigt – leider ausschließlich in der Uni Hildesheim. Bei Youtube sind aber Trailer von den Dreharbeiten zu sehen:

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