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„Freifunk“: Internet für alle

wWite Teile des Stadtkerns abgedeckt „Freifunk“: Internet für alle

Fast jeden Abend sitzen zwei junge, dick eingemummelte Portugiesen auf der Bank vor der Stadtbücherei. Die Winterkälte nehmen sie in Kauf, wenn es nur nicht regnet – auf den Knien balancieren sie nämlich Laptops.

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Freifunk deckt weite Teile des Stadtkerns ab – das leisten die vier Router, die Anlieger inzwischen in der Innenstadt installiert haben.

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Obernkirchen. Die hell erleuchteten Bildschirme strahlen ihre Gesichter an, von fern sieht es ein bisschen aus, als säßen Außerirdische auf dem Obernkirchener Marktplatz.

 Die jungen Männer sind allerdings sehr von dieser Welt: Sie helfen mit, in der Vehlener Feldmark ein Klinikum in die Höhe zu ziehen. Wenn ihre Schicht zu Ende ist, hocken sie sich auf die Bücherei-Bank und surfen im Internet nach Hause. Dass die Portugiesen mitten auf dem Marktplatz problemlos ins Internet kommen, verdanken sie einer Technik namens „Freifunk“.

 Freifunk ist eine Initiative von Bürgern für Bürger, Geld verdient an dem Service also niemand. Das Ziel lautet, in Dörfern oder Städten freie Funknetze aufzubauen. „Frei“ meint: Die Netzwerke werden nicht von einem kommerziellen Anbieter angelegt und betrieben. Freifunk will den Weg ins Internet freimachen – für jeden und überall. Die Bewegung hat inzwischen in ganz Deutschland Netze geknüpft.

 Insgesamt vier Router

 In Obernkirchen gibt es Freifunk seit einigen Monaten. Ulrich Irzik, der sich seit Langem mit digitaler Technik beschäftigt, hat von dem Obernkirchener Neubürger Horst Siegmann das Stichwort „Freifunk“ aufgeschnappt und einfach mal ein bisschen im Internet recherchiert. „Mir hat die Idee hinter diesem Projekt sofort eingeleuchtet“, sagt Irzik.

 Das ging auch anderen so: Obwohl sich bislang nur Insider mit dem Thema beschäftigt haben, deckt Freifunk weite Teile des Stadtkerns ab (siehe Karte). „Das leisten die vier Router, die Anlieger inzwischen in der Innenstadt installiert haben“, erzählt Horst Siegmann, der den Anstoß zu dem Projekt gegeben hat.

 Router? Spätestens jetzt sollte man ein bisschen tiefer in die Materie eindringen: Wie also geht Freifunk?

 Ein bisschen Bandbreite von seinem WLAN-Netz spendiert Irzik, der am Markt wohnt. Wer bei der Ausbreitung des Bürger-Netzes helfen will, kauft einen Router (16 Euro) und stellt ihn zu Hause auf. Eine spezielle Software verknüpft diese Router zu einem Funknetz. Wer den Router bei den Obernkirchener Freifunkern kauft, findet die Software bereits auf dem Gerät.

 Freifunk-Initiativen können vielerorts auf Unterstützung durch die Städte setzen. Nur eines von vielen Beispielen: In Rheda-Wiedenbrück verteilen die Stadtwerke die Router kostenlos. Irzik hat vorgefühlt, ob die Obernkirchener Stadtverwaltung auch einen Router im zentral gelegenen Rathaus aufstellen will. Die Antwort steht noch aus. Der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund jedenfalls zählt auch zu den Freifunk-Fans. „Wir begrüßen derartige Initiativen, weil sie die Gemeinschaft der Bürger stärken“, heißt es auf Anfrage dieser Zeitung.

 Ein nerviges juristisches Problem

 Ein nerviges Problem steht dem endgültigen Durchbruch des Freifunks jedoch noch im Weg. Auf sehr einfache Weise erklärt: Juristisch ist es in Deutschland so, dass nicht derjenige für seine Handlungen haftbar gemacht wird, der im Netz surft, sondern der, der den WLAN-Zugang zur Verfügung stellt. Um diese unsinnige Hürde zu umgehen, leiten deutsche Freifunker die Daten über Holland oder Schweden, wo es die „Störerhaftung“ so nicht gibt. Demnächst dürfte sich das Problem aber ohnehin erledigen, weil die Bundesregierung die Rechtslage ändern will. Auch die Politik hat nämlich erkannt, welche Chancen digitale Netze eröffnen – gerade in Städten wie Obernkirchen, die vom Strukturwandel gebeutelt werden.

 Informationen über das Obernkirchener Freifunk-Netz bei Ulrich Irzik (ulrich@irzik.de) und auf der Facebook-Seite von Freifunk Obernkirchen.

 Allgemeine Informationen über Theorie und Praxis unter www.freifunk.net. ab

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