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„Friedhofsruhe brauchen wir nicht“

Willkommen im Südsudan „Friedhofsruhe brauchen wir nicht“

Ein geordneter Schulunterricht ist nicht möglich, dreimal täglich würden die Schüler in die Gräben springen, in die Fuchslöcher, weil in den Nuba-Bergen die Splitterbomber drohen: „So wachsen sie auf“, sagt Pater Stephan Senge. Willkommen im Südsudan, willkommen in einem Land, in dem ein Bürgerkrieg tobt.

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Pater Stephan Senge.

Quelle: rnk

Obernkirchen. Geboren wurde er als Stephan Reimund Senge 1934 in Hannover und trat 1958 in die Zisterzienserabtei Himmerod ein, 1964 wurde er zum Priester geweiht. 1997 gründete Pater Stephan die Initiative Sudan/Südsudan, die sich zunächst auf Hilfe für das fast vergessene Volk der im Zentralsudan ansässigen Nuba inmitten der Bürgerkriegswirren konzentrierte. Mittlerweile unterhält die Initiative drei Projekte an unterschiedlichen Standorten im südlichen Sudan.

Tausende Tote

Es ist ein weiterer Bürgerkrieg, der seit der Unabhängigkeit 2011 zwischen dem Sudan und dem Südsudan herrscht, sagt Pater Stephan: „Es ist schlimm.“ Dinka kämpfen gegen die Nuer, nachdem sie 40 Jahre gemeinsam gegen die Araber gekämpft hätten, die Zahl der Toten gehe in die Tausende. „Es geht um Macht, es geht um Bodenschätze“, sagt der Pater. Und gekämpft wird mit Waffen, die auch aus Deutschland kommen. Laut Human Rights Watch wurden mindestens im Februar und März 2015 Streubomben in zivilen Gebieten eingesetzt. „Es ist die Hölle“, sagt Pater Stephan.

Aber: „Es gibt Schüler hier und dort“, und mit hier ist wiederum Deutschland gemeint, denn der Priester setzt sich für Kommunikation ein: Er geht in Deutschland in die Schulen, erzählt vom Südsudan, von den Menschen dort, den Kindern, der Jugend, er zeigt Bilder, und er bittet darum, dass man einander schreibt, von einem Schüler zum anderen. „Wir legen Wert auf Kommunikation“, erklärt er eine halbe Stunde vor seiner Lesung in der Stiftskirche, bei der er um Spenden für sein Südsudan-Projekt bittet. Wenn es gut läuft, wird an einer deutschen Schule ein Tag lang gesammelt oder gearbeitet. Der Erlös wird dann an sein Projekt weitergeleitet.

Nur wenige studieren

Allein 60 bis 70 Schüler, erklärt der Pater, würden im Rahmen seines Projektes betreut, die kein Zuhause hätten, die im Internat leben würden. Einige würden später studieren. Jungen und Mädchen werden gemeinsam unterrichtet, aber nach der vierten oder fünften Klasse sinke der Anteil der Mädchen. Verlobung, Heirat, Arbeit – „nur wenige halten durch und studieren“. Im Südsudan sind Kinderehen weit verbreitet, fast die Hälfte aller südsudanesischen Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren sind verheiratet. Zugang zur Bildung ist der Schlüssel für die Jugend, „und deshalb habe ich mein Sudanprojekt auch gegründet“.

Hilfe zur Selbsthilfe ist das Prinzip seiner Arbeit: Den Menschen im Sudan werden keine Almosen geschenkt, sondern Bildung angeboten, um so ihre natürlichen Potenziale zu fördern. Denn Bildung sei die nachhaltigste Investition in Menschen und die unerlässliche Grundlage für die Entwicklung des einzelnen, seiner Gemeinschaft und seines Landes, erklärt Pater Stephan.

Lyrik und Prosakunst

Er gehe bettelnd durch das Land, hatte er bei seinem vorigen Besuch der Bergstadt lachend erklärt, und fast zehn Jahre später hat sich für den 82-Jährigen nichts geändert. Mit der Pünktlichkeit eines Schweizer Uhrwerks schreibt er zudem Jahr für Jahr ein Buch, längst ist er ein bedeutender Lyrik- und Prosadichter. „Das ist ja auch eine Form der Begabung.“ Er mischt sich ein: „Friedhofsruhe brauchen wir nicht.“ Jeder Mensch könne handeln, gestalten, sich einbringen.

Der Südsudan hat viele Gesichter, schreibt er auf seiner Internet-Seite: „Und sie gehören Menschen, die der wahre Reichtum ihres Landes sind. In Jahrzehnten, die von Bürgerkrieg, politischer Unterdrückung und religiöser Verfolgung geprägt waren, haben sich diese Menschen ihre Hoffnung auf ein besseres Leben in einer friedlichen Zukunft bewahrt.“ rnk

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