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Für Herrchen ist der Hund ein sozialer Partner

Obernkirchen / Tiere Für Herrchen ist der Hund ein sozialer Partner

Nach den ersten Lehrgängen hat er sich bei Freunden und Bekannten erst einmal deren Hunde geliehen: um praktisch auszuprobieren, was er theoretisch gelernt hat. Das funktionierte gut, das verschaffte Sicherheit, und Spaß machte es auch noch.

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Marc Holtmann mit seinen drei Hunden im Training. © rnk

Obernkirchen (rnk). Denn als sich Marc Holtmann im Herbst letzten Jahres entschloss, eine Hundeschule zu eröffnen und zuvor die notwendigen Schulungen zu durchlaufen, da stand für ihn eines fest: Er wollte seinen Kunden Qualität, also fachlich fundierte Leistung anbieten und gut sozialisierte, liebenswürdige und folgsame Hunde aus seiner Obhut entlassen, statt einfach nur möglichst viele Hunde samt Halter nett und verbindlich durch seine Schule schleusen.

Holtmann hat lange nach einem anderen Weg gesucht, schließlich hat sich der Halter dreier Hunde manchmal doch gewundert, nach welchen Konzepten in anderen Hundeschulen gearbeitet wurde, die er mit seinen Vierbeiner durchlief. „Es lief fast alles über die klassische Konditionierung, also 200-mal mit lauter Stimme ein Kommando geben – und hoffen, dass der Hund es auch abspeichert.“

Dieses Erziehen von oben herab, dieses Verhältnis von Boss und Untergebenen, von Herr und Hund, vom Alphatier und Mitläufern – „das funktioniert ja. „Aber der Hund hat wenig Motivation, dieses auch außerhalb des Hundeplatzes umzusetzen“, sagt Holtmann. Er setzt auf Teamarbeit, ähnlich wie bei den Wölfen, wenn sie gemeinsam auf Jagd gehen. Klare Körpersignale und der Teampartner weiß, was von ihm erwartet wird.

Gemeinschaft suche der Wolf allerdings nur bei der Jagd – weil dieses dann einfacher sei. Der Hund ist kein Rudeltier, weil auch der Wolf, von dem er abstamme, keineswegs ein Teamspieler sei, wie immer wieder behauptet wird, sagt Holtmann: „Der ursprüngliche Wolf begattet und geht – das hat mit Familie nichts zu tun.“

Seinen anderen Weg hat Holtmann dann bei Anton Fichtlmeier gefunden, einem Trainer, der den Weg der Kommunikation geht (und dabei ein Netzwerk von ausgewählten, kompetenten Partner in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausbauen möchte). Der Hund, so die Kernbotschaft, ist ein sozialer Partner, dessen Sein erkannt und respektiert wird, Herr und Hund pflegen ein Verhältnis, das sich so liest: Kommunizieren statt Konditionieren. Holtmann zeigt, was damit gemeint ist. Er steht auf und geht dann in kurzen Tippelschritten und bleibt stehen: „Dann guckt der Hund und bleibt ebenfalls stehen.“

Und natürlich guckt er auch, was Herrchen denn jetzt macht: Ziel erreicht, sagt Holtmann, „denn angucken und auf Bestätigung warten ist mit das Wichtigste.“ Er spricht von einer nonverbalen Kommunikationsebene, auf der er mit seinem Hund spricht – und die muss möglichst einfach gehalten werden.

Und natürlich ist Hund nicht gleich Hund, jede Rasse ist anders, und in der Rasse ist auch jedes einzelnes Tier ein Individuum. Jeder Hund, der einer Gebrauchshunderasse angehört, wurde für einen bestimmten Gebrauch durch jahrzehntelange Zuchtauswahl selektiert. (Und um einschätzen zu können, welche Probleme mit der Erziehung aufgrund einer Rasse zu erwarten sind, ist es von besonderer Wichtigkeit, sich bereits vor der Anschaffung eines Hundes gut über seine rassespezifischen Eigenschaften zu informieren.) Ein Bordercollie, ein Weimaraner oder ein Windhund, erklärt Holtmann, laufen viel, „mit denen können Sie vier Stunden spazieren gehen, dann sagen die, jetzt sind wir wach – und was nun?“

Holtmann nimmt ein anderes Beispiel, um zu erklären, was er mit seiner Hundeschule erreichen möchte: „In meiner Schule gibt es eine siebenjährige Schäferhündin, sehr aufbrausend, mit viel Feuer. Wenn sie was interessiert, dann will sie dahin. Aber bevor sie das darf, muss sie erst Blickkontakt aufnehmen und Ruhe bewahren, dann darf sie mit mir (oder Herrchen) dorthin.“ Würde das auch in Feld und Flur funktionieren, wenn der Hund ein Reh sieht? Oder einen Hasen? Bei Wildsichtung ebenso, sagt Holtmann, nur, dass der Hund dann für sein Anzeigen bestätigt wird und nicht hinterher hetzen darf.

„Kommen Sie“, sagt Holtmann, „wir gehen mal raus.“ Er nimmt einen Dummy mit und wirft ihn weit weg. Das Interesse seiner Hündin ist mit den Händen zu greifen, gespannt schaut sie zum Dummy. „Jetzt“, sagt Holtmann und die Hündin rennt los. Soll heißen? „Sie können einen Hund nicht abtrainieren, dass er einem Reh oder Hasen hinterherrennen will, aber Sie können ihm beibringen, dass er vorher drüber nachdenkt, verharrt, Blickkontakt aufnimmt und auf ein Signal vom Hundeführer wartet.“

Damit der Hund keinen Frust aufbaut, ist es wichtig, Alternativen für den Hund zu schaffen; diese können ganz unterschiedlich sein, der eine mag das Apportieren, der andere wiederum liebt es, jemanden zu suchen und zu finden.
Hundetrainer, sagt er, darf sich jeder nennen, das ist schließlich kein klassischer Ausbildungsberuf, „leider“, aber in zwei Jahren möchte er so weit sein, dass er eine zertifizierte Fichtlmeier-Hundeschule ist. „Dann dürfte ich in seinem Namen Hunde ausbilden.“

Holtmann erklärt beim Abschied, dass er mit Zehner-Karten und nicht mit Monats-Abos arbeitet: „Wenn Sie mal nicht können, kommen Sie eben später wieder.“ Und: „Wer schon sechsmal da war, um ein Beispiel zu nennen, der fängt beim siebten Mal nicht wieder von vorne an, nur weil jetzt zwei Neue da sind.“
Und, auch darauf ist er ein bisschen Stolz, „es gibt natürlich auch Hausaufgaben, die beim nächsten Mal kontrolliert werden.“ Zusätzlich zur „Grundausbildung“ werden auch noch Beschäftigungsstunden angeboten.

Dazu gehören neben Fährten- und Schlepparbeit, auch das Apportieren und Man-Trailing, also die Personensuche.

Was auffällt: Für Kinder und Jugendliche, deren Eltern einen Kurs besuchen, gibt es Freistunden, kostenlosen Unterricht. Warum? Ist Marc Holtmann ein Wohltäter? „Nein“, sagt er, „aber die Kinder sollten auch so mit dem Hund umgehen, wie ihre Eltern es gelernt haben. Alles andere wäre wenig hilfreich, es wäre eigentlich sogar nutzlos.“

• Information zu Trainingszeiten gibt es unter (0172) 5 450 392.

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