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Obernkirchen / Bürgerschützen

Fußlahme Pelikane und australische Vorbilder


Erneut haben die Bürgerschützen Obernkirchen, einer kleinen Tradition folgend, mit ihrem alljährlich am ersten Freitag im Februar ausgerichteten „Grünkohlessen“ voll ins Schwarze getroffen.
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Wer gut isst, der will auch ein gutes Bier. Und das stammt natürlich aus der Region.

© Michael Werk

Obernkirchen (wk). Fast alles, was in der ehemaligen Bergbaustadt und dem näheren Umland Rang und Namen hat, war bei der ausschließlich den „Herren der Schöpfung“ vorbehaltenen Feier in der Liethhalle vertreten: Angefangen von Unternehmern aus Handel und Handwerk über Entscheidungsträger aus dem Bankensektor und anderen Wirtschaftsinstitutionen bis hin zu Vertretern des Vereinslebens und aus Verwaltungen beziehungsweise der lokalen Politik – nur um einige Gruppen zu nennen. Unterm Strich summierte sich die Anzahl der Gäste, zu denen aber auch viele „normale“ Bürger gehörten, auf insgesamt 608 Personen. Eine Zahl, die nach Auskunft von Klaus Scholz, dem Stadtkommandanten der Bürgerschützen, einen neuen Teilnehmerrekord bedeutete und wegen der im Vorfeld der Feier sogar noch die Empore eingedeckt worden war, um allen Besuchern einen Sitzplatz anbieten zu können:

 „Eine Steigerung ist auch bei uns bald nicht mehr möglich, da unsere ehrwürdige Liethhalle an ihre Kapazitätsgrenze stößt“, resümierte er stolz. Und mit diesmal 608 Teilnehmern sei die Veranstaltung mittlerweile das „größte Grünkohlessen im Landkreis Schaumburg“ sowie – bezogen auf Obernkirchen – das zweitgrößte Event nach dem Bürgerschützenfest. Zum Vergleich: beim Start im Jahr 2005 waren es „nur“ 360 Herren und im vergangenen Jahr schon 548 Herren gewesen, die es sich bei dem deftigen Wintergericht, süffigem Bier und zünftiger Livemusik hatten gut gehen lassen.

 Apropos Essen: „Wir wollen nicht erwähnen, dass wir heute einer der letzten Tische waren, der seinen Grünkohl bekommen hat“, berichtete Fabian Deus vom Festkomitee der Stadthäger Schützenfestgesellschaft augenzwinkernd. Die Vorfreude („bekanntlich die größte Freude“) auf das mit herzhaften Kohlwürsten, Kasseler, Bauchfleisch und Salzkartoffeln komplettierte Traditionsgericht, für dessen Zubereitung auch diesmal wieder das in Röhrkasten ansässige Restaurant „Zum Grünen Kranze“ verantwortlich zeichnete, war offenbar nicht unbegründet: „Das Essen ist absolut gut“, erklärte er später stellvertretend für seine Tischgenossen. Damit habe sich die Küche quasi selbst eine „Beste Empfehlung“ ausgesprochen. Und überhaupt: Die Bürgerschützen Obernkirchen hätten einen „sehr schönen Abend“ auf die Beine gestellt, zu dem auch die „tolle Musik“ der Schaumburger Trachtenkapelle beitrage, die eine intonierte „Mischung aus Tradition und Moderne“ darstelle.

 Die Teilnahme an dem immer wieder perfekt organisierten Grünkohlessen in der Liethhalle sei in der Tat ein „unbedingtes Muss“, da sowohl das Essen als auch die Stimmung „einfach weltklasse“ seien, bestätigte Andreas Jürgens von dem ein paar Tische weiter sitzenden Obernkirchener Rott Hütte.

 Er selbst habe ja schon öfter mal Grünkohl gegessen, aber der sei „nie so lecker wie hier“ gewesen, ergänzte dessen Schützenbruder Michael Danecker. Hinsichtlich des weiblichen Bedienpersonals wünschte sich der 25-Jährige für die Feier im nächsten Jahr allerdings rund zehn Frauen mehr, „denn dann würde das Bier schneller kommen.“ Ähnlich gut gelaunt wie diese Gäste hatten sich zum Auftakt der diesjährigen Veranstaltung auch die Grußredner gegeben. So hatte Wilhelm Mevert als stellvertretender Bürgermeister der Stadt Obernkirchen gescherzt, dass der Standort des in der Vehlener Feldmark geplanten Großklinikums an den Einflugschneisen des Flugplatzes der Achumer Heeresflieger ausgerichtet werden musste, da deren Piloten offenbar schlecht fliegen könnten. Dabei verglich er die Heeresflieger mit Pelikanen: „Sie können nicht richtig laufen, sie können nicht richtig fliegen und haben ’ne große Klappe.“

 Der Schaumburger Landrat Jörg Farr ging seine Rede zunächst insofern etwas ernsthafter an, indem er daran erinnerte, dass die Tradition der Bürgerschützen bis in eine Zeit zurückreiche, zu der man die Städte sowie das Hab und Gut der Bürger wehrhaft verteidigen musste. Glücklicherweise hätten sich die Umstände geändert, sodass heutzutage das Ehrenamt „die eigentliche Waffe“ der Schützen sei, die nun auf diese Weise eine wichtige Arbeit für die Gemeinschaft leisten würden.

 Eine kleine Spitze auf den klammen Haushalt der Stadt Obernkirchen, hatte er dann aber auch noch parat: Da es Obernkirchen finanziell ja nicht besonders gut gehe, werde er demnächst gemeinsam mit dem Bürgermeister und dem Kämmerer an einem Fortbildungskurs in Australien teilnehmen, witzelte der Landrat. Dort würden sie nämlich lernen, „wie man mit leerem Beutel noch große Sprünge machen kann.“

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