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Gästeführerin stellt jüdischen Friedhof im Uhlenbruch vor

Alte Gräber Gästeführerin stellt jüdischen Friedhof im Uhlenbruch vor

Ein bisschen verwunschen sieht er schon aus, der oberhalb des Sonnenbrinkbades im Wald gelegene jüdische Friedhof mit den von einer grünen Patina überzogenen, zum Teil beschädigten Grabsteinen. Zwei der mehr als einhundert Gedenksteine sind im Laufe von Jahrzehnten sogar in den Stamm einer mächtigen Eiche eingewachsen.

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Um den Erhalt des Judenfriedhofs kümmern sich heute ein Freundeskreis und die Stadt Obernkirchen.

Quelle: wk

Obernkirchen (wk).  Fast könnte man meinen, dass das knapp 1700 Quadratmeter große Areal in Vergessenheit geraten ist, wäre das Gras nicht gerade frisch gemäht und der den Friedhof umgebende Zaun nicht repariert. Zudem weist ein neuzeitliches Schild darauf hin, dass interessierte Besucher einen der Schlüssel für das üblicherweise verschlossene Tor der 2006 restaurierten Anlage in der Info-Galerie oder im Rathaus erhalten können.

 Nachdem der „Jüdische Friedhof im Uhlenbruch“ in der Vergangenheit immer wieder von Vandalen heimgesucht worden sei, habe sich im Jahr 2006 auf Initiative des inzwischen verstorbenen Leiters des Obernkirchener Museums für Bergbau und Stadtgeschichte, Rolf-Bernd de Groot, ein „Freundeskreis jüdischer Friedhof“ gebildet, der sich gemeinsam mit der Stadt Obernkirchen um die Pflege des Geländes kümmert, erklärt Heimatforscherin Wilma Kolbe, die im Rahmen der „Landsommer“-Gästeführungen auch Besichtigungen dieses Friedhofes im Programm hat. Seitdem die Mitglieder jenes Freundeskreises hier regelmäßig nach dem Rechten sehen, habe es erfreulicherweise auch keinen Fall von Vandalismus mehr gegeben.

 Der älteste auf diesem Judenfriedhof stehende Grabstein ist übrigens um die 250 Jahre alt, hat Kolbe recherchiert. Anders als bei herkömmlichen Friedhöfen werden Gräber auf jüdischen Begräbnisstätten nämlich nicht nach 25 oder 30 Jahren aufgelöst, sofern die Hinterbliebenen keine Verlängerung mit der jeweiligen Friedhofsverwaltung vereinbaren, sondern jüdische Gräber haben „für immer“ Bestand.

 Die „letzte reguläre Bestattung“ sei hier übrigens im Jahr 1939 erfolgt, da damals von den Nationalsozialisten angeordnet worden sei, dass die in der Bergstadt lebenden jüdischen Familien ihre Verstorbenen fortan auf einem Judenfriedhof in Rinteln bestatten lassen müssten: „Das war eine zusätzliche Verhöhnung der Juden“, betont die Heimatforscherin. Nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches im Jahr 1945 sei dann nur noch ein Grab auf dem jüdischen Friedhof im Uhlenbruch hinzugekommen. Und zwar das des „Heimkehrers“ Manfred Schönfeld (1930-1999), der zur Zeit des Dritten Reiches aus Obernkirchen ins Ausland emigriert sei und später verfügt habe, nach seinem Tod auf dem alten jüdischen Friedhof in der Bergstadt beigesetzt zu werden.

 Weitere Informationen zu den Gästeführungen von Wilma Kolbe gibt es im Internet unter www.gaestefuehrungen-weserbergland.de.

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