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Gedenken an Holocaust: 16 Stolpersteine verlegt

„Es war die Hölle auf Erden“ Gedenken an Holocaust: 16 Stolpersteine verlegt

Die Vernichtung von mehr als sechs Millionen Juden während des Dritten Reiches ist das düsterste Kapitel in der Geschichte Deutschlands. Dass diese Gräueltaten der Nationalsozialisten und deren willfähriger Mitläufer nicht in Vergessenheit geraten, dazu sollen die „Stolpersteine“ beitragen – auch in Obernkirchen.

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Vor dem Gebäude Friedrich-Ebert-Straße 9 hat der Künstler Gunter Demnig einen „Stolperstein“ verlegt, der an das Schicksal der Jüdin Frommet Lion erinnert

Quelle: wk

Obernkirchen. Künstler Gunter Demnig setzte am vergangenen Wochenende nun weitere 16 Stolpersteine in Obernkirchen – und zwar vor folgenden Häusern: Rintelner Straße 14 (Gedenken an Moritz, Recha, Irmgard, Alfred und Erna Schönfeld), Neumarktstraße 23 (Bendix, Lucie und Hannelore Stern sowie Jakob und Rosa Steinberg), Lange Straße 26 (Helene Düring), Lange Straße 19, (Betty Adler), Lange Straße 9 (Philipp Adler und Ruth Filler), Schluke 5 (Fanny Philippsohn) und Friedrich-Ebert-Straße 9 (Frommet Lion). Mehr als 60 000 dieser kleinen Gedenksteine hat der in Frechen lebende Demnig im Laufe der vergangenen zwanzig Jahre insbesondere in Deutschland, zum Teil aber auch in anderen Ländern schon verlegt. Eingelassen in das Gehweg- oder Straßenpflaster vor denjenigen Häusern, in denen einst Juden lebten, die von den Nazis vertrieben und ermordet wurden.
Insgesamt 18 dieser „Stolpersteine“, die lediglich mit dem Namen, Geburtsjahr und einer kurzen Information zum Schicksal der jeweiligen jüdischen Person versehen sind, sind bereits in Obernkirchen zu finden. Den Anstoß für das lokale Projekt hatte ein kleiner Arbeitskreis, die „Initiative Stolpersteine Obernkirchen“, gegeben, der aus den Bergstädtern Christoph von Abendroth (Pastor i.R.), Wilfried Bartels, Werner Hobein und Sybille Schlusche besteht.
An der Verlegung nahmen mehr als 60 Einwohner der Bergstadt teil, wobei wechselnde Redner an den einzelnen Standorten an das traurige Schicksal der genannten Juden erinnerten: So berichtete etwa Louisa Hering, eine 1995 geborene Studentin, basierend auf Informationen, die unter anderem dem von Rolf-Bernd de Groot verfassten Buch „Jüdisches Leben in der Provinz“ entnommen waren, von dem jüdischen Mädchen Hannelore Stern. Dies war demnach im Alter von 13 Jahren mit deren Eltern zunächst nach Theresienstadt deportiert worden, wo die Mutter aufgrund von katastrophalen hygienischen Verhältnissen starb. Das Mädchen landete in Auschwitz. Wegen des Herannahens der sowjetischen Front kam es nicht mehr zur Vergasung. Denn seitens der Nazis sei das Frauenlager Auschwitz-Birkenau Ende 1944 geräumt und die Frauen in das Konzentrationslager Bergen-Belsen transportiert worden. „Und was sie dort vorfanden, war noch schlimmer: es war die Hölle auf Erden.“ Am 15. April 1945 sei Hannelore Stern jedoch von britischen Soldaten befreit worden, so dass das Mädchen als einzige Obernkirchenerin den Holocaust überlebt habe.
Finanziert worden sind die jetzt in Obernkirchen verlegten, je 120 Euro teuren „Stolpersteine“ laut von Abendroth durch Unterstützer, die „Patenschaften“ für einzelne Gedenksteine übernommen haben, sowie durch nicht zweckgebundene Geldspenden. Im Jahr 2015 sollen noch weitere „Stolpersteine“ in der Bergstadt verlegt werden.

Von Michael Werk

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