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Gedenken auf Schritt und Tritt

Stolpersteine Gedenken auf Schritt und Tritt

Sich vorbeugen, gleichsam verbeugen muss sich der Betrachter, wenn er die Schrift auf den Quadern lesen will. Stolpersteine sollen zum Nachdenken anregen, gedanklich stolpern lassen. Hier ist was passiert, lautet ihre Botschaft.

Obernkirchen. Stadthagen, Bückeburg, Bad Nenndorf, Beckedorf: Stolpersteine gibt es im Landkreis schon an zahlreichen Orten. Am Mittwoch, 1. Juli, reiht sich Obernkirchen in dieses europaweite Netzwerk ein. Dann wird Künstler Gunter Demnig von 9 bis 11.30 Uhr 19 Stolpersteine verlegen, die an das Schicksal von 18 Einzelpersonen und ein Geschäft erinnern sollen.

 Das Konzept ist einfach: das Erinnern dezentral machen und nicht an große Monumente delegieren. Jeder, der künftig die frühere Adolf-Hitler-Straße (heute: Friedrich-Ebert-Straße) entlanggeht, wird auf Schritt und Tritt, oder besser: auf Höhe des ehemaligen Kaufhauses der Brüder Lion, an das Schicksal der jüdischen Bevölkerung erinnert. Mittlerweile finden sich über 50000 Steine nicht nur in Deutschland, sondern auch in 17 weiteren europäischen Ländern. Im Grunde sind die Stolpersteine damit das größte dezentrale Mahnmal der Welt.

 Ein schlimmes Schicksal blieb der Familie von Elias Lion und seiner Ehefrau Anna, geborene Bloch, sowie den zwei Töchtern Ruth und Edith nicht erspart. Die Familie wohnte im Haus Lange Straße, heute Nr. 22. Elias Lion war wie sein Bruder Leopold ein angesehener Bürger. Noch 1930 wählte ihn die Mehrheit der Obernkirchner Geschäftsleute zum Vorsitzenden des Handels- und Wirtschaftsvereins. Nachdem Elias mit seiner Familie im März 1942 zur Deportation ins Sammellager Hannover-Ahlem abtransportiert worden war, erlitt er einen Schlaganfall. Der Sterbenskranke wurde zurück nach Obernkirchen transportiert, wo er zwei Tage später, am 1. Juni 1942, starb. Seine Witwe und ihre beiden Töchter wurden Ende Juni 1942 von Hannover aus mit 400 anderen jüdischen Menschen in das KZ Theresienstadt deportiert. Dort starb Anna im Mai 1943 an den Folgen einer Typhus-Epidemie.

 Ruth und Edith Lion erging es ähnlich. Zwar überlebten die Schwestern das KZ Theresienstadt und das Frauenlager Auschwitz-Birkenau, das wegen der nahenden Roten Armee im November 1944 geräumt wurde. Das Lager sei die „Hölle auf Erden“ gewesen, sagt Wilfried Bartels von der Initiativgruppe. Ruth und Edith Lion starben an Fleckfieber und Typhus – nur Wochen, bevor ein britisches Kommando das Lager befreite.

 An diese Familien soll mit den Stolpersteinen erinnert werden: Familie Leopold und Elias Lion, die an der heutigen Friedrich-Ebert-Straße 6 ein Textilkaufhaus besaßen, aber mit ihren Familien zur Miete wohnten; Elias an der Langen Straße, heute Nr. 22, und Leopold am Kirchplatz 2 – insgesamt neun Familienmitglieder. Familie Paul Adler, der ebenfalls ein gut gehendes Textilkaufhaus an der Langen Straße, heute Nr. 9, führte, und in diesem Haus mit Frau und Sohn wohnte – insgesamt drei Personen. Die Familien Max und Martin Schönfeld, beide wohnhaft heute Sülbecker Weg 22, damals noch die selbstständige schaumburg-lippische Gemeinde Rösehöfe 7 – insgesamt sechs Personen. Zusätzlich soll ein Stolperstein vor dem ehemaligen Kaufhaus der Gebrüder Lion an der heutigen Friedrich-Ebert-Straße verlegt werden. Begründung der Initiativgruppe: Das jüdische Kaufhaus sei ein Symbol für das damals florierende Geschäftsleben in der Stadt.mig

Dienstag wird Gunter Demnig um 19 Uhr im Obernkirchener Stift einen Vortrag halten.

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