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Obernkirchen / Eiswette

Genossenschaft? Der Gedanke gefällt Sozialdemokraten


Es ist eine rhetorische Steilvorlage, die sich der SPD-Bundestagsabgeordnete nicht entgehen lässt. Ob er denn einen Weg wisse, fragt also Wolfgang Hein am Beckenrand, wie und wo die chronisch klamme Stadt vielleicht noch einen Fördertopf ausgraben könne? Nein, antwortet Sebastian Edathy, diesen Weg wisse und kenne er nicht.
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Rekordbesuch bei der zwölften Eiswette: Dicht an dicht stehen die Massen und sehen, wie Wolfgang Hein und Oliver Schäfer als gute Gastgeber beim Rettungsbergen Landrat Jörg Farr und Ratsherr Bernd Kirsch den knappen Sieg überlassen.

© tol

Obernkirchen (rnk). Kleine Pause. Und weil er auch keine Freunde habe, die ihm immerzu Geschenke machen würden, käme er mit leeren Händen zur zwölften Eiswette.

 Die kleine und dezent gesetzte Spitze gegen das in der Kritik stehende oberste Staatsoberhaupt passte recht gut in das rhetorische Vorgeplänkel hinein, denn alle Beteiligten suchten am Sonntag nach Bildern und Metaphern, die rund um das Wasser und das Eis zu verorten waren: Ein in den demoskopischen Werten gerade absaufender Bundespräsident fügte sich nahtlos ein.

 Edathy fand dann doch ein kleines Geschenk für Förderverein und Genossenschaft: Der Nienburger kaufte gut gelaunt fünf Anteile: So fremd sollte einem Sozialdemokraten der Genossenschaftsgedanke ja nicht sein, auch wenn Edathy später ein bisschen besorgt nachfragt: „Ein Anteil kostet doch 100 Euro? Oder waren es 1000?“ Wer ebenfalls noch rätselt: Es sind 100 Euro.

 Schwert zu schätzen ist am Sonntagnachmittag die Zahl der Gäste. Sind es 600? Oder doch 700? Für Wolfgang Hein ist es keine Frage: Es ist die größte Zahl, die jemals zuvor in der Geschichte der Eiswette als Zuschauer dabei waren. Hein ist Profi genug, um eine schöne Formulierung zu finden, die Wochen vor einer wirklich entscheidenden Saisoneröffnung Mut machen kann: Das sei auch ein Zeichen der Verbundenheit mit dem Sonnenbrinkbad, dass so viele heute dabei seien.

 Denn die Wette selbst kann es wohl nicht gewesen sein, deren Ausgang die Zuschauer bangend herbeisehnten. Bei Gefriertruhentemperaturen und strahlendem Sonnenschein verrieten schon die Spuren auf dem Eis, das im Becken über dem Wasser lag, die diesjährige Entscheidung: „Eiswette 2012“ stand dort, von Menschenhand gemalt, auch die beiden Figuren, die es später zu retten galt, mussten ja zuvor von Menschenhand dort hin- und aufgebracht worden sein. Also: Die Eiswette würden Förderverein und Genossenschaft gewinnen, gar keine Frage. Umstritten ist in der Chronik lediglich, ob es das dritte oder vierte Mal war, dass die Wette erfolgreich für den Anbieter entschieden wurde.

 Wobei die Wette selbst immer am wenigsten unterhaltsam ist, wenn sie gewonnen wird. So war es auch am Sonntag: Erst wurde die Eisdicke mit einem Bohrer geprüft –hier durfte die Politik ran, die es ja gewohnt sei, dicke Bretter zu bohren, so Hein –, dann durften zwei Teams mit Leitern über das Eis rutschen, um zwei verkleidete DLRG-Übungsfiguren zu retten: Dabei überließen Hein und Bürgermeister Oliver Schäfer natürlich Landrat Jörg Farr den knappen Sieg – das war’s.

 In den Jahren, in denen es kein Eis gibt, ist der Spektakelfaktor gewöhnlich auf dem Wasser erfahrungsgemäß höher. So blieb in diesem Jahr vor allem das Staunen über das Kostüm von Hein – eine Art lebensgroßes Hasenkostüm mit gelben Engelsflügeln und ein Stoßgebet: Himmel hilf – und lass’ das bitte nicht zur Mode werden.

 Dafür gab es andere Bestmarken, die am Sonntag aufgestellt wurden: Gegen 15 Uhr und damit 30 Minuten vor dem Verkaufsende gab es keine Lose mehr, und was an den Verkaufsständen in die Kassen des Fördervereins gespült wurde, dürfte sich ebenfalls sehen lassen.

 Recht ansprechend war auch das musikalische Rahmenprogramm, mit Hüttenhits, Andrea-Berg-Schlagern und mit einer tadellos funktionierenden Mikrofonanlage; nur Blondbarde Heino, der den Triumph der Niedersachsen über die „welsche Brut“ besingt, muss nun wirklich nicht sein.

 Nach der Ziehung der Gewinner zerstreut sich die Menge, und für den Förderverein und die Genossenschaft bleibt eine Aufgabe: Nach der Eiswette ist vor der Arbeit.

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