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Obernkirchen Stadt Halbwahrheiten – und das Problem mit den Sahnetorten
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Halbwahrheiten – und das Problem mit den Sahnetorten
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21:49 16.09.2011
Ohne britische Melone, aber mit einer Prise trockenem Humor gewürzt, räumt der Generalkonsul Andrew J. Noble mit typisch deutschen Vorurteilen gegenüber seinen Landsleuten auf. Quelle: wk
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Obernkirchen (wk)

Klischees können nützlich sein, weil sie mitunter helfen, Barrieren abzubauen, stellte Noble fest. Allerdings verhalte es sich mit Stereotypen oftmals aber auch wie mit Sahnetorten: Wenn sie dem Anlass entsprechen, seien sie ganz schön, aber wenn sie zur Gewohnheit werden, können sie auch tödlich sein. Von der „steifen Oberlippe“ der „immer Contenance“ bewahrenden englischen Gentlemen kam er „zur starken Neigung der Briten zum Understatement“, die er mit folgendem Bericht untermauerte: Vor einigen Jahren flog ein britischer Pilot mit einer Passagiermaschine über einen indonesischen Vulkan, der Unmengen an Vulkanasche in den Himmel schleuderte. Nachdem beim Durchfliegen der Aschewolke alle vier Triebwerke des Flugzeuges ausgefallen waren, informierte der Pilot seine Passagiere über die Bordsprechanlage und schloss mit den Worten: „Wir tun alles Mögliche, um das Problem zu beheben. Ich hoffe, Sie sind nicht übermäßig beunruhigt.“ Anekdote oder Tatsache? Das musste jeder Zuhörer für sich selbst entscheiden. Vielleicht half dabei ja Nobles Hinweis, dass das Stereotyp des britischen Understatements zu 50 Prozent zutreffend sei.

Die Deutschen stufen die Briten mitunter als recht unverbindlich ein, umgekehrt empfinden die Briten die Deutschen aber als sehr direkt, führte Noble weiter aus. Kurioserweise würden manche Stereotype sogar mehr über den jeweiligen Betrachter selbst als über das Objekt der Betrachtung aussagen. So seien viele Deutsche der Meinung, das Schlangestehen sei eine ganz normale „Freizeitbeschäftigung“ in England, während sich die Briten wundern würden, wenn deutsche Fußgänger des Nachts an einer roten Fußgängerampel geduldig auf Grün warten, obwohl weit und breit kein einziges Fahrzeug auf der Straße zu sehen ist.

Im Verlauf seines Vortrages verlor Noble den anfänglichen Schwung seines leisen Humors jedoch streckenweise, als er auf ernstere Themen wie die Integration ausländischer Mitbürger, den Klimaschutz, die politischen Beziehungen zu Deutschland sowie die Wirtschaftsleistung Großbritanniens zu sprechen kam und die sachliche Information in den Vordergrund rückte. Der Ansicht, in England gebe es zwar einen starken Banken- und Finanzsektor, aber keine Industrie mehr, trat er mit dem Hinweis entgegen, dass man beim Handel mit Industrieerzeugnissen weltweit auf Platz sechs rangiere. Beispielsweise würden von England aus jährlich rund 1,3 Millionen Autos exportiert, zudem würden dort ein Drittel aller BMW-Motoren sowie sämtliche Tragflächen für die verschiedenen Flugzeugmodelle des deutschen Unternehmens Airbus produziert. Des Weiteren seien zwei Drittel aller Formel-1-Mannschaften in England ansässig (wegen der Vielzahl an Ingenieuren), das auch für 16 Prozent der weltweiten Pharmaproduktion verantwortlich zeichne und mittlerweile 70 Nobelpreisträger stelle.
Unterm Strich ein unterhaltsamer und erhellender Abend, was auch an den interessierten Zuschauerfragen zum Ende der Veranstaltung festzumachen war.

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