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Harder entschuldigt sich

Nach Protesten Harder entschuldigt sich

Kehrtwende um fünf vor zwölf: Angesichts von zum Teil massiven Protesten aus den Reihen von mehr als 40 Einwohnern hat der Ortsrat am Donnerstagabend seinen Entschluss kassiert, die Dorfgemeinschaftsanlage (DGA) aufzugeben und sie der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde zum Betrieb einer Krippe zu überlassen.

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Das Vehlener Dorfgemeinschaftshaus: Seine Zukunft ist nun wieder offen.

Quelle: tw

Vehlen. Mit fünf Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen (Christoph Schuster, CDU/Horst Lahmann, SPD) gilt jetzt: Der im Wohnzimmer von Ortsbürgermeister Werner Harder am 7. Mai – nicht öffentlich – gefasste Beschluss gilt nicht mehr. Stattdessen wird es einen Runden Tisch geben, bei dem am Mittwoch, 5. August– öffentlich – gemeinsam mit den Vereinen über die Zukunft der DGA gesprochen wird.

 Erst danach kann der Ortsrat einen von derzeit zwei vorformulierten Entschlüssen fassen, die da lauten: „Der Ortsrat wünscht weiterhin den Erhalt von Dorfgemeinschaftseinrichtungen im Objekt Vehlener Straße 75. Die Verwaltung wird beauftragt, ein entsprechendes Konzept erarbeiten zu lassen.“ Alternativ könnte der Beschluss aber auch lauten: „Der Ortsrat wünscht den Erhalt der DGA Vehlen innerhalb der aktuell genutzten Räume. Der Rat möge dem Wunsch der Kirchengemeinde auf Einrichtung einer Krippengruppe im Erdgeschoss nicht entsprechen.“ Am Ende könnte der Ortsrat aber auch wie zuvor geschehen einen eigenen anderen Beschluss formulieren. Im Vorfeld des jüngsten Votums zur Rücknahme des Ortsratsentscheids hatte sich Harder bei den Vehlenern persönlich entschuldigt: „Ich habe Sie nicht rechtzeitig und nicht umfassend informiert“, bedauerte der Ortsbürgermeister selbstkritisch. Dass die Bürgervertreter anschließend zurückruderten, lag an einem Antrag Horst Sassenbergs, der eben dies forderte; der CDU-Abgeordnete war bei dem von vielen Bürgern als „Geheimsitzung“ kritisierten Treffen in Harders Wohnzimmer nicht dabei.

 Allerdings: Wie Lahmann erklärt, sei die bei den Bürgern ungeliebte Entscheidung nicht „mal eben so in fünf Minuten“, sondern auf der Grundlage von Fakten gefallen, die Andreas Jasper geliefert habe: Demnach drohe der DGA binnen zwei Jahren die Schließung, weil sie sich finanziell nicht rechne. „Die Stadt schießt allein für Saal, Küche und WC jedes Jahr 3500 Euro zu, musste kürzlich einen fünfstelligen Betrag in die Sanierung eines Feuchtigkeitsschadens stecken“, präzisiert der Kämmerer in der Sitzung. Tatsächlich bedeute jede in der DGA ausgerichtete Feier nicht in erster Linie Einnahmen; sie trage vielmehr dazu bei, dass sich die Situation wirtschaftlich verschlimmere.

 Pikant dabei: Die dafür verantwortliche Gebührensatzung stammt von 1990 und obliegt dem Ortsrat; der wusste das bislang aber gar nicht – und hat es 25 Jahre lang versäumt, durch eine Anpassung der Gebühren dafür zu sorgen, dass sich die DGA tragen kann.

 Doch noch ein weiterer Widerspruch harrt der Auflösung: Wie Diplom-Ingenieur Volker Wehmeyer erklärt, sei für das benachbarte Feuerwehrgerätehaus eine „multifunktionale Nutzung“ geplant. Doch laut Schuster, der zugleich Ortsbrandmeister ist, ist eine Fremdnutzung etwa für größere Versammlungen „nicht erwünscht“; Gäste könnten mangels Verschlussmöglichkeiten in alle Räume gelangen.

 Als dann die Bürger Gelegenheit haben, machen sie ihrem Unmut Luft. Ernst Völkening übergibt Harder einen zehn Punkte umfassenden Katalog mit kritischen Nachfragen. Durch die Bank weg gerügt wird: Viel zu viel werde in Vehlen als „nicht öffentlich“ deklariert und vom Ortsrat hinter verschlossener Tür entschieden. „Was dann noch für die Öffentlichkeit übrig bleibt, das ist die Frage nach dem künftigen Standort des Weihnachtsbaumes im Dorf. Lächerlich!“, monierte eine Vehlenerin. Eine andere sieht das Vertrauensverhältnis zwischen Rat und Einwohnern gestört: „Wie soll man euch jetzt noch wählen?“

Von Thomas Wünsche

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