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Heimbewohner greift zum Messer

Täter muss zur Verhaltenstherapie Heimbewohner greift zum Messer

Weil er sich ungerecht behandelt fühlte, hat ein psychisch kranker Mann (47) die Nachtwache eines Obernkirchener Heimes mit einem Messer bedroht und in Todesangst versetzt. Nun wurde er zu zehn Monten auf Bewährung verurteilt und muss sich einer ambulanten Verhaltenstherapie unterziehen.

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Obernkirchen/Bückeburg. Mit einem Taschenmesser fuchtelte der Angeklagte vor dem Gesicht der Frau, die Nachtwache hatte, herum und drohte: „Ich stech‘ Dich ab. Willst Du heute oder morgen sterben? Ich habe nichts zu verlieren.“

Seiner Meinung nach hatte der 47-Jährige bei einer Auszahlung an die Heimbewohner zu wenig Geld bekommen. Von den 41 Euro, die er an jenem Tag erhielt, kaufte er unter anderem zwei Flaschen billigen Weizenkorn. Nachdem er einen Großteil davon getrunken und seinen Rausch ausgeschlafen hatte, täuschte er in der Nacht Zahnschmerzen vor, weil er an die Medikamente wollte. Vor allem aber wollte der ehemals Obdachlose, dass ihn Vollzugsbeamte abholen und „in staatliche Obhut“ bringen, um sich dort „Gehör verschaffen“ zu können. „Meine Drohung gegen die Frau war absolut nicht ernst gemeint“, versichert er.

Vermindert schuldfähig

Wegen Nötigung in Tateinheit mit Körperverletzung hat das Bückeburger Landgericht den nicht vorbestraften Angeklagten jetzt zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Zugleich ordnete die 1. Große Strafkammer die Unterbringung des Mannes in der geschlossenen Psychiatrie an, setzte diese Maßregel aber ebenfalls zur Bewährung aus.

Weil die Persönlichkeitsstörung des 47-Jährigen trotzdem behandelt werden muss, ist die Entscheidung jedoch mit strengen Auflagen und Weisungen verbunden. Der Verurteilte kommt sozusagen an die kurze Leine. Er muss in einer Einrichtung wohnen und sich einer ambulanten Verhaltenstherapie unterziehen. Führungssaufsicht soll neue Straftaten verhindern. Hinzu kommen 120 Stunden gemeinnützige Arbeit. Staatsanwalt Lukas Veith und Verteidiger Michael Einars hatten sich zuvor übereinstimmend gegen eine Einweisung in die geschlossene Psychiatrie ausgesprochen.
Zur Tatzeit hatte der 47-Jährige, ein Mann aus dem Trinkermilieu, fast 2,3 Promille Alkohol im Blut. Dies und seine psychische Erkrankung sind die Gründe dafür, dass ein Gutachter ihn als vermindert schuldfähig einstuft.

Opfer leidet noch immer

Das Opfer hat die Attacke bis heute nicht verarbeitet. Die Frau konnte dem Angreifer in jener Nacht das Messer abnehmen und sich einschließen, erlitt aber Schnittwunden und Prellungen. Schlimmer ist vermutlich dies: „Die Zeugin hat seelische Verletzungen, hervorgerufen auch durch Todesangst“, so Richter Norbert Kütemeyer, Vorsitzender der Kammer. Vor Gericht entschuldigte sich der Täter beim Opfer. Die Frau nahm an.

Der psychisch Kranke war damals freiwillig in der offenen Einrichtung und hatte seinen Heimvertrag gekündigt. Nach der Tat ließ er sich festnehmen und verbrachte die fünf Monate bis zum Prozess in Untersuchungshaft.

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten auch vorgeworfen, von der Frau Geld und deren Autoschlüssel verlangt zu haben. Das wäre versuchte schwere räuberische Erpressung gewesen, ein Verbrechen. In der Hauptverhandlung ließ sich dies jedoch nicht nachweisen. ly

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