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Obernkirchen Stadt „Hilfe, die das DRK auch benötigt“
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt „Hilfe, die das DRK auch benötigt“
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08:23 18.05.2018
Anpacken können alle drei: Heidi Niemeyer ist für die Schaumburger Tafeln zuständig, Michael Herz (Mitte) ist Penny-Regionalleiter und Bernd Koller Chef des DRK-Kreisverbandes. Quelle: rnk
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Herz ist Regionalleiter der Penny-Region Lehrte, zu der auch der Landkreis Schaumburg gerechnet wird. In den acht Märkten des Unternehmens kann der Kunde auf Flaschenpfand verzichten, und dieses Geld wird dann den Tafeln gespendet. Zwar sind es meist nur Cent-Beträge, die der Kunde gibt, doch das alles läppert sich. Aber für Regionalleiter Herz zählt vor allem der Grundgedanke: „Schaumburger spenden für Schaumburger“, sagt der gebürtige Bückeburger. Die Märkte seien dafür lediglich die Plattform.

Knapp 2500 Euro waren dies im vergangenen Jahr, in den ersten vier Monaten 2018 kamen gut 1000 Euro zusammen. Zudem gehören die Penny-Märkte zu den Gebern, die die Tafeln mit Lebensmitteln unterstützen. „Hilfe, die das DRK auch benötigt“, erklärt der DRK-Kreisvorsitzende Bernd Koller und macht eine Rechnung auf: 2015 habe man an vier Tafel-Standorten im Landkreis 2400 Nutzer gezählt, jetzt seien es fast 3000 – davon allein 200 Neuaufnahmen in diesem Jahr.

Spürbarer Wegfall von Zivis

Aus Sicht des DRK sei 2011 ein Knackpunkt gewesen: Von da an seien in Deutschland keine Wehrdienstleistenden mehr für die Bundeswehr eingezogen worden, zudem sei auch der Zivildienst weggefallen. Da habe man dem DRK Schaumburg 95.000 Euro Personalkosten „obendrauf“ gepackt. „Geld, das wir nicht hatten“, so Koller.

Ihm sei eines wichtig: „Die Schaumburger Tafeln sind kein Sozialamtsersatz, sondern ein Zusammenschluss, um Notleidenden die Möglichkeit zu geben, etwas zu sparen“, beispielsweise für einen Freibadbesuch mit den Kindern.

Und natürlich müsse man auf die Nutzer an sich schauen, sagt Koller und führt die Stadt Rinteln als Beispiel an. Dort hatte das DRK seine Tafel in unmittelbarer Nähe des Rathauses gehabt, quasi auf dem öffentlichen Präsentierteller. „Da geht keine ältere Dame hin“, sagt er.

Extratermine für Ältere und Alleinerziehende

Jetzt befinde sich die Tafel am Bahnhof, und dort wiederum liege auch ein Kleidershop: „Da geht sie hin – zum Kleidershop, kann die alte Dame dann sagen.“ Ähnlich sei es in Bad Nenndorf: Dort werde die Tafel-Ausgabe vom Rathaus in die Alte Feuerwehr verlegt.

Kurz kommt Koller noch auf die Essener Tafel zu sprechen. Dort beträgt der Migranten-Anteil rund 75 Prozent, und weil sich einige von diesen bei der Essensausgabe daneben benehmen, hatte die Essener Tafel für einen gewissen Zeitraum nur noch neue „Kunden“ mit deutschem Pass aufgenommen. Das, sagt Koller mit Blick auf den Essener Ärger und Aufnahmestopp, gebe es bei den Schaumburger Tafeln nicht. Für Alleinerziehende und Ältere biete man Extratermine an.

Ein Drittel sind minderjährig

Heidi Niemeyer vom DRK ist für die Schaumburger Tafeln zuständig. Sie wisse gar nicht, sagt sie, was die Leute machen würden, „wenn wir nicht da wären“. Ein Drittel der Kunden seien minderjährig.

Womöglich kommen auf die Tafeln neue Sorgen zu, sagt Herz: Nirgendwo auf der Welt gebe es eine so hohe Dichte an Supermärkten, nirgendwo sonst müsse im Lebensmittelgeschäft mit so spitzem Bleistift gerechnet werden. Gut möglich also, dass die Obst- und Gemüsespenden künftig kleiner ausfallen oder auch weniger werden. Herz sieht es so: „Was möglich ist, das machen wir auch.“ rnk

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