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Obernkirchen Stadt Hilfe für Böcke im Liebesrausch
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Hilfe für Böcke im Liebesrausch
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00:19 24.08.2017
Gut behütet: Thomas Stübke bohrt nicht nur politisch dicke Bretter, sondern zum Wohle der Tierwelt auch mal kleine Löcher. Quelle: rnk
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OBERNKIRCHEN

Aber erst nach zwei bis drei Jahren, so Revierleiter Gützkow, könne man genau sagen, wie groß die Hilfe sei. So bleiben nur Schätzungen, aber um ein Drittel oder sogar die Hälfte sei die Zahl der Unfälle mit Wild in diesem Bereich schon zurückgegangen, so der Waidmann.

Gützkow ist mit im Boot, als die Warnreflektoren angebracht werden, schließlich ist der Bereich „sein“ Revier. Der Fachmann weiß, wo Wildtierschutz nötig ist. Unterstützt werden die Grünen von den Mitgliedern der Schutzgemeinschaft deutscher Wald.

Wildwechsel sind generell eine nicht zu unterschätzende Gefahr im Straßenverkehr, Schätzungen gehen davon aus, dass in manchen Jahren bis zu ein Viertel der Tiere nicht erlegt wird, sondern den Unfalltod im Verkehr stirbt. „Auch hier“, so Gützkow, „gibt es keine genauen Zahlen, denn nicht jedes Tier verendet nach einem Zusammenstoß mit einem Auto im Straßengraben.“ Viele würden sich in den Wald schleppen, das Revier wechseln oder manchmal auch gar nicht gefunden werden, wenn der Förster mit seinem Schweißhund die Fährte aufnehme.

Blind vor Liebe

Auch wenn der Blick aus dem Fenster jeden Tag etwas anderes vermuten lässt, so schreibt man kalendarisch doch den Sommer. Und daher sind in der Natur die Böcke mitten im schönsten Liebesrausch. Schon Mitte Juli beginnt die Paarungszeit beim Rehwild, Jäger sprechen von der „Blattzeit“. Die Böcke laufen blind vor Liebe den Weibchen hinterher und bekommen nicht mehr mit, was ansonsten rund um sie her passiert. Autofahrer müssen noch bis Ende August/Anfang September mit plötzlich auftauchendem Rehwild rechnen – auch auf Straßen, an denen kein Warnschild steht. Besonders groß ist die Gefahr an unübersichtlichen Straßenabschnitten entlang von Wäldern und Feldern. Je nach Wetterlage verfolgen Rehböcke zwischen Mitte Juli und August die weiblichen Tiere auch tagsüber kilometerweit – an heißen Tagen sind sie besonders aktiv. Autofahrer sollten daher vorsichtig fahren und jederzeit bremsbereit sein.

Ganz wichtig: Nachdem ein Tier die Straße gekreuzt hat, müssen die Autofahrer mit Nachzüglern rechnen, denn viele heimische Tiere sind in Familienverbänden unterwegs, also als größere Gruppe.

Aufs Land Niedersachsen gerechnet, „erlegen“ Autofahrer etwa 20 Prozent der Rehe im Land. Die Zahlen steigen seit Jahren, meldet die Landesjägerschaft Niedersachsen und rechnet vor: Stündlich sterben auf Straßen und Schienen in Niedersachsen drei Rehe.

Gefahr in der Nacht

Zurück nach Obernkirchen, eine Frage an Gützkow: Die meisten Tiere tauchen gefühlt nachts im Scheinwerferlicht zwischen „Süßer Mutter“ und dem Ortseingang Rolfshagen auf. Stimmt das so? „Ja“, bestätigt der Revierleiter, „daher werden auch dort viele Reflektoren aufgehängt.“

Wildwarnreflektoren sollen das Wild in der Nacht davon abhalten, vor herannahenden Autos eine Straße zu überqueren. Damit sollen Wildunfälle dort vermieden werden, wo ein Schutzzaun problematisch oder zu teuer ist. Wildwarner am Straßenrand sind meist optische, in der Regel rot oder blau reflektierende und akustische Geräte, die Signale zur Abschreckung der Tiere aussenden, aber auch die olfaktorische Wahrnehmung, also den Geruchssinn, ansprechen.

Aber weil es erst in einigen Monaten belastbare Zahlen geben wird, hat Thomas Stübke von der Fraktion der Grünen einen Vorschlag: „In zwei Jahren komme ich mal auf einen Kaffee vorbei und frage nach.“ Die Antwort vom Revierleiter kommt sofort: „Das machen wir so.“ rnk

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