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„Ich weiß, wie es ist, fremd zu sein“

Neue Awo-Sozialarbeiterin „Ich weiß, wie es ist, fremd zu sein“

Die Rechnung ist einfach: „Der Erstbesuch“, sagt Marlies Peter, „zieht in der Regel drei weitere Besuche nach sich.“ Macht bei aktuell 55 Flüchtlingen in der Bergstadt etwa 220 Visiten.

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Der Kugelschreiber zeigt auf Syrien: „Da kommen die meisten Obernkirchener Flüchtlinge her“, sagt Marlies Peter. Sie ist die neue Sozialarbeiterin der AWO für Schutzsuchende in der Bergstadt.

Quelle: tw

Obernkirchen. Tatsächlich kann die 55-Jährige, als Sozialpädagogin und -arbeiterin ausgebildet, über einen Mangel an Arbeit nicht klagen. Die in Petershagen lebende Fachfrau ist seit 5. Oktober als eine von sieben beim Awo-Kreisverband Schaumburg neu eingestellten Kräften für die Flüchtlingsarbeit in der Bergstadt zuständig – und tritt damit in die Fußstapfen ihres Vorgängers Norbert Rose (wir berichteten). Für den Job hat Peter 25 Wochenstunden zur Verfügung.

Ihr Büro hat sie am Obernkirchener Marktplatz im zweiten Stock des Sparkassengebäudes – mit einer Dachschräge und einer großen Weltkarte an der Wand. Obernkirchens Bürgermeister Oliver Schäfer hat dort gearbeitet, als das benachbarte Rathaus saniert wurde; direkt nebenan wirkt Stadtkoordinatorin Dörte Worm-Kressin, die für Schutzsuchende im Auftrag des Landkreises nach freien Wohnungen in der Bergstadt sucht. Die räumliche Nähe schafft Synergieeffekte.

Wer ist Marlies Peter, von der so viele Schutzsuchende so viel erwarten? Offensichtlich eine Idealbesetzung für den Job, denn: „Ich habe neun Jahre in Brasilien gelebt, weiß, wie es ist, wenn man als Fremde in ein Land kommt und dessen Sprache nicht spricht“, berichtet die Mutter dreier Kinder. Peter, die inzwischen fließend Portugiesisch spricht, betont, dass die Sprache das A und O – und die Eintrittskarte in eine Gesellschaft ist.

Bevor sie nach Südamerika ging, machte Peter zunächst eine Ausbildung als Kinderkrankenschwester in Celle, später als Hebamme in Hamburg. Zurück in Deutschland studierte sie mit 45 Jahren Soziale Arbeit in Hannover, machte 2009 den Abschluss. „Es folgte ein Anerkennungsjahr im Familien-Hilfe-Zentrum ,Weidenkorb‘ im Landkreis Schaumburg.“ Über eine Elternzeit-Vertretung im Stadthäger Frauenhaus kam Peter mit dem Awo-Kreisverband in Berührung, bei dem sie sich um eine Stelle „Sozialarbeit mit Flüchtlingen“ bewarb. „Ihre interkulturellen Erfahrungen haben sehr für Frau Peter gesprochen“, lobt Awo-Geschäftsführerin Heidemarie Hanauske.

Vier Wochen lang ist sie von ihrer Kollegin Friederike Röchter in ihre neue Aufgabe in Obernkirchen eingearbeitet worden; Stephan Hartmann, Teamleiter im Awo-Fachbereich Integration, hat ihr das Basiswissen in Sachen Ausländerrecht vermittelt.

Dann ging’s auf die ersten Hausbesuche. „Ein Erstkontakt dauert in der Regel zwischen 45 und 60 Minuten“, weiß Peter. Sie lässt Info-Faltblätter da, notiert Handynummern. Quasi aus dem Stand heraus geht es in den jeweiligen Familien vor Ort darum, Briefe von Behörden zu übersetzen und dringend benötigte Fahrkarten zu besorgen. „Fast immer werde ich mit als Erstes gefragt: Wo werden in Obernkirchen Deutschkurse angeboten?“ Außerdem hätten viele Schutzsuchende ein großes Interesse daran, dass auch ihre Kinder schnell deutsche Freunde finden – nicht zuletzt, damit sie in ihrer Freizeit ihre Deutschkenntnisse verbessern. „Viele Flüchtlinge haben Verwandte in Deutschland, die unsere Sprache bereits sprechen. Dann geben sie mir ihr Smartphone, wird aus dem Stegreif übersetzt“, sagt Peter.

„Bei meiner Arbeit erhalte ich vom Netzwerk ,Obernkirchen hilft!‘ viel Unterstützung.“ Beispiel: „Das Netzwerk hat gleich mehrere Fahrräder organisiert, sodass Kinder von Flüchtlingen damit zur Schule fahren können“, freut sich Peter: „Aktuell suchen wir noch mehrere Auto-Kindersitze mit Rückenlehne.“ Kontakt: Marlies Peter, Tel. (0160) 97989393 E-Mail dfs.mp@awo-kv-schaumburg.de. Für Nachbarn will die Awo in Peters Büro einmal wöchentlich eine Sprechstunde einrichten.  tw

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