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„Idas“ Ideen bis heute aktuell

Zum Gedenken „Idas“ Ideen bis heute aktuell

Mit einem Festakt hat der Reifensteiner Verband, der lange Zeit die „Wirtschaftliche Frauenschule Obernkirchen“ (später: „Landfrauenschule“) im Stift Obernkirchen betrieben hatte, seiner vor 100 Jahren verstorbenen Gründerin Ida von Kortzfleisch gedacht.

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Ina Farwick

Quelle: wk

Obernkirchen. Dabei bezeichnete Ina Farwick, Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins, die 1850 in Ostpreußen geborene und später nach Hannover übergesiedelte Protestantin als „herausragende Persönlichkeit“ der Frauenbewegung. Habe diese doch bereits Anfang der 1890er Jahre begonnen, ein Netzwerk von Frauen aufzubauen, um Ideen zu entwickeln, wie die Erwerbsmöglichkeiten von Frauen und deren „Beteiligung am öffentlichen Geschehen“ verbessert werden könnten.

 Von Kortzfleisch sei dann der Gedanke gekommen, eine Frauenschule mit ländlich-hauswirtschaftlichen Ausbildungsschwerpunkten zu eröffnen. Mittels Vorträgen und Publikationen habe die über eine „immense Tatkraft“, „Mut“, „Idealismus“ und „Glaubensstärke“ verfügende Aktivistin für diese Idee geworben und finanzielle Unterstützer gesucht. Im Jahr 1897 wurde der Reifensteiner Verband gründet und die erste Landfrauenschule in Nieder-Ofleiden eröffnet, die 1900 in das im Eichsfeld gelegene Kloster Reifenstein verlegt wurde.

 „Der Reifensteiner Verband umfasste im Lauf von 100 Jahren über 60 Schulen unterschiedlicher Schulträger“, fasste Farwick die Entwicklung zusammen. „Darunter waren 15 Schulen, die ihm selbst gehörten.“ Im Lauf der Jahrzehnte seien in diesen „Wirtschaftlichen Frauenschulen“ 90000 Landfrauen ausgebildet worden, bevor 1990 die beiden letzten Schulen des Reifensteiner Verbandes geschlossen wurden.

 Die Förderung der Eigenständigkeit und Unabhängigkeit der Frauen, der sich von Kortzfleisch verschrieben habe, sei ein Thema, das die Gesellschaft auch heute noch beschäftigt, betonte die Historikerin Ortrud Wörner-Heil in ihrem Festvortrag. Denn von Kortzfleisch habe schon damals erkannt, dass ein Mangel an Wirkungsmöglichkeiten schlecht für Frauen sei, da in ihnen „viele ungehobene Schätze“ schlummerten.

 Überdies habe sich die Verbandsgründerin durch männliche Sichtweisen provoziert gefühlt, nach denen das Ideal einer Frau in der Mütterlichkeit zu finden sei. Somit habe von Kortzfleisch, die sich wegen ihrer Ansichten einem „Sturm von Spott und Widerspruch“ ausgesetzt sah, mit der von ihr initiierten Landfrauenausbildung das Ziel verfolgt, etwas gegen die „stumme Tragik des Alltags vieler Mädchen“ zu unternehmen, indem sie ihnen Chancen bot, sich beruflich zu qualifizieren.

 In den Augen von von Kortzfleisch sei „Bildung der Schlüssel zur Emanzipation“ und Voraussetzung für eine ökonomische Unabhängigkeit der Frauen gewesen, so Wörner-Heil. In der Folge habe ihr Vorstoß eine regelrechte „Lawine“ im gesellschaftlichen Diskurs losgetreten. Doch erst mit der 1977 erfolgten Reform des 1958 in Kraft getretenen Gleichberechtigungsgesetzes sei in Deutschland eine komplette Gleichstellung von Mann und Frau geschaffen worden.

 „Nach der Abgabe der letzten Schulen 1990 bemühte sich der Reifensteiner Verband in Obernkirchen um die Sicherung seiner schriftlichen Überlieferung“, informierte Stefan Brüdermann, der Archivdirektor des Niedersächsischen Landesarchivs in Bückeburg. 1993 sei daher ein Depositalvertrag mit dem Staatsarchiv geschlossen worden und im Jahr 2000 der gesamte Aktenbestand in das Eigentum des Landes übergegangen. Hinzugekommen seien private Schriftgüter wie Tagebücher, Briefe und Fotos aus den Händen der damaligen Schülerinnen der Landfrauenschulen.

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