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Im Schulzentrum gibt’s jede Menge spleenig-burleske Typen

Obernkirchen / Schaumburger Bühne Im Schulzentrum gibt’s jede Menge spleenig-burleske Typen

Bei geschlossenen Augen ist es ein Leichtes, der Szenerie Glauben zu schenken. Wir befinden uns auf einem englischen Landsitz. Ein in die Jahre gekommenes Schloss, eingebettet in die Hügelwelt der Grafschaft Eastermoor.

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„Und mit dir fange ich an“ – für die Blondine in der Mitte dieser Probenaufnahme scheint das Schicksal besiegelt zu sein.

Quelle: bus

Obernkirchen (bus). Es geht um nicht weniger als um Leben und Tod. Offensichtlich sollen mehrere Personen den Weg ins Jenseits antreten. „Und mit dir fange ich an“, bellt eine ins Hysterische tendierende Frauenstimme.

 Kurz darauf ist ein kulanterer Laut zu vernehmen. „So geht das aber nicht.“ Und offenen Auges ist zu erkennen: Das mit dem Landsitz geht auch – noch – nicht. Wir befinden uns zweifelsfrei im Schulzentrum Ochsenbruch. Die Äußerungen stammen von Mitgliedern der „Schaumburger Bühne“, die ihr aktuelles Stück einstudieren. „Am 24. November ist Premiere“, sagt Regisseur Jürgen Morche, dessen Tonfall jetzt die Kulanz abhanden kommt.

 Am letzten November-Sonnabend dieses Jahres wird ein Stück des in Lüneburg lebenden Autors Jürgen Baumgarten seine Schaumburger Uraufführung erleben, in dessen Mittelpunkt ein happig überschuldeter Lord steht. „Bubblegum und Brillanten“ zeigt einen Ehrenmann alten Schlages, für den es in dieser Situation nur noch einen Ausweg zu geben scheint. Die Zukunft sieht finster aus. Bevor es zum finalen Adieu kommt, geben sich unterdessen Versicherungsagenten, Vermögensberater, Gaunerpärchen und Bridgedamen die Schlossklinke in die Hand. Leise spinnen sich Romanzen und Intrigen um Bewohner, Bedienstete und Besucher.

 Trotz der bisweilen üblen Zutaten handelt es sich bei der Inszenierung nicht um ein Trauerspiel. Bereits das frohgemute Wort „Bubblegum“ (Kaugummi) lässt erahnen, wohin die Reise geht. „Wir haben uns diesmal wieder für den Boulevard entschieden“, erläutert Morche. Die Handlung spiele nicht von ungefähr in England, wo spleenig-burleske Typen zur Standardausstattung alter Schlösser zählten. Dieser Menschenschlag tauge am ehesten dazu, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. „Wir wollen die Zuschauer inspirieren und ihnen ein großes Vergnügen bereiten“, legt der Regisseur dar.

 Damit das klappt, absolviert das 1985 gegründete und seit 2001 von Morche betreute Ensemble einen bemerkenswerten Probenmarathon. In den Wochen vor der Uraufführung erstrecken sich die Einstudierungen der allesamt berufstätigen Akteure über ein komplettes Wochenende. „Wobei zu bedenken ist“, erklärt der Spielleiter, „dass das Komödiantische kein einfaches Fach ist.“ Auf der anderen Seite gebe es für die Darsteller auf der Bühne die Möglichkeit, Dinge zu tun, die im normalen Leben nicht selten Ärger nach sich zögen. „Meine Aufgabe besteht darin, bei jedem das Talent dergestalt zu entwickeln, dass es zur größtmöglichen Ausstrahlung kommt“, zeigt Morche auf. Und darin, dass jeder locker und gelöst agieren könne.

 „Ich hoffe nur, Sie erschießen uns alle.“ Die Schauspieler fahren mit der Probe fort. Wir sind im Schlussakt. „Ich werde jedenfalls nicht mehr um Gnade winseln“, sagt eine ältere Dame. „Na, nun schießen sie schon!“ „Jetzt langsam“, mahnt Morche, „wir müssen Dich ja irgendwie aus der Optik heraus bewegen.“ „Ja, genau. Versuche, ihn an der Hand hinter dir herzuziehen.“ „Mach die Tür schon mal auf für dein Häschen.“

 Obwohl der künstlerische Leiter das Geschehen häufig unterbricht, viel vorformuliert, beispielhaft vormimt und seine Schützlinge in die vermutlich beste Position bugsiert, ist er mit seiner Truppe keineswegs unzufrieden. „Die machen das schon sehr gut.“ Womöglich wird das Ensemble 2013 erneut zum alle zwei Jahre auf der Nordseeinsel Baltrum organisierten niedersächsischen Amateurtheatertreffen eingeladen. „Ein bisschen Ehrgeiz besitzen wir ja auch“, meint Morche, der dem über die VHS Schaumburg zusammengefundenen Darstellerkreis ohne Weiteres semi-professionelle Qualitäten bescheinigt.

 „Jane geht jetzt blitzschnell zur Konfektschale und schiebt das ganze Zeug raus“, gibt Morche nun das Tempo des Geschehens auf der Schulzentrumsbühne vor. „So wie beim Kegeln. Und dann geht’s Klunker, Klunker, Klunker. Bleib da! Man hört Aufschreie.“ Und dann, tja, und dann nimmt das Schicksal auf Schloss Eastermoor selbstverständlich seinen Lauf. Very british, versteht sich. Blood. Sweat. And Tohuwabohu.

 Mitwirkende: Markus Bandow, Oliver Beckers, Evi Dopheide, Nicola Everding, Eberhard Greuel, Betina Handelsmann, Juliane Huenecke, Regine Müller, Claudia Quintern, Peter Reinhold, Birgit Rugbarth, Anna Schönbeck, Sylvia Spilker, Andreas Watermann; Souffleuse: Maike Stratmann; Bühnen- und Kostümbild: Janin Pöhler; Maske: Beate Schliwa; Technik: Rudi Brune, Norbert Haverland; Bühnenbau: Eberhard Greuel, Christian Nalasek; Regie: Jürgen Morche. Termine:

 Sonnabend, 24. November, 19.30 Uhr, Premiere im Schulzentrum Obernkirchen, Admiral-Scheer-Straße; 31. Dezember, 19 Uhr, Ratsgymnasium Stadthagen; 19. Januar, 20 Uhr, Grundschule Rehren; 2. Februar, 20 Uhr, Kleinenbremen, Restaurant Olympia, Am Rehm 14; 23. Februar, 20 Uhr, Rinteln, Brückentorsaal; 2. März, 20 Uhr, Bad Eilsen, Kurtheater; 6. April, 20 Uhr, Bückeburg, Gymnasium Adolfinum; 23. Juni, 14.30 und 18 Uhr, Schloss Petershagen, Schlossfreiheit 5-7.

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