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Obernkirchen Stadt In der Notzeit gab’s Bier aus Molke
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt In der Notzeit gab’s Bier aus Molke
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00:16 01.11.2013
Die Familie feiert das Erreichte (von links): Doris und Wolfgang Anke und deren Kinder Stephan, Christian und Andrea. Quelle: sig
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Obernkirchen

Vorfahren der Familie kamen vor 167 Jahren aus einem Dorf nahe Beverungen nach Krainhagen, um als Korbmacher bei der Glashütte zu arbeiten. Das war damals ein gefragter Beruf, wurde aber schlechter bezahlt als der eines Glasmachers.

 Auf der Neuhütte, die sich einst auf dem Gelände des heutigen Festplatzes des Rotts Hütte an der Stoevesandtstraße befand, arbeiteten 1882 nur 26 Glasmacher, aber 200 Korbmacher und 42 Tagelöhner. Das lag daran, dass in der Hütte ausschließlich jene großen Glasbehälter hergestellt wurden, mit denen Rum nach Amerika transportiert wurde.

 Um das zerbrechliche Gut zu schützen, waren Weidenkörbe nötig. In diesem Metier waren die Brüder August und Joseph Anke ausgebildet. Ins Schaumburger Land folgten ihnen ihre ehemaligen Nachbarn, die Brüder Franz und Joseph Böke.

Diese Familie erwarb von den Besitzern der Glasfabrik, den Gebrüdern Stoevesandt, jenes Grundstück am Eingang zur Stoevesandtstraße, das zur Keimzelle der Firma wurde. Dort entstand ein großes Haus, in das Heinrich Alexander Anke mit seiner Familie als Mieter mit einzog. Dort begannen 1900 zunächst die Bökes mit dem Verkauf von Flaschenbier, Limonade und Selterwasser. Auf dem Grundstück wurde ein 22 Meter tiefer Brunnen gebohrt, aus dem Trinkwasser kam, das sich für die Herstellung von Mineralwasser eignete.

 Heinrich Anke heiratete die Tochter Anna Böke und übernahm vom Schwiegervater den Bierverlag und die Mineralwasserfabrik. 1920 nahm er seinen Bruder Karl als gleichberechtigten Partner ins Geschäft. Der kümmerte sich um den Innendienst. Heinrich gewann neue Kunden, denn „hei harre jümmer mit’n Löüen platt eküret“. Zu den Abnehmern gehörten die Wirtshäuser in der Umgebung, kleine Steinbrüche am Bückeberg, Glasfabriken, Krämer und Konsumgenossenschaften des Einzelhandels.

 Bald wurde das Pferdegespann Hector und Hella durch den ersten Lastwagen ersetzt. Auf einem weiteren Grundstück gegenüber dem Wohnhaus entstand ein neues Betriebsgebäude. Während des Zweiten Weltkriegs lief das Geschäft auf Sparflamme, bis Franz Anke mit Ehefrau Anneliese und Vater Heinrich nach 1945 den Neuanfang wagte. Die Maschinen wurden wieder in Gang gebracht. Aus der Not geboren war die Idee, aus Molkebier und einer Limonade ein Mischgetränk herzustellen. 1958 folgten Investitionen in Dampfkessel, Spülmaschine und Abfüllanlagen für Bier und Limonade.

 Wolfgang Anke trat mit 20 Jahren in die Firma ein, wurde Verkaufsleiter und später alleiniger Inhaber. Inzwischen hat er das Unternehmen zu gleichen Teilen seinen Söhnen Stefan und Christian übertragen. 1998 zog die Firma in den über 1050 Quadratmeter großen Neubau in Röhrkasten um.

„Das war ein Meilenstein in der Entwicklung der Firma“, sagte Udo Anke, Wolfgangs Bruder, in seinem Rückblick, bei der Hundertjahrfeier am Sonntag in der Liethhalle. sig

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