Obernkirchen. Seit mehr als acht Jahren nehmen die Kindergärten Kleistring und Kammweg an einem Modellversuch der Landesregierung zur Sprachförderung teil, zwei Sprachförderkräfte arbeiten seither mit 20 bis 30 Kindern pro Einrichtung. Durch geänderte Richtlinien wurde das Angebot auch auf die Kindergärten Vehlen und Krainhagen ausgedehnt. „Diese Sprachfördermaßnahmen haben sich bewährt“ erklärte Denocke, was später auch ihre Kolleginnen Maren Witte für den Kleistring und Susanne Kuhlmann für Krainhagen unterstrichen.
Die Sprachförderung sei dabei zu einem wichtigen Bestandteil der pädagogischen Arbeit geworden und biete für die Kinder „viele erfolgreiche Sprachentwicklungsmöglichkeiten“, erklärte Denocke: Den Kindern werde auf vielfältige Weise, überwiegend in Kleingruppen oder auch in der Einzelförderung, die deutsche Sprache vermittelt.
Mitte vergangenen Jahres seinen die Förderungen ausgelaufen, jetzt sei das Ziel, das jede Kindertageseinrichtung die Aufgabe von Sprachbildung und Sprachförderung im Rahmen ihrer pädagogischen Konzeption beschreiben und fachgerecht umsetzen könne. Das bedeutet: Die Zielgruppe seien jetzt alle Kinder – vom Eintritt in die Tagesstätte bis zum Schulanfang in allen Gemeinden.
Dike Förderung habe sich bewährt, betonte Denocke, die Zahl der Schüler, die noch in der Schule gefördert werden müsste, sei deutlich gesunken. Die neue Entwicklung sei bedauerlich, ob sie funktioniere, das wisse sie nicht. Es wunderte sich anschließend nicht nur die Ausschussvorsitzende Beate Krantz (CD): „Jahrelang wird uns erzählt, Bildung beginnt ganz früh.“ Und das gelte auch für die Sprachförderung: „Je früher, desto besser.“ Die Frage laute daher: Kommen wir weiter, wenn wir dem Landkreis mitteilen: Wir machen weiter wie bisher?“ Bernhard Watermann wies als Verwaltungsvize auf die sich in Niedersachsen ändernden Fördersysteme hin, der Landkreis versuche sie, am Leben zu erhalten. Arnulf Buch, Rektor an der Grundschule Kammweg, verwies mit deutlichen Worten darauf, dass sich das Sprachverständnis der Schüler generell verschiebe: zum Schlechteren.
Kleistring-Leiterin Witte sah es später mit Blick auf die Aufgaben ihrer Mitarbeiter so: „Irgendwann ist das Ende der Fahnenstange erreicht.“
Die Frage der Belastbarkeit der Kiga-Mitarbeiter kam später noch einmal zur Sprache. Eigentlich war es ein Routinetagesordnungspunkt, es wurde eine lange Aussprache, die mit einer Forderung nach Nachverhandlungen endete: Diskutiert wurde im Fachausschuss über den Paragrafen acht, den Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung.
Bisher waren die zuständigen Jugendämter bei der besonderen Problematik von Kindern und Familien zuständig. Sie wurden beim Verdacht der Kindeswohlgefährdung direkt informiert und um Unterstützung gebeten. Das soll sich nun ändern, die Mitarbeiter der Tageseinrichtungen werden stärker eingebunden.
Sie werden verpflichtet, über die betreffenden Personen oder Kinder ausführliche Dokumentationen anzufertigen, die die Problematik der Familie und des Kindes umfangreich beschreiben. Formblätter finden sich in einer Vereinbarung, die rund 15 Seiten umfasst und über einen längeren Beobachtungszeitraum geführt werden muss.
Dazu besteht die Möglichkeit, eine Kinderschutzkraft hinzuzuziehen, mit deren Hilfe ein Entwicklungsplan erstellt werden kann. Auch Gespräche mit den Beteiligten könnten geführt werden.
Schon im März hatte der Landkreis eine entsprechende Vereinbarung mit den Trägern und Diensten im Bereich der Kindertagesstätten herausgeschickt, jetzt wurde darüber im Fachausschuss beraten. Oliver Keller (SPD) erklärte, ohne Mehrstunden könne die Aufgabe gar nicht bewältigt werden, zumal Witte den Anteil der dafür infrage kommenden Kinder auf zehn bis 15 Prozent bezifferte.
Keller legte nach: Um diesen Auftrag erfüllen zu können, müsste er mehr Arbeitszeit geben. Der Vertrag, erklärte Bürgermeister Oliver Schäfer, sei für jede Kommune identisch. Das Jugendamt wolle sich durch die Dokumentation absichern. Auch Schäfer sah es wie die Kindergartenleiterinnen: Eine weitere Aufgabe werde auf die Kommune heruntergeladen, ohne dass es einen Ausgleich gebe: „Hier kommt noch etwas weiteres auf uns zu.“ Und was das ist, formulierte Rektor Buch so: Eine „Überbürokratisierung“ und „Notizwut“ sah er, eine „Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, die nicht sein muss“.
Watermann nahm den Faden auf und sprach von einer „Arbeitsverdichtung“, die die Frage aufwerfe, was zusätzlich noch schaffbar wäre, und mit Blick auf die Vereinbarung wurde er grundsätzlich: Eine Vereinbarung werde normalerweise auf Augenhöhe abgeschlossen – „das ist das, was hier irritiert“. Mit einem Präzedenzfall, einer „Lex Obernkirchen“, werde sich der Landkreis fraglos „schwertun“. Das letzte Wort hatte Keller: Die Stadt solle eine finanzielle Entlastung fordern. Wer diese Vereinbarung wolle, der müsse in Vorleistung gehen: Das Personal ist uns zu wichtig.“
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