Obernkirchen/Auetal (sig). Diese Menschen haben sich einer Aufgabe verschrieben, um die sie wohl kaum jemand beneidet. Familienangehörige oder gute Freunde und Bekannte im Krankenhaus zu besuchen, ist eine Selbstverständlichkeit. Aber sich dort um ausweglos kranke und dazu fremde Patienten zu kümmern und ihnen einige heitere Augenblicke zu verschaffen – das ist Nächstenliebe, wie sie eigentlich nur von Mitgliedern der Hospizgruppen geleistet wird.
Inzwischen gibt es dafür auch geschulte Klinikclowns, die vor allem Kinder besuchen, die aufgrund einer schweren Erkrankung vom Leben nicht mehr viel zu erwarten haben. Mitglieder der Hospizgruppe Obernkirchen-Auetal lernten im „Sonnenhof“ eine solche Frau kennen. Sie heißt Sabine Kemmann und wohnt erst seit kurzer Zeit im Auetal. Von dort aus besucht sie – natürlich nach Absprache und im Auftrag der Kliniken – in der Rheinmetropole Düsseldorf schwerkranke Kinder. Wie sie diese sehr diffizile Aufgabe anfasst und löst, verdient hohen Respekt.
„Ich bin spezialisiert auf innere Akrobatik und individuelle Begegnungen“, steht auf ihrer überdimensionierten Visitenkarte. Und dazu stellt sie fest: „Das Leben ist nicht schwarz und weiß, es ist grau und bunt.“
Sie möchte Menschen zum Lachen bringen, weil darin eine unschätzbare Kraft liegt, ist Sabine Kemmann überzeugt. Die ausgebildete Pädagogin aus dem Bergischen Land hat selbst vier Kinder und weiß, mit welchen Fragen und Anliegen eine Mutter konfrontiert wird, kennt sich aber auch in der Seniorenarbeit aus.
Sie sei schon beim Betreten eines Raums als Clown zu erkennen, verrät sie den Zuhörern, komme bunt gekleidet und mit einer roten Bommel auf der Nase daher, vermeide aber ein allzu grelles Aussehen und breitwulstig gemalte Lippen. Ein etwas dezenter auftretender Spaßmacher also, der an die Tür anklopft und sich erst einmal umschaut, ob sein Kommen in diesem Augenblick auch wirklich angesagt ist.
„Ich komme nicht mit einem vorgefertigten Programm und suche erst einmal den Blickkontakt und dann das Gespräch. Vielleicht haben die Kinder selbst etwas vor und brauchen einen Spielpartner. Meistens frage ich sie auch: Womit könnte ich Dich erfreuen?“
Mitten in den Raum stellt sie einen roten Koffer, aus dem sie nach und nach so einiges Zubehör hervorholt, wie zum Beispiel eine viel zu große Hose, einen Handspiegel, eine lange Papierblume und ein Behältnis, aus dem sie Seifenblasen in die Luft bläst.
Die Italiener würden sagen, Lachen mache gutes Blut. Die Deutschen kennen die Aussage „Lachen ist gesund“. Darin liege viel Wahrheit, so die Clownfrau, der man überhaupt nicht zutraut, irgendeine Tollpatschigkeit an den Tag zu legen, die man dieser Spaßmacherfigur zuschreibt. Dass ihr Klinikbesuch sehr viel Sinn macht, zeige das Ergebnis: Die anschließend bei den Mädchen und Jungen festgestellten Immunwerte seien spürbar gestiegen.
„In jedem von uns wohnt ein Clown, nur die wenigsten trauen sich, ihn zu zeigen“, äußerte sich Sabine Kemmann am Ende ihres Besuchs.
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