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Ist der Verstorbene wirklich tot?

Obernkirchen / Organspende Ist der Verstorbene wirklich tot?

„Dafür, dagegen, weiß nicht“: Unter diesem Motto hat ein Vortrag zum Thema Organspende gestanden, zu dem die Hospizgruppe Obernkirchen/Auetal Pastor Dr. Michael Coors, Theologischer Referent am Zentrum für Gesundheitsethik (ZfG) in Hannover, eingeladen hatte. Coors informierte über den aktuellen Stand der Gesetzgebung sowie über ethische Fragen der Organtransplantation.

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Michael Coors

Quelle: pr.

Obernkirchen. In Deutschland gilt für Transplantationen die Zustimmungslösung: Eine Entnahme von Organen nach dem Tod ist nur erlaubt, wenn der mögliche Spender zu Lebzeiten zugestimmt hat oder der nächste Angehörige den mutmaßlichen Willen des Verstorbenen äußert. Seit 2012 wird jeder Bürger nach Vollendung des 16. Lebensjahres von seiner Krankenkasse darüber informiert und kann freiwillig in einem Ausweis dokumentieren, ob er nach seinem Tode zu einer Organ- oder Gewebespende bereit ist. Er kann der Entnahme widersprechen oder die Entscheidung einer anderen Person überlassen. Da sich das biologische Alter von Organen nicht mit dem kalendarischen eines Menschen deckt, gibt es für Spender keine Altersgrenze. Vor einer Organtransplantation müssen zwei voneinander unabhängige Ärzte, die nicht an der Transplantation beteiligt sein dürfen, den Hirntod feststellen, das heißt den endgültigen Ausfall der gesamten Funktionen von Groß-, Kleinhirn und Hirnstamm. Liegt eine Zustimmung des Spenders vor, werden seine Daten an Eurotransplant weitergeleitet.

 Ein so sensibler Vorgang wie die Organspende wirft neben medizinischen auch ethische Fragen auf. Bereits die Sprachwahl ist nicht neutral. So betont die Formulierung „Organspende“ die Freiwilligkeit und schließt damit eine moralische Verpflichtung zur Organspende wie auch einen Anspruch auf ein Spenderorgan aus. Diskussionen über das Für und Wider der Organspende werden aber oft nicht ergebnisoffen, sondern einseitig werbend geführt.

 Coors betonte dagegen das Recht auf eine individuelle Entscheidung und forderte dazu auf, Argumente für und gegen die Organspende abzuwägen. Ein klares Argument für die Organspende ist die Rettung von Leben; auch über den Tod hinaus kann man helfen. Doch auch Gegenargumente müssen ernst genommen werden, etwa die Rücksichtnahme auf Angehörige oder ein unterschiedliches Verständnis von Leben und Tod. Seit Erfindung der Herz-Lungenmaschine können Atmung und Kreislauf künstlich aufrecht erhalten werden. Darum wurde der Todeszeitpunkt durch den Begriff des Hirntodes neu definiert. Doch auch nach dessen Feststellung können sich noch Muskelreflexe zeigen, die Organe „leben“. Ihre Vitalität ist für die Organentnahme entscheidend. Für die Hinterbliebenen aber bedeutet sie häufig eine Belastung: „Ist der Verstorbene wirklich tot?“ Die Beantwortung dieser Frage hängt ganz vom jeweils eigenen Verständnis des Menschseins ab.

Abschließend appellierte Dr. Coors an die Zuhörer, ihre Entscheidung für oder gegen eine Organ- oder Gewebespende gründlich zu bedenken und unbedingt ausführlich mit den Angehörigen oder anderen nahestehenden Menschen zu besprechen. Denn sie müssen mit der Entscheidung leben. Die Notwendigkeit, einem Toten Organe oder Gewebe möglichst schnell zu entnehmen, verändert den Abschied für die Hinterbliebenen. Hier könnte eine weitere Aufgabe für Hospizgruppen darin bestehen, für eine Atmosphäre der Ruhe und Würde zu sorgen.

 Die Hospizgruppe beschäftigt sich auch mit dieser Herausforderung an den monatlichen Gruppenabenden. Das nächste Treffen findet Montag, 6. Januar 2014, 19 Uhr, in der Cafeteria des Seniorenzentrums Sonnenhof, An der Stiftsmauer 5, statt. Interessierte sind willkommen. rd

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